Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Gasti

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gasti » Mi 24. Jul 2019, 13:47

Karl-Heinz Krebs hat geschrieben:
Di 23. Jul 2019, 20:02
Das "Fehlen" dürfte durch die Ausschreibung begründet sein. Es waren nur Einzelwettbewerbe für Juniorinnen und Junioren sowie im Eistanz (Advanced Novice, Junioren, Senioren) ausgeschrieben.
Wie kann man dann die Teilnahme von Egor Murashov in der Gruppe Senioren Men erklären?
Hier ist die Teilnehmerliste auf der Seite des Eissport-Verbandes Nordrhein-Westfalen e.V.?
Ein Fehler de Veranstalters?

Karl-Heinz Krebs
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » Mi 24. Jul 2019, 14:30

Gasti hat geschrieben:
Mi 24. Jul 2019, 13:47

Wie kann man dann die Teilnahme von Egor Murashov in der Gruppe Senioren Men erklären?
Hier ist die Teilnehmerliste auf der Seite des Eissport-Verbandes Nordrhein-Westfalen e.V.?
Ein Fehler de Veranstalters?
Die Frage kann nur der Veranstalter beantworten. In der Ausschreibung steht jedenfalls kein Senioren-Wettbewerb im Einzel:

https://isu.org/docman-documents-links/ ... ement/file

Jaqueice

Junioren Wettkampf ü18

Beitrag von Jaqueice » Do 12. Sep 2019, 01:17

Da es den über 18 jährigen wenigen Läufern in der Juniorenklasse kaum möglich ist an Wettkämpfen teilzunehmen, da die Altersbeschränkung bei max.18 liegt, wollte ich mich erkundigen ob es national/ international Wettkämpfe gibt bei denen Juniorenläufer (mit Klasse 2) starten können obwohl sie älter als 18 ist. Bisher gab es beispielsweise den Hessenpokal bei dem es möglich war.

Gasti

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gasti » Fr 13. Sep 2019, 17:40

Was ist los mit den deutschen Junioren-Einzelläufer?

Letzte Woche Elodie EUDINE, heute Nikita STAROSTIN.

Nicht mal den Stand vom letzten Jahr können diese Bundeskadersportler erreichen!

Gast

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gast » So 6. Okt 2019, 18:37

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass dieses Duo nochmal international eingesetzt wird.
Jeder hat eine 2. Chance verdient, aber sie waren ja auch schon bei der JWM sehr schwach.
Man fragt sich wann und ob es überhaupt nochmal einen DEU Kufenkünstler gibt, der einen 3A springen und sicher landen kann. Stagnation pur.

Hildecat

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Hildecat » Mi 13. Nov 2019, 11:15

In dieser Saison verbessern sich vor allem Aya und Nargiz kontinuierlich und sind bei internationalen Wettbewerben auf dem Treppchen zu finden. Da es leider keine Wettberwerbe sind die sich auf die Punkte bei den ISU Results auswirken, bleiben dort relativ niedrige Punkte vom ISU JGP stehen.
Das finde ich ein bisschen schade. Beim Zusehen kommt aber schon Freude auf wenn man sieht das die Sprünge tatsächlich besser geworden sind.

Fechter
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Fechter » Fr 15. Nov 2019, 17:01

Habe mich als Papa einer 8 Jährigen hier mal eingeklinkt. Wir (vor allem meine Frau und die Tochter als Aktive) machen das jetzt seit knapp 3 Jahren mit. Trainerhonorar, Choreographie extra, Fahrt- und Übernachtungskosten, Schuhe, aber allein hunderte Fahrkilometer in Berlin zu unterschiedlichen Eishallen und Ballet extra sind für einen Normalverdiener schon enorme Kosten, wie ich finde. Schularbeiten meist abends zwischen Abendessen und ins Bett gehen. Training idR 5*/Wo manchmal auch 6*.
Ich wundere mich eigentlich, wie viele hier bereit dazu sind, das zeitlich und finanziell in Kauf zu nehmen. Da ich selbst auch Trainer in zwei anderen Sportarten bin bzw. war, denke ich, dass das vom Einsatz und der Belastungsfähigkeit schon an der Grenze ist. Ich glaube nicht, dass man das im Moment noch deutlich erhöhen kann. Sofern also vorgebracht wird, der Deutsche Nachwuchs sei nicht leistungsbereit oder belastbar genug denke ich nicht, dass das das eigentliche Problem ist.

