Turniermarathon und Belastungsgrenze

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Jenni
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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Jenni » Mi 10. Jan 2018, 20:40

Das ist wirklich sehr traurig wie Anna behandelt wurde. Und das obwohl Anna eigentlich ihre beste Saison hatte. Sogar ihren größten Erfolg die Silbermedaillie bei der EM. Sie hat seit 2014 Russland international immer gut vertreten.

Ich hab das Gefühl Russland verheizt ihre jungen Athlethinnen. Bei den russischen Meisterschaften dachte ich schon, da ist doch kaum jemand älter als 18. Und die die es sind, können vorne nicht mithalten, nach Pubertät und Wachstum.
Und dann hast du 19-Jährige die vom Sport zurücktreten wie Lipnitskaya. Mit 15 Jahren hochgehandelt und dann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen, als es mal nicht so lief.

Bringt mich zu der Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, das Mindestalter auf 18 raufzusetzen? Würde auf jeden Fall manche dazu zwingen etwas besser auf ihre Athlethen Acht zu geben. Wie sieht eure Meinung dazu aus?
Katrin hat geschrieben:
Di 9. Jan 2018, 00:02
Meine Meinung dazu:
Wie bitte ? Man kann Fallen mit dem Verstand lernen ? Ist doch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Fallen wird vom Unterbewusstsein gesteuert, ein Eiskunstläufer lernt im Lauf der Jahre, so körperschonend wie möglich zu fallen oder er hat keinen Instink.


Reflexe sind das eine, aber man kann fallen lernen. Ich denke es ist auch gemeint "mit fallen lernen" dass man lernt wie man fällt ohne sich dabei zu verletzen.
Beim Turnen zum Beispiel lernst du lange einfach nur wie du fällst, du lernst dich abzurollen und wegzudrehen, bevor du wirklich gefährliche Sachen machst( wie Saltos oder Ähnliches), auch machst du gefährliche Teile erstmal in eine Grube mit Schaumstoffteilen.
In diesen Sportarten gehört Fallen ja zum Alltag, wenn du Fallen da nicht richtig gelernt hast, dann kann das sehr böse ausgehen.

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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von MI's FAN » Do 11. Jan 2018, 18:46

Ich würde es gut finden, wenn das Mindestalter auf 18 hochgesetzt werden könnte. Es heißt ja schließlich Damen oder Ladies. 15-jährige Mädchen sind eben Mädchen und noch keine Damen. Die laufen sehr gut, aber es fehlt die feminine Ausstrahlung. Russland verheizt die Mädchen, denke die können sich als Eiskunstlkäuferin gar nicht richtig entwickeln. Wenn sie nicht mehr funktionieren werden sie mit der nächsten ersetzt.
Anna Pogorilaya habe ich gerne gesehen, eben weil sie schon ein wenig feminin wirkte und nicht mehr so kindlich. Ich hoffe sie kann sich erholen. Ob man sie je bei einem internationalen Wettbewerb sehen wird, bezweifele ich.

Karl-Heinz Krebs
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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » Do 11. Jan 2018, 20:35

Eine Altersgrenze von 18 Jahren halte ich für falsch. 15 jährige Mädchen sind eher junge Frauen, als 15 jährige Jungen junge Männer sind. Man möge sich mal die Fotos von seiner Jugendweihe/Konfirmation/Kommunion ansehen. Dann müsste auch die Altersgrenze für Jungen und für Paare erhöht werden.
Eiskunstlauf gehört eben zu den Sportarten, in denen junge Menschen die besten Leistungen bringen. Ähnlich ist es in der Rhythmischen Sportgymnastik, im Turnen oder Aerobic. Dort denkt auch niemand über neue Altersgrenzen nach.
Ich sehe auch nicht, dass Russland seine Eiskunstläufer verheizt. Sie haben im Moment das Glück, dass in jedem Jahr ein, zwei überdurchschnittliche Läuferinnen nachkommen. Das war aber nicht immer so und das wird auch nicht immer so sein. Das die dann besser sind als die "gestandenen" Läuferinnen ist nun mal der Lauf der Zeit. Vor dem Erfolg von Tuktamysheva 2015 gab es neun Jahre lang keine russische Weltmeisterin. Im übrigen geht der Trend auch in anderen Eiskunstlaufländern in diese Richtung. Und nur zur Erinnerung: Bei der WM 2007 holte Mao Asada Silber und Yuna Kim Bronze. Beide waren damals 16 Jahre alt. Die Weltmeisterin von 2006 Kimmi Meißner war seinerzeit ebenfalls 16 Jahre alt.

