Eiskunstlauftechniken - erklärt

Katrin
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Di 12. Nov 2019, 09:00

@skatingfan:
Zu Zeiten von Joubert waren quads was Besonderes, nur für Männer.

Es ist tatsächlich ein Fortschritt, ob gut oder nicht für einen jugendlichen Körper weiss man nicht.
Er besteht meiner Ansicht nach aus diesen sich gegenseitig bedingenden Punkten, die Du schon angesprochen hast:

-- Das quad Springen hat sich wegentwickelt von einem Kraftakt zum Technischen.

-- Die Jugendlichen müssen schlank, sehr schlank bleiben.

-- Sie müssen trainieren, was das Zeug hält. Und die Jugendlichen wollen diese quads auch springen, rein aus dem Instinkt raus "will ich auch können!"

Warum männliche Läufer mit den quads Probleme haben weiss ich nicht genau, sie vertrauen vielleicht zuviel auf ihre Kraft. Hanyu sagte mal, aus dem 4 L das Kraftelement wegnehmen sei besser. Für mich ist ein ausgemachter quad Kraftspringer Samohin, sieht immer nach Kamikaze aus.

skatingfan

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von skatingfan » Di 12. Nov 2019, 13:20

Vielen Dank für die Antwort.
Ich lese gern die Beiträge in diesem Forumsthema. Da ich nicht vom Fach bin, lerne ich hier viel. Ich bedauere, dass die kraftvollen Vierfachen immer mehr verschwinden. Mir gefielen die Vierfachen von Yagudin & Co. immer sehr. Ich bin mal gespannt, ob die neuen Techniken die Vierfachen irgendwann mal so "leicht" wie Dreifache machen, so dass wieder mehr "Kunst" zwischen den Sprüngen zu sehen sein wird.

Katrin
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Di 12. Nov 2019, 16:04

@skatingfan: Danke !

Muss Deine Frage zu Hanyu noch beantworten: Hanyu ist ein Sonderfall. Er war schon als Kind dafür bekannt, sehr hoch springen zu können, es wird ihm von allen Seiten ein natürliches Sprungtalent bescheinigt. Heisst, er weiss ganz genau wie man sich beim Springen auf den Punkt hin bewegt, ohne Energieverlust. Eine unglaublich schmale Hüfte hat er auch.

Sein jetziger Trainer Orser meinte, Hanyu springt nicht wie alle anderen seiner Schüler, er steigt empor und schwebt "he soars" .
Eine meiner Trainerinnen sah das nüchterner: "Bleistifte drehen halt gut"

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Di 12. Nov 2019, 19:13

Die von dem Kampfrichtern seit neuestem in den GP's mit einem ! für unclear edge versehene Vorrotation beim Lutz ist auch innerhalb Russlands umstritten, ein russischer Trainer sagt darüber :

... Beim 3/4 vorrotierten Lutz springt der Körper einen Flip, der linke Fuss wird verdreht nach aussen, so dass es wie Aussenkante aussieht, aber das hat mit einem wirklichen Lutz nichts mehr zu tun. Man sollte diesem Sprung einen Wert geben zwischen toeloop und Salchow.
Der Trainer merkt aber auch an : Ich lehre beide Methoden, wer weiss, vielleicht ändern sie morgen die Regeln und meine Kinder sollen dann bereit sein.

Den vorrotierten Lutz springen die Eteri-Schüler und sowie manch andere wie Young You ( mein post vom 24.9.).
Massimiliano Ambesi ist bekannt für sein Wettern gegen diese vorrotierten Lutz- Sprünge. Aber er postet Daniel Grassls 4 L, und dieser Lutz ist für mich fraglos einer der 3/4 vorrotierten Sorte. Er ist halt Landsmann von Daniel.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mi 13. Nov 2019, 08:25

Warum Bojang bei seinem 4 Lutz im SP CoC gestürzt ist erklärt er in diesem Interview (englische Untertitel).
Da sind er und Yuzuru sich einig: Zuviel Energie in den Sprung geben schadet. Und: Training und Wettkampf sind zwei Paar Stiefel.

