Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Fechter » Sa 16. Nov 2019, 17:38

Die Erkenntnis dass sich fast alle Sportarten weiter entwickelt haben, ist unstrittig. Die Frage ist doch, warum ist die Lücke zur internationalen Spitze so groß geworden und wie es weiter geht. Und Jutta Müllers Traini gsmethoden ob gut oder nicht, würden heute jedenfalls nicht reichen. Es braucht neue Bezugspunkte.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Karl-Heinz Krebs » Sa 16. Nov 2019, 17:23

Fechter hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 16:59
Das war nicht abfällig gemeint. Der Sport hat sich aber weiter entwickelt. Witts damalige Leistung wäre heute sicherlich keine Medaille mehr.
Nenn mir eine Sportart, wo das nicht so ist ...

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Fechter » Sa 16. Nov 2019, 16:59

Das war nicht abfällig gemeint. Der Sport hat sich aber weiter entwickelt. Witts damalige Leistung wäre heute sicherlich keine Medaille mehr.
Selbst wenn also Trainer und Athleten das leisten würden, was Jutta Müller und K. Witt damals geleistet haben, reicht es eben nicht mehr. Deswegen nützt der Blick in die Vergangenheit nur unzureichend.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Katrin » Sa 16. Nov 2019, 10:18

Wie man den Eiskunstlauf in Deutschland auf ein höheres Niveau bringen kann - @Peter Naber und @Karl Heinz - dazu weiss ich auch nicht weiter als zu sagen: Die Situation ist verfahren.
Fechter hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 09:10
...Und Katis Eltern mussten vermutlich auch nicht tausende DDR Mark jährlich zuschießen.
Allerdings würde die Leistung heute ja auch nicht mehr reichen. Ein Pummelchen wie sie, würde wohl eher nicht vor Medwedewa oder Sagitova landen.
Somit meine ich, dass die Trainingsmethoden hinterfragt und modernisiert werden müssten.
Wie bitte, Kathi Witt 1988 bei ihrer Carmen ein Pummelchen ?

Das Hungern ist so ab 14 , 15 Jahren scheinbar bei allen Läuferinnen ein Teil ihres Erfolgs und wird auch hier im Forum schon als notwendig, ästhetisch und halt zum Sport gehörig hingenommen. Das Hungern geschieht im stillen Kämmerlein, und die leise gesagten Worte der Trainer "Pummelchen !" verletzen viel länger und tiefer als ein Ruf des Trainers beim Eis-Training: "Aufstehen und nochmal!" .
Das Gewicht-Runterfahren und Halten kann dem Kind eine gewisse Disziplin lernen, aber es kann umschlagen in eine Ess-Störung, sehr schnell, das geht von einem auf den anderen Tag.

An das sollten verantwortungsvolle Eltern auch denken.

Bitte mir nicht kommen, dass es in der rhytmischen Sportgymnastik und im Turnen auch so ist. Dort geht es auch falsch.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Peter Naber » Sa 16. Nov 2019, 09:59

Karl-Heinz Krebs hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 08:17
@Fechter

Ich gebe Dir in allen Dingen recht. Derzeit gibt es fünf Bundesstützpunkte im Eiskunstlauf. Meiner Meinung nach sind das zu viele. ...
Hallo Karl-Heinz,

ich habe da auch lange darüber nachgedacht. Nur, wir sind ein Volk von über 80 Mill. Menschen. Und finanziell gehören wir auch zu den Staaten, die besser dastehen als die meisten.

Ich denke, dass es eher an der Inhaltlichen Ausgestaltung der Arbeit an den Leistungssportzentren liegt. Ein Beispiel Obertdorf.
Bei dem Fundus an Trainern, und finanziell, müsste doch jede zweite Medaille bei deutschen Wettbewerben von Sportlern erzielt werden, welche an diesem Standort trainieren. Ist aber nicht. Das kann jetzt nicht zu viel aussagen, aber ich habe das so beobachtet.

Meine, subjektive, Erfahrung ist, das es an zwei Dingen fehlt: Professionalität und Leidenschaft.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Peter Naber » Sa 16. Nov 2019, 09:43

Matthias hat geschrieben:
Fr 15. Nov 2019, 23:07
Nur werden Frau Müllers Trainingsmethoden in einer freiheitlichen Gesellschaft vermutlich nicht toleriert. Da sollten Sie schon einen anderen Kronzeugen beibringen.
Ich bin im "Osten" aufgewachsen und kenne das Regime sehr gut. Und: Die DDR ist seit nunmehr 30 Jahren (!) Geschichte und das ist gut so!!! Und, ja, wenn ich 1980 eine 10jährige Tochter gehabt hätte, dann wäre sie sicher nicht zum Training bei Frau Müller oder im Leistungssport überhaupt gewesen.