Katrin
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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Katrin » Fr 12. Jan 2018, 09:39

Leider ist es so. Der menschliche Körper und seine Entwicklung zum Erwachsenwerden ist in dieser Phase des Heranwachsens, Jung-Seins am besten zu Eiskunstlauf geeignet - wobei ich sagen muss, dass diese Phase eben nicht die künstlerischen Höchstleistungen hervorbringt, was halt durchkommt schon im Jugendalter ist eine besondere Ausstrahlung des Läufers ( siehe Pogorilaya).
Wo ist die Grenze des Eiskunstlauftrainings - sind wir im Westen verwöhnt oder zu lasch ?
Vor allem die Schule von Eteri Tutberitze stelle ich hier in Frage. Auch Medvedeva stammt hier raus. Ihr Ende naht bald - sie wird gesundgemacht für Pjöngchang und dann ists aus für sie.
Ganz ehrlich: Wenn ich auch immer sage, die Deutschen müssten härter trainieren, im Gegenzug sage ich aber auch ganz klar: Vor allem diese russische Mädels-Fabrik ist unheimlich für mich. Gnadenlos. Seelenlos. Die Roboter von Tutberitze hat mal jemand gesagt.

Zu diesem Problem der Pubertät bei den Mädels schreibt
Ilia Averbukh
( blog über Eiskunstlauf, man findet unter dem angegeben Artikel noch viel mehr was man mal lesen könnte) zu Anfang der Eislaufsaison 2017/18 über Medvedeva - Zhenya ist der Kurzname von Evgenia, Zitat:
"We always worry waiting girls after an off-season because they grow up, gain weight, get uncoordinated … But unfortunately for all the rivals, who were expecting that Zhenya will grow up, and for the happiness of her fans this did not happen. Medvedeva is in brilliant shape, she didn’t put on a gram and even if she grew up, it did not affect the technique of her jumps. It is most important! The thing that everyone was afraid of, knowing how girls change after successful seasons, did not happen."

Medvedeva hatte eine erfolgreiche Saison 2016/ 17, nicht zugenommen über den Sommer 2017 ( klar, die Olympischen Spiele kommen in 2018) sie kennt das Spielchen, ich vermute, das wenig Essen macht sie von sich aus um wettbewerbsfähig zu bleiben- aber zu welchem Preis ? Sie ist spindeldürr, der Körper zu wenig Nährstoffe und das jahrelang obwohl er im Wachstum sich befindet, sie trainiert wie verrückt. Für mich absolut kein Wunder dieser Belastungsbruch im rechten Bein.

Männer-und junge Männer gehen auch bis an die Grenze der Belastung ( siehe Florent Amodio ein Jahr musste er aussetzen wegen Knieschmerzen, die Wachstumsscheibe im Knie), aber die haben eben nicht so das Problem "auseinanderzugehen" wenn sie pubertieren, obwohl ein Wachtstumsschub auch grosse Veränderungen bringt ( siehe Nam Nguyen). Und junge Männer haben nicht diese Torschlusspanik - bei denen fängt ab 19 erst das richtige Eiskunstlaufleben an. Gottseidank.
Auch ein Grund warum ich lieber Männer schaue als dieses Kinderturnen ( tut mir leid Karl- Heinz).

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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Octavia » Fr 12. Jan 2018, 11:08

Also bei allem Verständnis dafür, dass man sich an den Erfolgen und der Leistungsbereitschaft von 13 jährigen erfreuen kann, ist mir die Geschwindigkeit des Auf-und Abtretens der jungen Eiskunstläuferinnen auch zu rasant. Es werden in anderen Foren ja schon Namen von künftigen russischen Siegerinnen bis 2022 genannt.

