Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Peter Naber
Figurenläufer
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Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Peter Naber » So 30. Dez 2018, 14:20

Hallo miteinander,

zwischen den Jahren hat man ja etwas mehr Zeit sich mit Dingen zu beschäftigen für die sonst keine Zeit ist.
So bin ich etwas am Stöbern, natürlich auch zum Thema Eiskunstlauf, uns betrifft es schließlich ja auch ;)

Wie aus meiner Überschrift schon zu erkennen ist, bin ich auf der Suche nach Reflexionen über den Zustand des Eiskunstlaufs in Deutschland, bin aber auch hier im Forum nicht so richtig fündig geworden. - Vieleicht habe ich auch nicht lange genug gesucht.
Macht es wirklich Sinn, sich mit und für seine Kinder zu engagieren und zu investieren?

Gibt es noch jemand - oder vielleicht mehrere oder auch viele ;) - die auch darüber nachdenken und mit dem Thema "ringen"?

Viele Grüße und für alle einen guten Rutsch und viel Gesundheit im neuen Jahr!

Peter

Aljonafan

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Aljonafan » So 30. Dez 2018, 16:48

Solange in dieser sportart das ego von trainern, funktionären und vereinsvorständen im mittelpunkt steht und nicht das physische und psychische wohl von kindern und jugendlichen. NEIN. So schön die sportart ist, schick deine kinder lieber in eine sportart wo auf teamspirit und nachhaltigkeit gestzt wird und die man ein leben lang aktiv ausüben kann.. so werde ich es handhaben. Ich hatte übrigens eine eislaufmutter! Es sei denn mein kind möchte sich das von sich selbst aus freiwillig antun!

Katrin
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Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Katrin » So 30. Dez 2018, 19:07

Hallo Herr Naber ! Schön, Sie in unserem Forum begrüssen zu können !

Von mir kommt leider keine konkrete Entscheidungshilfe, da ich zu wenig weiss:
Wie alt Ihre Kinder sind, ob sie bewegungsbegabt sind, auch selbst Freude an der Bewegung haben, ob sie oder Ihre Frau Zeit haben, die Kinder zum Training zu fahren, wo Sie wohnen.
Wie weit sind Ihre Kinder schon im Eislaufen - reine Anfänger oder haben sie schon Kürklassen ?
Was haben Ihre Kinder für Ideen, sagen sie mit einem Strahlen: Ich will Olympiasieger werden im Eiskunstlauf ?

Sie müssen auf jeden Fall sich bewusst sein, dass, wenn Ihre Kinder bestimmte Kürklassen gemeistert haben und weiter nach oben streben, neben dem normalen Training extra Trainingsstunden dazukommen, Trainingslager im Sommer, Ballettstunden, und das muss alles von Ihnen finanziell gestemmt werden (mein Zitat des Monats Januar 2019 wird sich damit beschäftigen). Bis die Kinder in einen Auswahlkader kommen, muss das alles von Ihnen selbst bezahlt werden. Soweit ich weiss, bekommen Kaderangehörige Training bezahlt, wieviel, in welchem Umfang, bin ich aber überfragt; ob dazu auch die Kosten der Unterbringung zählen, weiss ich auch nicht.
Am besten wäre es für Sie in diesem Fall, direkt in der Nähe eines Kaderstützpunkts wie Berlin, Dortmund, Mannheim, Chemnitz oder Oberstdorf zu wohnen.

Lassen Sie es auf sich zukommen, die ersten Jahre können die Kinder im normalen Verein trainieren. Achten Sie darauf, dass die Kinder gute Grundlagen haben, Bögen und Haltung, nicht dauernd nur das Springen üben. Fragen sie mehrere Fachleute, was Sie ihnen raten. Mit Betonung auf mehrere.

@aljonafan: So über den Kamm geschert würde ich das nicht als Überschrift für den deutschen Eiskunstlauf stehenlassen.

Gast

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gast » Mi 2. Jan 2019, 10:16

Aljonafan hat geschrieben:
So 30. Dez 2018, 16:48
Solange in dieser sportart das ego von trainern, funktionären und vereinsvorständen im mittelpunkt steht und nicht das physische und psychische wohl von kindern und jugendlichen. NEIN.
Ich kann mich der Meinung von Aljonafan zu 100% anschließen. Der spricht bestimmt aus eigener Erfahrung, die ich als Eislaufvater leider auch gemacht habe.