Bojang und Yuzuru können sehr hoch springen, sie haben gegenüber anderen Läufern einen klaren Vorteil, haben Sekundenbruchteile mehr Zeit für die Drehungen. Aber selbst bei ihnen geht bei zuviel Aufregung ein quad schief.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mo 18. Nov 2019, 16:47

"Neeein, zu früh!"
"Neein, was machst Du !"
"Neein, das rechte Bein schwingt nicht zurück, das geht gerade runter !"

Es geht darum, wie man den richtigen Punkt findet, wann man das Eindrehen des Axel beginnen kann. Wenn man das nicht richtig macht, findet man seine Achse nicht.
Denke ich habs kapiert, - heute :roll: .

Es ist nicht einfach rausspringen so weits geht und dann irgendwann drehen, und hoffen, dass das rechte Bein unter einem ist in der Landung, nein, da ist wirklich eine Wand. Das ist ein Punkt, wo es nicht weitergeht. So wie man bei Bögen vom Trainer immer wieder hört : "Nicht den Bogen abwürgen! Zuendefahren, dann gehts von allein!"

Habe mal zu einem Läufer des JGP gehört: "Der hat Angst, sich beim Axel an die Wand anzulehnen".

Bis jetzt dachte ich dass Bild 1 der Endpunkt des Hochspringens für den Axel ist. Bisher habe ich nach Bild 1 ein bisschen gewartet und dann eingedreht. Oft war mein Absprungbein= das linke nicht gestreckt. Irgendwie kam ich schon runter, hingeleuchtet hats mich selten.

Yuzuru Hanyu springt das mal vor: Bild 1
Hanyu 3 A Bild 1.png
Hanyu 3 A Bild 1.png (1.32 MiB) 749 mal betrachtet

Der Absprung geht aber weiter " an die Wand" (für mich, das ist Definitionssache, je nachdem wie man den Absprung definiert oder ob man sagt, das "an die Wand" ist eine Zwischenphase vor dem Eindrehen). Für mich gehört das zum Absprung, weil das sozusagen der zuendegefahrene Bogen in der Luft ist. Heisst: Auf keinen Fall darf das rechte Bein vor der Wand runter.
Bild 2
Hanyu 3A Bild 2 die Wand.png
Hanyu 3A Bild 2 die Wand.png (1.33 MiB) 749 mal betrachtet
Bild 3 zeigt den direkt auf Nr.2 folgenden screenshot: Yuzuru streckt schon das rechte Bein runter.
Erst nach der Wand hat man die Drehachse.
Hanyu 3 A Bild 3 nun erst das rechte Bein in den Schwerpunkt.png
Hanyu 3 A Bild 3 nun erst das rechte Bein in den Schwerpunkt.png (1.35 MiB) 749 mal betrachtet
Dass man ein wenig Überwindung braucht für die Wand hab ich gespürt: Mit dem Rücken rein und leicht schräg nach rechts in den Kreis geneigt.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Sa 23. Nov 2019, 14:27

Das Mentale:



Hatte mich vor wenigen Tagen über die Eisqualität geärgert. War eine Stunde nicht fähig, locker zu skaten.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mo 25. Nov 2019, 15:40

Noch was Mentales: Die Erwartungshaltung an sich selbst als Druckmittel.

Beispiel Hanyu, aktuelle Aussage zur NHK

Er will los von diesem Gefühl, er sieht das als negativ an.

Weiss er wirklich was er da eigentlich sagt ? Diese Herausforderung an sich selbst, die hält ihn doch noch im aktiven Wettkampf. Und dieses innere Gefühl ist meiner Meinung nach unteilbar, heisst, er kann das nicht bei der NHK allein abschalten. Immerhin ist es gut, dass er es in Frage stellt, kritisch damit umgeht.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Fechter » So 1. Dez 2019, 22:51

Würd mich mal interessieren, ob bei der Vermittlung der Techniken das Mittel der Wahl (immer noch) der Aufbau einer methodischen Reihe ist oder ob Erkenntnisse aus dem differentiellen Lernen bereits Eingang in die Trainingslehre des Eiskunstlaufs gefunden haben. Falls nein, ob das zumindest diskutiert wird oder ob es gar kein Thema ist?

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mo 2. Dez 2019, 08:49

@Fechter: Bin in diesem Bereich überfragt, habe bei zu wenig Trainern Unterricht gehabt, um einen grossen Überblick zu haben.

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