Richtig ist, dass auch in anderen Ländern junge Siegläuferinnen gab. Yuna Kim ist aber gerade kein so gutes Beispiel , weil sie nach ihrem Olympiasieg von 2010 dann in Sochi 2014 nochmals angetreten ist und die Silbermedaille gewonnen hat.
Junge Läuferinnen aus den USA, wie Tara Lipinski, haben aufgehört, weil Showangebote lockten.

Ich habe nun gar nichts gegen Erfolge guter russischer Eiskunstläuferinnen, aber an eine derartige Durchlaufgeschwindigkeit wie zur Zeit kann ich mich weder erinnern noch kann ich sie gut finden.

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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Henni147 » Fr 12. Jan 2018, 17:04

Ich habe mal das Ergebnis des Junior GP Finals 2017 hierher kopiert:

1. Alexandra TRUSOVA RUS 1 2 205.61
2. Alena KOSTORNAIA RUS 2 1 204.58
3. Anastasia TARAKANOVA RUS 3 3 199.64
4. Rika KIHIRA JPN 4 4 192.45
5. Daria PANENKOVA RUS 5 5 191.16
6. Sofia SAMODUROVA RUS 6 6 187.74

Trusova, Kostornaia, Tarakanova und Panenkova trainieren ALLE bei Eteri Tutberidze. Kihira war die einzige Nicht-Russin im ganzen Teilnehmerfeld. Noch vor den Winterspielen 2022 in Peking werden all diese Läuferinnen im Seniorenbereich laufen. Ich mag es kaum aussprechen, aber Medvedeva wird dann schon wahrscheinlich Lipnitskaya in der Kommentatorenbox Gesellschaft leisten (Karriere-Ende wegen lebensbedrohlicher Unterernährung und andauernder Körperschwäche). Selbst bei Zagitova bin ich mir nicht sicher, ob sie bis dahin nicht längst ausgebrannt ist. Die anderen vier sind bis 2026 auch weg und es kommen wieder 10 neue.
Super Leistungen ja, aber zu welchem Preis? Eiskunstlaufen würde der Sportwelt einen großen Dienst erweisen, als erstes den Finger zu heben und der Gefahr einer lebenslangen Körperschädigung einen Riegel vorzuschieben. Im Turnen hätte es längst passieren sollen. (Nadia Comaneci sieht heute einfach gruselig aus...) Doping ist schließlich auch verboten wegen der akuten Gesundheitsgefährdung und weil es nicht für alle Sportler zugänglich ist. Tutberidze-Drill ist in diesem Sinne nichts anderes als eine Art Doping-Training.
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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Jenni » Fr 12. Jan 2018, 17:45

Karl-Heinz Krebs hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 20:35
Ähnlich ist es in der Rhythmischen Sportgymnastik, im Turnen oder Aerobic. Dort denkt auch niemand über neue Altersgrenzen nach.
Naja das stimmt nicht so ganz. Denn eben im Turnen wurde die Altersgrenze sehr wohl angehoben im Laufe der letzten Jahre. Ganz früher durfte man mit 14 Jahren zu den Seniors, in einem Olympiajahr war das sogar noch bis 2007 möglich. Eine Weltmeisterin war 2007 14 Jahre alt. Nach 2008 wurde das Alter auf 16 Jahre erhöht. Du musst innerhalb des Jahres 16 werden, damit du bei den Senioren mitmachen darfst. Eine Debatte das Alter weiter anzuschrauben gibt es immer wieder.
Die Herren beim Turnen müssen übrigens 18 Jahre alt sein seit 2008 (glaub ich), um zu den Senioren zu gehören, da wird also zwischen Damen und Herren ein Unterschied gemacht.

Rhythmische Sportgymnastik hat auch 16 als Altersgrenze, allerdings fällt da ein Vergleich zu den Herren aus, denn es gibt vom FIG keine Männerwettbewerbe.