Dass diese Sportart in Deutschland in absehbaren Zukunft keine Perspektive hat, zeigt auch die Tatsache, dass in diesem Forum zu einem der wichtigsten Ereignisse des Jahres - den 120. Deutschen Meisterschaften - keine Beiträge gab :sick:.

Karl-Heinz Krebs
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » Mi 2. Jan 2019, 11:09

Gast hat geschrieben:
Mi 2. Jan 2019, 10:16
Dass diese Sportart in Deutschland in absehbaren Zukunft keine Perspektive hat, zeigt auch die Tatsache, dass in diesem Forum zu einem der wichtigsten Ereignisse des Jahres - den 120. Deutschen Meisterschaften - keine Beiträge gab :sick:.
Dass ist aber zu einem guten Teil hausgemacht. Der Termin ein bis zwei Tage vor Heiligabend ist sicher für die meisten nicht sehr attraktiv. Dazu kommt die wenig nutzerfreundliche Übertragung als Livestream. Bei Sportdeutschland kann man nicht "zurückspulen", wie z.B. bei Livestreams auf Youtube. Hat man also einen Läufer verpasst, hat man Pech gehabt. Dann kann man warten, bis die Aufzeichnung da ist. Damit wurde dann aber im Falle des Kurzprogramms bis zum nächsten Vormittag gewartet, die Aufzeichnung der Kürprogramme funktioniert auch nach zehn Tagen noch nicht. Wie soll man denn über etwas diskutieren, das man nicht sehen kann?

Katrin
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Katrin » Mi 2. Jan 2019, 11:42

@Karl Heinz: Stimmt.
Man kriegt kaum was mit von den deutschen Läufern: Wo war Jonathan Hess ? Mein Favorit im Juniorenbereich - hatte ja einen thread angelegt für ihn. Leider mit Problemen bei Sprüngen anfangs dieser Saison.
Weder bei den Junioren noch bei den Senioren war er bei der DM im Dezember 2018 dabei. Verletzt ? Es ist ein Mangel an Nachrichten, die uns zum Schweigen bringt.

Katrin
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Katrin » Mi 2. Jan 2019, 13:00

Als Erwachsener in Deutschland Eiskunstlauf von der Pike an lernen zu wollen, davon würde ich jedem abraten, weil er bald seinen Enthusiasmus verliert.
Zunächstmal ist der Stellenwert als Erwachsener auf dem Eis absolut Null. Man ist perspektivlos vom ersten Schritt an, den man aufs Eis macht, weil man es ja sowieso nicht mehr so richtig lernt wie die Kinder. Ich bin immer noch dabei, dieses absolut unverschämte Vorurteil ad absurdum zu führen. Selbst von Trainern wird man als nicht richtig im Kopf angesehen wenn man sagt, das Ziel seien Doppelsprünge. Manche meiner erwachsenen eislaufenden Bekannten merken auch, dass sich die Trainer nicht so viel Mühe geben mit Erwachsenen wie mit Kindern.

So schnell wie Kinder lerne ich nicht, aber ich lerne. Trotzdem zählt das überhaupt nicht als Erfolg bei uns.
Hier mein eigener düsterer Blick als immer noch aktiver Einzelkämpfer:

Vereinsmässig mittrainieren zu einem vernünftigen Jahresbeitrag - wo bitte ? Mich haben schon zwei Trainer abgelehnt, in ihrer Kindergruppe mittrainieren zu lassen. Begründungen : "Dann müsste ich anderen Erwachsenen das Mittrainieren auch erlauben" und "Ne, die Fehler kann man im Einzeltraining (=Privatstunden) viel besser rausfiltern" .
Mehr gibts nicht für mich an Trainern in einem Umkreis von 50 km (einfache Fahrt).

Privattrainingsstunden "wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer hat so viel Pinke-Pinke... ?": Entweder hat der grad noch bezahlbare Trainer von vornherein keine Lust "hab keine Zeit" oder die Stunden sind sauteuer , 50 Minuten = 1 Stunde = 50.-€ sind normal.
Zu bedenken: Eine Privatstunde heisst nicht, dass man danach das, was man lernen wollte, auch kann.
Was ich immer als nicht sehr schön empfunden habe: Meinen grundlegenden Haltungsfehler hat kaum ein Trainer gesehen. Den musste ich mir lang selbst ausgraben und verständlich, dass ich den immer noch kaum im Griff habe.

