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Interview mit Robin Szolkowy

Und hier kommt mein kleines Weihnachtsgeschenk an meine Leser – das gewünschte Interview mit Robin Szolkowy. Er spricht über seine Arbeit in Moskau und in Deutschland, über die sprichwörtliche Kälte in Russland und was sich in Deutschland ändern müsste. Ein ganz dickes Dankeschön an Robin, der sich heute die Zeit für die Beantwortung der Fragen genommen hatte.

Hallo Herr Szolkowy. Schön, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Bleiben wir gleich mal aktuell. Vor kurzem haben Sie ihr erstes Grand-Prix-Finale als Trainer gewonnen. Wie wichtig ist Ihnen dieser Erfolg?

Dieser Erfolg war für mich persönlich „noch nicht“ so wichtig. Ich bin noch weit davon entfernt, meine Trainertätigkeit an Erfolgen zu messen. Im Gegenzug war dieser Erfolg viel wichtiger für das Paar und für das gesamte Trainerteam, in welchem wir arbeiten. Ein wichtiger Wegweiser für die Zukunft.

Ich halte Evgenia Tarasova und Vladimir Morozov für noch enorm entwicklungsfähig. In Marseille hat mich überrascht, dass Vladimir und nicht Evgenia, die ich bislang für etwas nervöser hielt, die Fehler machte.

Grundlegend ist es bei mir so, dass immer das Paar die Fehler macht. In einem so kleinen Team darf man nicht mit dem Finger auf den Anderen zeigen und die Schuld zuweisen.

Aber es ist wohl so, dass Vladimir etwas mehr Probleme hatte, die Sprünge auf den Punkt sauber abzuliefern.

In Marseille haben die Hallensprecher nie versäumt bei der Vorstellung von Tarasova / Morozov und Zabiiako / Enbert darauf hinzuweisen, dass sie vom „Five Time Worldchampion“ Robin Szolkowy trainiert werden. Überwiegt da noch der Stolz auf die eigene Leistung, oder beginnt es langsam zu nerven?

Der Stolz auf diese erreichten Leistungen wird nie verfliegen und die Hinweise darauf auch nie nerven. Mit Aljona habe ich eine extrem erfolgreiche und schöne Zeit gehabt. Wir haben uns mit unseren Erfolgen einen Platz in den Eiskunstlaufgeschichtsbüchern gesichert.

Sie sind ja als Trainer-Eleve in das Team von Nina Mozer gekommen, die man als erfolgreichste Paarlauftrainerin der Welt bezeichnen darf. Müssen Sie sich manchmal selbst kneifen, wenn Sie darüber nachdenken?

Für mich ist es eine riesen Möglichkeit in ihrem Team mir meine Sporen als Trainer verdienen zu dürfen.

Die Erfolge als Sportler geben keinen bzw. wenig Aufschluss darüber, ob und wie man sein Wissen an junge Sportler weitergeben kann. Als Trainer lerne ich aktuell jeden Tag etwas Neues dazu. Und wenn ich von der besten Paarlauftrainerin der Welt lernen darf – ja, dann muss ich mich manchmal kneifen.

Wie sieht Ihre Arbeit in Moskau aus? Gibt Nina Mozer vor, was zu passieren hat, oder arbeiten Sie selbstständig mit den Paaren und die Chefin kontrolliert die Fortschritte?

Die Arbeit in Moskau ist eine gesunde Mischung aus beidem. Sicherlich gibt Nina als Chefin die Marschrichtung vor. Gleichzeitig lässt sie mir aber auch genügend Spielraum um meine Ideen zu einigen Elementen oder Passagen auszuprobieren.

Sie gehören nicht zu der Generation, die noch Russisch in der Schule hatte. Sie hatten mal gesagt, sie verständigen sich auf englisch mit ihren Schützlingen. Nach zweieinhalb Jahren können Sie aber bestimmt schon mehr, als ein paar Brocken Russisch?

Richtig. Ich war damals in der ersten Klassenstufe, welche die erste Fremdsprache wählen durfte. Und da damals alles aus dem alten System schlecht war, wählten 95% Englisch. Meine zweite Fremdsprache war Französisch. Somit bin ich, außer bei Wettkämpfen, nie mit Russisch in Berührung gekommen.

Auf dem Eis verständigen wir uns auf Englisch. Sicherlich füge ich hier und da mal ein russisches Wort ein, aber meistens muss die Korrektur schnell und gezielt erfolgen. Interessant wird es, wenn wir uns alle komplett missverstehen durch unser Sprachengewirr. Dann haben wir oft auch gleich ein wenig Spaß mit dabei …

Im ersten Jahr habe ich sehr intensiv Russisch gelernt. Somit war ich schnell in der Lage in Moskau an der richtigen Metrostation auszusteigen oder im Supermarkt auch die richtigen Produkte zu kaufen. Aber für ein komplettes und holperfreies Gespräch reicht es noch nicht.

Es gibt Vorurteile und Klischees, die sich hartnäckig halten. Eines davon ist, dass sich Eiskunstläufer in Russland beinah einem militärischen Drill unterziehen müssen. Wo sehen Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Training in Russland und Deutschland? Gibt es die überhaupt?

Diese Unterschiede gibt es mit Sicherheit.