Aber ich spreche hier nicht über Politik, sondern über Sport. Und ich habe auch nichts zu den Trainingsmethoden von Frau Müller gesagt, sondern habe nur wenige Sätze aus einem Interview zitiert. Mehr nicht. Und in dem was sie da gesagt hat, hat sie recht. Und sie hat auch nicht über Oberstdorf, Mannheim oder Dortmund gesprochen sondern über den Standort, an welchem sie jahrelang tätig war. Erst kürzlich wurde dort zu Ehren ihres 90. Geburtstages eine große Eisgala veranstaltet. Ob zu recht oder nicht, das steht mir nicht zu darüber zu urteilen. Aber wenn sie dort geehrt wird, dann kann man auch erwarten, das man auch hinhört, wenn sie kritisches zu sagen hat.

Ich habe sie nicht als "Kronzeugin" gebracht sondern, wenn man das überhaupt so bezeichnen möchte, der Berliner Kurier. Auch kein Blatt, das im Verdacht steht, der DDR nachzutrauern.
Und ich habe Herrn Dönsdorf benannt. Er sagt im Grunde nichts anderes, nur er sagt es eben in einer Zeit, wo er noch mit in der Verantwortung steht als Funktionär. Und in verschiedenen Zeitungen (FAZ, Stuttgarter Nachrichten, ...) wurde das Thema aufgegriffen. Und es gibt zahlreiche Eltern mit ihren Kindern zusammen, welche man als "Kronzeugen" aufrufen kann, die oft über Jahre viel in den Sport investiert haben um dann resigniert und frustriert aufzugeben.

Das man die Arbeit Frau Müllers, als Vertreterin des DDR-Sports, kritisch sieht kann ich gut verstehen. Dann streichen Sie den letzten Abschnitt aus meinem Artikel.
Ich habe noch einiges mehr geschrieben. darüber können wir dann reden.
V.G.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Fechter » Sa 16. Nov 2019, 09:10

Ich weiß nicht, was und wie Frau Müller trainiert hat. Extra Honorar hat sie neben ihrem Gehalt wohl eher nicht von den Sportlern bekommen. Und Katis Eltern mussten vermutlich auch nicht tausende DDR Mark jährlich zuschießen.
Allerdings würde die Leistung heute ja auch nicht mehr reichen. Ein Pummelchen wie sie, würde wohl eher nicht vor Medwedewa oder Sagitova landen.
Somit meine ich, dass die Trainingsmethoden hinterfragt und modernisiert werden müssten.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Karl-Heinz Krebs » Sa 16. Nov 2019, 08:17

@Fechter

Ich gebe Dir in allen Dingen recht. Derzeit gibt es fünf Bundesstützpunkte im Eiskunstlauf. Meiner Meinung nach sind das zu viele. Verteilt man unsere derzeitigen Spitzenläufer gleichmäßig auf die Stützpunkte, dann bekommt jeder zwei, bestenfalls drei ab, die Paare mal als eine Person gezählt. Zwei, maximal drei Stützpunkte wären sinnvoller. Dort könnte man intensiv mit den Läuferinnen und Läufern arbeiten, sie könnten sich gegenseitig anspornen, wie es in anderen Sportarten auch ist. Auf diese Stützpunkte müssen dann auch die Gelder konzentriert werden. Dort müssen dann auch Trainer arbeiten, die eine umfassende Ausbildung genossen haben.
Unter diesen Bundesstützpunkten könnten Landesstützpunkte etabliert werden. Vielleicht fünf, verteilt über das ganze Land, wo die Talente gefördert werden, die das Zeug haben mal zu einem Bundesstützpunkt zu wechseln. Auch hier würde aufgrund der reduzierten Anzahl von Landesstützpunkten mehr Geld zur Verfügung stehen. Leider wird das aber nicht verwirklicht werden können, denn jedes Land möchte seinen eigenen Stützpunkt haben und Land A darf keine Fördermittel ausgeben, die dann im Land B ankommen. Willkommen in der deutschen Kleinstaaterei. Lieber wird das wenige Geld großzügig mit der Gießkanne verteilt.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Matthias » Fr 15. Nov 2019, 23:07

Nur werden Frau Müllers Trainingsmethoden in einer freiheitlichen Gesellschaft vermutlich nicht toleriert. Da sollten Sie schon einen anderen Kronzeugen beibringen.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Peter Naber » Fr 15. Nov 2019, 20:10

Hallo "Fechter".

Ich schreibe hier als der, der das Thema hier im Forum vor einiger Zeit aufgemacht hat. Getrieben von ähnlichen Gedanken habe ich die Öffentlichkeit gesucht und Gleichgesinnte um etwas in Bewegung zu bringen. Das war aus meiner heutigen Sicht etwas naiv, aber trotzdem nicht falsch.

Die Situation, welche wir heute beim Eiskunstlauf in Deutschland haben, ist derart komplex, dass man ein Buch darüber schreiben könnte. Das will aber sicher keiner lesen, so dass ich es, rückblickend, versuche mal "kurz" zu beschreiben. Rückblickend deswegen, da wir es aufgegeben haben, und mit uns auch etliche andere.