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Team Tutberidze: Bilder aus dem Training

Beitrag von Henni147 » So 14. Jan 2018, 16:39

Um alles mal ein wenig zu relativieren:

Hier ist eine japanische Dokumentation mit spanischem Untertitel über das Tutberidze-Team. Bin gerade zufällig beim Stöbern über diese Bilder aus dem russischen Trainingslager gestoßen mit Fokus auf Medvedeva und Zagitova. Hab nicht alles genau verstanden, die Bilder zeigen aber doch so einiges!

Was ist eure Meinung dazu?

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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Katrin » So 14. Jan 2018, 19:52

Zu diesem Trainingsvideo der russichen Mädels um Tutberitze:
Das ist Quark Spanisch - diese Untertitel, das ist eine akustische Übersetzung aus dem Japanischen - raboto ( russisch) = "para boto oder voto", der Name von Tutberitze "edicto de verize koch". Japanisch heisst der Trainer mit dem englischen Wort coach = ko:tsch, geschrieben spanisch dann koch. Ich konnte mehr Japanisch verstehen als aus den spanischen Untertiteln lesen.
Könnte aber sein, dass da ein Training um 5 Uhr nachts war = bei uns heisst das 5 Uhr früh. Oha. Ich beklage mich schon wenn ich um 7 Uhr früh Axel springen soll...

Das Training an sich ist umfassend und gut - diese Sprungbahnen, Ballett, Fitnessraum und auch diese Ziehübungen mit den Bändern am rechten Arm = fürs Zusammenziehen der Rotation.

Ein strenges Regime mit nicht zuviel Herumlachen und Schäkern muss sein. Meist artet ein off- ice Training bei Kindern nämlich darin aus - in Blödsinn machen. Das hat mich immer gestört, wenn ich mal bei Kinder-oder Jugendlichen-Gruppen mitmachte.

Was wir nicht so wissen: Wie die Trainingsintensität ist und wie sich das mit Schule vereinbaren lässt. Und ob der Sportler danach gut Ruhe kriegt, Massagen, Erholungsphasen mit ausreichend Essen - und danach sieht es nicht aus, diese russischen Mädels sind spindeldürr. Wenig Essen - die körperliche Entwicklung zur Frau wird rausgezögert was geht. Nur da sehe ich ein Problem.

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Re: Turniermarathon und Belastungsgrenze

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » So 14. Jan 2018, 22:29

Also ich kann in dem Video jetzt auch nichts dramatisches erkennen. Dass für den Erfolg in jeder Sportart und in jedem Land hart trainiert werden muss, dürfte doch niemanden überraschen? Oder glaubt jemand die ganzen jungen Koreanerinnen und Japanerinnen die jetzt alle den dreifachen Axel springen schafften das mit drei Stunden Training in der Woche und der 13 Jahre alte Kanadier der alle Vierfach-Sprünge beherrscht hat die Sonntagnachmittag mit Mutti auf der Eisbahn erlernt? Auch das frühe Training ist nichts Besonders, wenn das mit 5 Uhr stimmen sollte. Ein Zitat aus einem Interview des Wiener Kurier mit Trixi Schuba 2014: "Sie hatten allerdings auch um sechs Uhr früh trainiert. Manchmal bis zu sechs Stunden.
Stimmt. Es gibt aber Jugendliche in Österreich, die heute ebenfalls zu konsequentem Training bereit sind." Das ganze Interview gibt es hier: https://kurier.at/thema/olympia-2014/ei ... 51.998.835
Unbedingt auf das Foto über dem Interview achten. Polina Edmunds ist spindeldürr und Gracie Gold sieht trotz gefütterter Jacke genauso dürr aus.
Und bei diesem Foto habe ich spontan nach der Nummer von Brot für die Welt gesucht. Erzähle mir niemand, dass das der normale Körperbau einer 24-jährigen ist.
https://www.focus.de/sport/wintersport/ ... 71069.html
Noch "besser" sieht sie hier aus
http://www.chemnitzer-eislauf-club.de/i ... p/paarlauf

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