M.E. liegt ein Problem sicherlich darin, dass es keine (oder keine ausreichende) Talentsichtung außerhalb derer gibt, die schon beim Eislaufen sind. Somit laufen viele, die das Talent nicht haben und von den Anlagen her nie Spitzenleistungen bringen werden. Es scheint aber keiner ein Interesse zu haben, diese Eltern aufzuklären bzw. ihnen ihren Traum zu nehmen. Es leben davon schon junge Trainer/innen teils ohne Lizenz ganz passabel davon. Jedenfalls deutlich besser, als würden sie für einen 10ner/Std neben der Uni bei MC Donnalds jobben. Somit gibt es volle Eisflächen mit Trainingsgruppen, die recht inhomogen von ihrem Leistungsstand und Potential sind.

Ein weiteres Problem (jedenfalls mein Eindruck von hier) dürfte an mangelnder Trainingsplanung und Koordination liegen. Dazu kommt Vereinsmeierei. So trainieren teilweise die Guten in einer Leistungsklasse nicht mal zusammen.

"Wir sind an einem Wendepunkt angekommen, an dem wir uns fragen müssen, ob es ein Weiter-so geben kann", sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union, nach der höchst enttäuschenden Bilanz bei den Weltmeisterschaften in Saitama. "Ich sage auf keinem Fall, es muss einen Stopp geben." Denn die Erkenntnis aus der WM ist nicht allein, dass die DEU-Topathleten nur Mittelmaß sind, sondern die Weltelite mit großen Sprüngen immer weiter enteilt..." "Es muss eine ganz andere Art von Training entwickelt werden", sagte Dönsdorf. "Die Trainer müssen erkennen, dass so wie sie trainieren, nicht mehr zum Erfolg führt." Deshalb hoffe er, dass alle die Zeichen der Zeit erkennen, "die Ärmel aufkrempeln und arbeiten, arbeiten und arbeiten"

Ich glaube das trifft ins Schwarze und es kann nicht immer heißen es liegt am Geld, den Hallen, den Funktionären, den Kindern oder Eltern.

Peter Naber
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Peter Naber » Fr 15. Nov 2019, 20:10

Hallo "Fechter".

Ich schreibe hier als der, der das Thema hier im Forum vor einiger Zeit aufgemacht hat. Getrieben von ähnlichen Gedanken habe ich die Öffentlichkeit gesucht und Gleichgesinnte um etwas in Bewegung zu bringen. Das war aus meiner heutigen Sicht etwas naiv, aber trotzdem nicht falsch.

Die Situation, welche wir heute beim Eiskunstlauf in Deutschland haben, ist derart komplex, dass man ein Buch darüber schreiben könnte. Das will aber sicher keiner lesen, so dass ich es, rückblickend, versuche mal "kurz" zu beschreiben. Rückblickend deswegen, da wir es aufgegeben haben, und mit uns auch etliche andere.

Für Eltern mit ihren Kindern, welche keine Ambitionen auf wirklichen Leistungssport haben, also national "vorn" mitzulaufen und international "gut dabei zu sein" stellt es sich vieleicht nicht so dramatisch dar, vor allem dann nicht, wenn man als Familie finanziell gut aufgestellt ist.

Wenn man aber mehr möchte und dann auch ganz viel Zeit und viel Geld investiert (10.000 EUR und mehr im Jahr sind da locker drin) und die Perspektiven im Nebel des Mittelmaßes verschwinden ist das einfach bitter.

Herr Dönsdorf ist, so glaube ich, schon seit 20 Jahren in diesem Amt, und jetzt fällt ihm ein, "dass es so nicht weitergehen kann"? Und weiter: "... die Trainer müssen erkennen..., alle müssen die Zeichen der Zeit erkennen..., arbeiten,...".
Da frage ich mich wozu er da ist. Das meine ich nicht sarkastisch sondern sachlich und ehrlich. Was ist die Aufgabenbeschreibung seiner Funktion als Sportdirektor der DEU? Laut auszurufen: "Nun macht mal!"? Das klingt alles so, als ob da an der Basis Organisationen sind die ihr Eigenleben besitzen und es keine Einflussmöglichkeiten gibt.

Dabei gäbe es viele wichtige Fragen zu stellen, zu beantworten und in die Praxis umzusetzen.
- Wie muss das Zusammenspiel von (Sport-) Schule und Training organisiert werden, damit internationalen Ansprüchen genügendes Training möglich ist?
- Wieviele Stunden Eistraining sind in der Woche in welchem Alter erforderlich? Unsere Tochter hatte im letzten Jahr beim Eiskunstlauf mit 10 Jahren 7 (in Worten: sieben!) Stunden reguläres Training, darin waren schon 2 Kaderstunden enthalten. Ich habe frühere Läufer aus den 80iger Jahren mal gefragt, da sind Zahlen von 30 Stunden und mehr genannt worden.
- Wie sieht der Rahmentrainingsplan aus? Gibt es überhaupt einen bei der DEU?
- Sportler müssen regelmäßig beim Sichtungslaufen ihre Leistung (-ssteigerung) nachweisen. Und die Trainer? Wir brauchen endlich (fairen!) Wettbewerb unter den Trainern.
- Welche Trainingsmethoden und in welchem Umfang sind heute erforderlich?
- Welche technischen Voraussetzungen an den Trainingsorten werden dazu gebraucht?
- Wie und wo bekommen wir begabte Trainer her, die auch noch motiviert sind und mit Leidenschaft Ziele haben? (Damit sage ich nicht, das es in Deutschland keine solche Trainer gibt !!!, nur eben wenige)

Das sind nur einige Fragen mal angerissen, wo man sofort anfangen könnte.