Gasti

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gasti » Mi 2. Jan 2019, 13:05

Karl-Heinz Krebs hat geschrieben:
Mi 2. Jan 2019, 11:09
Wie soll man denn über etwas diskutieren, das man nicht sehen kann?
Die Ergebnisse sprechen für sich :sick:

Aljona Savchenko hat über Jahre mit ihren Ergebnissen die Sta­tis­tik der Deutsche Eislauf-Union geschönt.

Jetzt ist sie nicht mehr dabei und DEU hat massive Probleme mit DOSB.

Die Situation mit der Sportart ist sehr gut in einem Artikel der FAZ beschrieben

Nur an wen ist der Appel vom Sportdirektor der DEU Herrn Dönsdorf „Ihr müsst euch bewegen. Tut ihr es nicht, bleiben wir ein Breitensportverband.“ gerichtet? An die Trainer, Funktionäre der Landesverbände und Vereinsvorstände, über die Aljonafan hier auch geschrieben hat.

Diese Sportart soll aus der DOSB Leistungssport Förderung ausgenommen werden, bis sich die heutigen Strukturen durch neue Generation von Sportler,Trainer und Verantwortlichen abgelöst haben.

Gasti

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gasti » Mi 2. Jan 2019, 14:52

Katrin hat geschrieben:
Mi 2. Jan 2019, 13:00
....
Privattrainingsstunden "wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer hat so viel Pinke-Pinke... ?": Entweder hat der grad noch bezahlbare Trainer von vornherein keine Lust "hab keine Zeit" oder die Stunden sind sauteuer , 50 Minuten = 1 Stunde = 50.-€ sind normal.
Zu bedenken: Eine Privatstunde heisst nicht, dass man danach das, was man lernen wollte, auch kann.
Was ich immer als nicht sehr schön empfunden habe: Meinen grundlegenden Haltungsfehler hat kaum ein Trainer gesehen. Den musste ich mir lang selbst ausgraben und verständlich, dass ich den immer noch kaum im Griff habe.
Liebe Katrin,
du hast mit deinem Beitrag auch die Aussage von Aljonafan über die Trainer auch bestätigt.

Aber auch im Leistungssport brauchen sich die Trainer nicht viel Mühe geben.

Die Plätze im Landeskader werden zwischen den Trainer, die an den Leistungsstützpunkten seit Jahren arbeiten, aufgeteilt.
Es wird dafür gesorgt, dass jeder dieser Trainer drei - vier Kinder mitbringen kann.
Damit ist gesichert, dass der Tainer den Zugang zum Eis während Stützpunkzeiten hat und den Kindern der zahlungswilligen Eltern Privatstunden geben können.
Ob der Trainer gut oder schlecht ist, spielt keine Rolle. Oft gibt es für den Sportler keine Alternativen.
Auch ob die Leistungssportler langfristig gute Perspektiven haben, spielt oft keine auch Rolle. Weniger als drei Sportler pro Trainer - es wird sehr teuer für die Eltern.

Von außen darf keiner kommen. Die Konkurrenz (um den Platz auf dem Eis) wird nicht geduldet.

So wird aus der Leistungssportförderung - Trainer- und Hobby-Läufer Förderung.

Das ist ein System, was gebrochen werden muss.

Katrin
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Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Katrin » Mi 2. Jan 2019, 15:16

@ gasti : Danke für diese klaren Aussagen !

Es ist wirklich so, der Trainer oder die Funktionäre sitzen am Hebel.
Der Trainer: Weil ich kein Privattraining nehme, werde ich nicht mal angesprochen, ob ich zu kleinen Feiern wie Eisbahn-Saisonabschluss eine kleine Kür fahren wollte. Kein Fürsprecher da.
Funktionäre: Wenn man da mal sich nicht so verhält wie es von einem erwartet wird, kann die ganze Karriere den Bach runter gehen ( bei jungen Leistungssportlern, ein Fall ist mir persönlich bekannt, Namen möchte ich nicht nennen).

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