Wenn es ein Russischer Sportler in den Seniorenbereich schafft, dann hat er sich das über viele Jahre sehr hart erkämpfen müssen. Zum einen sind da die Trainer, welche gerade die jungen Sportler extrem fordern. Zum anderen sind da die vielen Konkurrenten im eigenen Land, wenn nicht sogar im eigenen Club.

In Deutschland sind die Sportler keineswegs schlechter. Auch sind sie nicht verzogen oder faul. In Deutschland bzw. Westeuropa beginnt meiner Meinung nach der Druck etwas zu spät.

Der Russische Sportler bekommt den Kampfgeist und Ehrgeiz schon so früh eingepflanzt – entweder er liefert Resultate oder er darf gehen. Und der Deutsche Sportler wird zu sehr hofiert und stellt eher Forderungen an sein Trainerumfeld anstatt sich 120% dem Sport hinzugeben.

Chemnitz ist zwar nicht der Wärmepol von Deutschland, aber gegen Moskau selbst im Winter kuschelig. Wie verkraftet man als Mitteleuropäer die sprichwörtliche russische Kälte?

Ja genau – die russische Kälte …

Stellen Sie sich einen eingemummelten Westeuropäer vor, der sich vor Schal und dicker Jacke kaum noch drehen kann … das bin ich in Moskau im Winter …

Sie waren als Zuschauer bei der DM in Berlin. Von drei gemeldeten deutschen Paaren kam nur eins ins „Ziel“. Blutet Ihnen da nicht das Herz, angesichts der großen Traditionen die Deutschland im Paarlauf hat?

Mit Sicherheit war die DM 2017 in Berlin angesichts der Teilnehmerzahl (nicht nur im Paarlaufen) kein Highlight. Wenn man sich die letzten 20 Jahre anschaut, dann muss man allerdings auch sagen, dass Deutschland nie wirklich mit den Teilnehmerzahlen der USA oder Russland mithalten konnte. Aber wir konnten immer wieder mit der Leistung mithalten. Und das ist das Wichtigere.

Trotzdem sollten wir versuchen, mit noch mehr Teilnehmern noch mehr Leistung und noch mehr Konkurrenz im eigenen Land und auch gegenüber den anderen (bei internationalen Meisterschaften) zu „produzieren“.

Sie arbeiten innerhalb der DEU ja an der Entwicklung von Nachwuchspaaren. Gibt es bereits erste Erfolge?

Es gibt bereits kleine Erfolge. Vielleicht sogar große. In den letzten Jahren sah ich meine Aufgabe darin eine Bestandsaufnahme in und von Deutschland zu machen um das Thema Paarlaufnachwuchs gezielt angehen zu können. Dazu muss man fairerweise sagen, dass meine Position als „Noch-fast-Läufer“ und „Nichtangestellter-der-DEU“ das ein oder andere Gespräch etwas einfacher gestaltet.

Jedenfalls haben sich schon einige Herren und Damen zu Probetrainings zusammengefunden und es gibt auch schon ein paar feste neue Paare. Auf die Frage, warum man diese Paare noch nicht sieht, gibt es folgende Antwort – Viele junge Sportler tuen sich etwas schwer damit, sich komplett dem Paarlaufen zu widmen. Somit wird weiterhin an den Einzellaufsachen gearbeitet und das Paarlauftraining fällt noch nicht stark genug aus für wettkampffähige Programme. Aber das wird noch …

Die Sportförderung steht in Deutschland vor großen Einschnitten. Das weniger werdende Geld soll zielgerichteter eingesetzt werden, Olympiastützpunkte wegfallen. Wie sehen Sie ihren Verein, den Chemnitzer Eislaufclub aufgestellt?

Die Situation für kleinere Vereine Sport für Jedermann „anzubieten“ wird immer schwieriger. So ist es also auch in Chemnitz. Bei steigenden Unterhaltungskosten und sinkenden Fördergeldern wird es fast unmöglich die Konditionen und für unsere Mitglieder halten zu können.

Verglichen mit anderen Nationen denke ich, dass wir uns in vielen Bereichen des Sports mehr der privaten Wirtschaft öffnen müssen. Wenn gewisse Sportstätten zu einer Art „Erlebniswelt“ zusammengefasst würden, könnten sie durch Besucher und Sportler finanziert werden. Damit wäre weniger Abhängigkeit von Fördergeldern da. Auch denke ich, dass eine privatwirtschaftliche Leitung von Sportstätten mehr Liebe zum Detail zulassen würde (es müssen keine drei Anträge für eine neue WC-Tür gestellt und beschlossen werden).

Weihnachten ist das wichtigste Fest der Deutschen und in Russland ist dieser Zeitraum traditionell den Landesmeisterschaften im Eiskunstlauf vorbehalten. Wo verbringt/verbrachte Robin Szolkowy die Feiertage?

Ich verbringe die Feiertage, wie auch schon die letzten Jahre, mit der Familie. Unser Sohn ist jetzt 15 Monate und somit sind diese Tage fast die wichtigsten im ganzen Jahr.

Seit drei Jahren hoffe ich darauf, dass die Russischen Meisterschaften mal am 23.12. enden, damit ich dabei sein kann … aber bislang wurden meine Wünsche nicht erhört …

Vielen lieben Dank für Ihre Antworten und alles Gute für die weitere Zukunft.

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