Und dann sind da die Vereine vor Ort. Da muss man sich fragen, ob man wirklich mit Leidenschaft Leistungssport anbieten will, oder man mit einer Eisrevue oder einem Eismärchen im Jahr zufrieden ist. Hier denke ich, dass man es sich an vielen Orten bequem eingerichtet hat. Oder resigniert, was vieleicht mehr zu verstehen ist, aber nicht besser.

Und was auch verhehrend für den Sport ist: In vielen Vereinen betrachtet man die Eltern als unangenehme Störenfriede.
Das kann nicht gut gehen! Besonders wird das deutlich, wenn man anfängt Fragen zu stellen. In vielen Familien ist das ganze Leben, der ganze Alltag auf den einen Sport und die Unterstützung der Kinder ausgerichtet. Die Eltern finanzieren das ganze, ob über die Steuern oder Vereinbeiträge oder die direkte Zahlung für Trainingsstunden. Und dann wird man oft als dumm oder störend hingestellt. Hier braucht es definitiv einen Paradigmenwechsel.

Ich möchte hier an dieser Stelle aufhören. Wir haben es als Betrug empfunden. Auf der einen Seite wird suggeriert, das es sich um Leistungssport mit Perspektive handelt und auf der anderen Seite gibt es keine Perspektive, jedenfalls nicht da wo wir waren. Hätten wir vorher gewusst wie die Situation wirklich ist, hätten wir das nicht gemacht! Die Ergebnisse der deutschen Sportlerinnen und Sportler sprechen eine deutlich Sparache. Und die Aussagen von Herrn Dönsdorf auch.

Zum Schluss bringe ich noch mal ein Zitat, ich glaube ich hatte es früher bereits einmal zitiert. Es stammt von Jutta Müller aus einem Interview mit dem Berliner Kurier aus dem Jahr 2015:

"Entsetzlich, was aus der einstigen Paradesportart geworden ist. ...Wenn ich in Chemnitz heute das Training beobachte, weiß ich, dort kommt über Jahre nichts, aber auch gar nichts heraus, was internationalen Ansprüchen genügen könnte.“

https://www.berliner-kurier.de/sport/sp ... t--1215172

Hat da jemand aufgehorcht? Mal darüber nachgedacht?

Matthias
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Matthias » Fr 15. Nov 2019, 23:07

Nur werden Frau Müllers Trainingsmethoden in einer freiheitlichen Gesellschaft vermutlich nicht toleriert. Da sollten Sie schon einen anderen Kronzeugen beibringen.

Karl-Heinz Krebs
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » Sa 16. Nov 2019, 08:17

@Fechter

Ich gebe Dir in allen Dingen recht. Derzeit gibt es fünf Bundesstützpunkte im Eiskunstlauf. Meiner Meinung nach sind das zu viele. Verteilt man unsere derzeitigen Spitzenläufer gleichmäßig auf die Stützpunkte, dann bekommt jeder zwei, bestenfalls drei ab, die Paare mal als eine Person gezählt. Zwei, maximal drei Stützpunkte wären sinnvoller. Dort könnte man intensiv mit den Läuferinnen und Läufern arbeiten, sie könnten sich gegenseitig anspornen, wie es in anderen Sportarten auch ist. Auf diese Stützpunkte müssen dann auch die Gelder konzentriert werden. Dort müssen dann auch Trainer arbeiten, die eine umfassende Ausbildung genossen haben.
Unter diesen Bundesstützpunkten könnten Landesstützpunkte etabliert werden. Vielleicht fünf, verteilt über das ganze Land, wo die Talente gefördert werden, die das Zeug haben mal zu einem Bundesstützpunkt zu wechseln. Auch hier würde aufgrund der reduzierten Anzahl von Landesstützpunkten mehr Geld zur Verfügung stehen. Leider wird das aber nicht verwirklicht werden können, denn jedes Land möchte seinen eigenen Stützpunkt haben und Land A darf keine Fördermittel ausgeben, die dann im Land B ankommen. Willkommen in der deutschen Kleinstaaterei. Lieber wird das wenige Geld großzügig mit der Gießkanne verteilt.

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