Gracie Gold

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1480
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Gracie Gold

Beitrag von Katrin » Fr 12. Okt 2018, 19:27

Gracie Gold, seit der WM 2016 im Abwärtsstrudel, behandelt wegen Angststörungen, Depressionen und Ess-Störungen will zurück in den Wettkampfsport.
Habe eine Schwäche für Leute, die sich durchbeissen müssen durch Tiefen.

Gracie Gold über Körpergewicht im Eiskunstlauf , sie entschuldigt sich für ihr Körpergewicht ?? Für mich erscheint sie mit perfekter Figur, aber sie selbst hatte andere Ansprüche an sich, sie fand sich nicht durchtrainiert genug. Oder hatte da jemand backstage ihr gesagt: "Mädel, abnehmen ?"

Dass Gracie Gold sich eine Pause im Wettkampfsport gegönnt hat finden Osmond und Duhamel gut. Im Artikel: Eiskunstlauf ist ein Sport, in dem Frauen sehr gefährdet sind, Esstörungen zu entwickeln.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1480
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Gracie Gold

Beitrag von Katrin » Mo 14. Jan 2019, 13:12

Am 5.1. hat Gracie Gold's coach Vincent Restencourt einen ihrer gelungenen 3 S gepostet .
Am 10.1. hat Gracie die US Nationals mit Beginn 18.1. abgesagt und ihr Langzeitziel "kommende Olympische Spiele" bekanntgegeben "sie sei in der Vorbereitung für die kommende Saison" .
Artikel dazu von Philipp Hersh 10.1. und ein russischer Artikel .

Meine Meinung:
Gracie Gold kommt mir vor wie ein Kampfhund.
Die Esstörungen kriegt sie nicht in den Griff, indem sie ihr Essverhalten zügelt. Sie muss erst die Ursache beseitigen, die zu so einem gestörtem Essverhalten führt: Im Hintergrund ist ein psychologisches Problem, eine Überlastung, ein Sagen "ich will raus aus dieser Situation", das sie mit Essen kompensiert.
Wo der Punkt der Umkehr bei Gracie liegt, weiss nur sie. Sie hat ihn noch nicht erreicht, dazu braucht sie Zeit. Wenn sie ihn aber gefunden hat, wird sie sich auf ein für sie normales Gewicht einpendeln und dann würde ich jeden vor ihrer Wettkampfhärte warnen wollen, sie würde unerbittlich sein.
Kaum einer schafft es, sich aus dem Sumpf rauszuziehen, wenn er die Umgebung, die ihn zu so einem gestörten Essverhalten gebracht hat, nicht vollständig wechselt. Da Gracie beim Wettkampf- Eiskunstlaufen bleiben will, wünsche ich ihr den besten Psychologen - und wenns nur ein Hund ist, den sie sich anschafft, den sie ihr Leid erzählen kann.
Auf jeden Fall hat ihr coach Restencourt Vertrauen in sie.
Wie Philipp Hersh sagt: Ihre Zukunft ist völlig offen.

Dass Thema Esstörungen im Eiskunstlauf in die Öffentlichkeit zu tragen wie Gracie es macht oder Yulia, findet Johnney Weir nicht gut: Zitat aus dem oben schon zitierten russischen Artikel (google translate ohne Änderung):
Als Johnny Weyr gebeten wurde, die Welle von Anorexie-Skater-Erkrankungen in Verbindung mit psychischen Problemen zu kommentieren, sagte er: „Die Welt des Hochleistungssports, in der das Schicksal eines Wettkampfs vom Gewicht eines bestimmten Tages abhängen kann, ist keine besonders psychologisch gesunde Umgebung. Die Versuchung, die Linie zu überqueren, ist sehr hoch. Ich finde es überhaupt nicht cool - dass Lipnitskaya und Gold offen über dieses Thema sprechen. Es belastet Eltern und Trainer.

Meine Meinung:
Hochleistungssport verlangt Opfer, da hat Johnney recht.
Aber: Die Grenze, wieviel Opfer man selbst bereit ist zu bringen, sollte jeder selbst bestimmen. Damit Eltern und Trainer ein Nahen an diese Grenze kennen, sollten die Warnzeichen öffentlich benannt werden.

Gasti

Re: Gracie Gold

Beitrag von Gasti » Di 15. Jan 2019, 09:08

Katrin hat geschrieben:
Mo 14. Jan 2019, 13:12
Meine Meinung:
Hochleistungssport verlangt Opfer, da hat Johnney recht.
Aber: Die Grenze, wieviel Opfer man selbst bereit ist zu bringen, sollte jeder selbst bestimmen. Damit Eltern und Trainer ein Nahen an diese Grenze kennen, sollten die Warnzeichen öffentlich benannt werden.
Eiskunstlauf, wie jede andere Sportart, stellt ihre spezifischen Anforderungen an die Physiologie und Psyche des Sportlers.

Auch wenn die Mechanik der Sprünge sehr komplex ist, gibt es genügend Ansätze und Methoden,z.B. BISp Innovationsprojekt Sprünge verstehen lernen 3.0, diese mit wissenschaftlichen Methoden zu beschreiben und formalisieren.

Und die moderne (Sport-)Medizin sollte auch in der Lage sein, zumindest die mittelfristige physiologische Entwicklung eines Sportlers vorherzusagen.

Die Gesetzte der Physik stellen ihre Grenzen des Machbaren für jeden konkreten Individuum.
Und ich bin mir 100% sicher, dass man objektiv und wissenschaftlich begründet diese Grenzen aufzeichnen kann.

Die DEU hat diese Tatsache auch endlich in ihrem Konzept eines 3 Säulen Prinzips zur Bundeskader-Auswahl berücksichtigt.

Für Hobbysportler kann das alles egal sein.
Derjeniger, der über den Einstieg ins Leistungssport nachdenkt, sollte in einem "Beratungsgespräch" über seine physiologisch bedingten Perspektiven in der ausgewählten Sportart aufgeklärt werden, um spätere psychische Probleme und Lebenstragödien zu vermeiden.

Klar, das so ein "Beratungsgespräch" für alle Beteiligten schwierig ist. Die Ergebnisse einer neutralen wissenschaftlich begründeten Analyse wird es schon einfacher machen.

Entscheiden wird letztendlich der Sportler und seine Familie selbst.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1480
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Gracie Gold

Beitrag von Katrin » Di 15. Jan 2019, 10:45

Danke, gasti, für diesen sehr aufschlussreichen Beitrag !

Antworten