Für Eltern mit ihren Kindern, welche keine Ambitionen auf wirklichen Leistungssport haben, also national "vorn" mitzulaufen und international "gut dabei zu sein" stellt es sich vieleicht nicht so dramatisch dar, vor allem dann nicht, wenn man als Familie finanziell gut aufgestellt ist.

Wenn man aber mehr möchte und dann auch ganz viel Zeit und viel Geld investiert (10.000 EUR und mehr im Jahr sind da locker drin) und die Perspektiven im Nebel des Mittelmaßes verschwinden ist das einfach bitter.

Herr Dönsdorf ist, so glaube ich, schon seit 20 Jahren in diesem Amt, und jetzt fällt ihm ein, "dass es so nicht weitergehen kann"? Und weiter: "... die Trainer müssen erkennen..., alle müssen die Zeichen der Zeit erkennen..., arbeiten,...".
Da frage ich mich wozu er da ist. Das meine ich nicht sarkastisch sondern sachlich und ehrlich. Was ist die Aufgabenbeschreibung seiner Funktion als Sportdirektor der DEU? Laut auszurufen: "Nun macht mal!"? Das klingt alles so, als ob da an der Basis Organisationen sind die ihr Eigenleben besitzen und es keine Einflussmöglichkeiten gibt.

Dabei gäbe es viele wichtige Fragen zu stellen, zu beantworten und in die Praxis umzusetzen.
- Wie muss das Zusammenspiel von (Sport-) Schule und Training organisiert werden, damit internationalen Ansprüchen genügendes Training möglich ist?
- Wieviele Stunden Eistraining sind in der Woche in welchem Alter erforderlich? Unsere Tochter hatte im letzten Jahr beim Eiskunstlauf mit 10 Jahren 7 (in Worten: sieben!) Stunden reguläres Training, darin waren schon 2 Kaderstunden enthalten. Ich habe frühere Läufer aus den 80iger Jahren mal gefragt, da sind Zahlen von 30 Stunden und mehr genannt worden.
- Wie sieht der Rahmentrainingsplan aus? Gibt es überhaupt einen bei der DEU?
- Sportler müssen regelmäßig beim Sichtungslaufen ihre Leistung (-ssteigerung) nachweisen. Und die Trainer? Wir brauchen endlich (fairen!) Wettbewerb unter den Trainern.
- Welche Trainingsmethoden und in welchem Umfang sind heute erforderlich?
- Welche technischen Voraussetzungen an den Trainingsorten werden dazu gebraucht?
- Wie und wo bekommen wir begabte Trainer her, die auch noch motiviert sind und mit Leidenschaft Ziele haben? (Damit sage ich nicht, das es in Deutschland keine solche Trainer gibt !!!, nur eben wenige)

Das sind nur einige Fragen mal angerissen, wo man sofort anfangen könnte.

Und dann sind da die Vereine vor Ort. Da muss man sich fragen, ob man wirklich mit Leidenschaft Leistungssport anbieten will, oder man mit einer Eisrevue oder einem Eismärchen im Jahr zufrieden ist. Hier denke ich, dass man es sich an vielen Orten bequem eingerichtet hat. Oder resigniert, was vieleicht mehr zu verstehen ist, aber nicht besser.

Und was auch verhehrend für den Sport ist: In vielen Vereinen betrachtet man die Eltern als unangenehme Störenfriede.
Das kann nicht gut gehen! Besonders wird das deutlich, wenn man anfängt Fragen zu stellen. In vielen Familien ist das ganze Leben, der ganze Alltag auf den einen Sport und die Unterstützung der Kinder ausgerichtet. Die Eltern finanzieren das ganze, ob über die Steuern oder Vereinbeiträge oder die direkte Zahlung für Trainingsstunden. Und dann wird man oft als dumm oder störend hingestellt. Hier braucht es definitiv einen Paradigmenwechsel.

Ich möchte hier an dieser Stelle aufhören. Wir haben es als Betrug empfunden. Auf der einen Seite wird suggeriert, das es sich um Leistungssport mit Perspektive handelt und auf der anderen Seite gibt es keine Perspektive, jedenfalls nicht da wo wir waren. Hätten wir vorher gewusst wie die Situation wirklich ist, hätten wir das nicht gemacht! Die Ergebnisse der deutschen Sportlerinnen und Sportler sprechen eine deutlich Sparache. Und die Aussagen von Herrn Dönsdorf auch.

Zum Schluss bringe ich noch mal ein Zitat, ich glaube ich hatte es früher bereits einmal zitiert. Es stammt von Jutta Müller aus einem Interview mit dem Berliner Kurier aus dem Jahr 2015:

"Entsetzlich, was aus der einstigen Paradesportart geworden ist. ...Wenn ich in Chemnitz heute das Training beobachte, weiß ich, dort kommt über Jahre nichts, aber auch gar nichts heraus, was internationalen Ansprüchen genügen könnte.“

https://www.berliner-kurier.de/sport/sp ... t--1215172

Hat da jemand aufgehorcht? Mal darüber nachgedacht?

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