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Müller/Dieck: „Das wollen wir unbedingt nochmal erleben“

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Nach dem ich, technisch bedingt, mal wieder ein paar Tage offline war, gibt es nun ein kleines Leckerli für die Sommerpause. Katharina Müller / Tim Dieck haben sich den Fragen des Eiskunstlaufblogs gestellt. Mir hat unser Telefonat Riesenspaß gemacht und ich denke den Beiden auch. Sie sprachen über ihre Pläne für die kommende Saison, ihre Sorgen bei der Finanzierung ihres Sports aber auch über Sternstunden ihrer Laufbahn, wie dem Auftritt vor 16.000 Zuschauern bei der Universiade. Ich hoffen einiges von dem Spaß den wir drei hatten, findet sich auch in dem Interview wieder.

Eiskunstlaufblog: Hallo Katharina und Tim, vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für ein kleines Interview genommen habt.

Katharina: Gerne. Wir freuen uns immer, wenn wir etwas vom Eislaufen und uns erzählen können.

Eiskunstlaufblog: Im Eistanz hat das Comeback von Tessa Virtue / Scott Moir alles überstrahlt. Viele sagen, sie sind besser als jemals zuvor. Hättet ihr sie so stark erwartet?

K: Jeder wusste, dass es spannend wird zwischen Ihnen und Gabriella Papadakis / Guillaume Cizeron. Dass sie so stark sind, habe ich nicht erwartet. Sie haben sich in der Pause weiter entwickelt, ihren Stil der Zeit angepasst. Hinzukommt, dass sie vermutlich aufgrund ihres Olympiasieges und ihrer Erfahrung entspannter an die Wettkämpfe rangehen konnten als Andere.

Eiskunstlaufblog:: Habt Ihr in der vergangenen Saison Neues im Eistanz entdecken können?

Tim: Nein, Ich glaube, in der vergangenen Saison gab es keine grundlegenden Veränderungen.

Eiskunstlaufblog:: Für mich steht und fällt der Eistanz auch ein wenig mit der Musik. Vor zwei Jahren war das alles sehr schwungvoll, in der vergangenen Saison dann eher etwas träge.

T. Die Musik ist jetzt so langsam, weil viele glauben, die Preisrichter wollen das so sehen. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.

K. Ich denke, weil Papadakis/Cizeron in den vergangenen Jahren damit viel Erfolg hatten, wollen jetzt alle so laufen. Wir können das noch nicht, dafür sind wir noch nicht ausgereift .

Eiskunstlaufblog:. Die Musikrichtung wird im Eistanz ja vorgegeben. Wenn Ihr die Musik selbst aussuchen könntet, was würdet Ihr bevorzugen?

K. Wir laufen sehr gerne zu peppiger Musik, Musik, die Lust zum Tanzen macht. Wir hatten auch schon das „Ave Maria“ im Freedance, aber die flottere Musik liegt uns mehr.

Eiskunstlaufblog: In der vergangenen Saison wart Ihr Vierter bei der Universiade, aber bei den großen Wettkämpfen nicht vertreten.

T. Wir hatten uns schon die EM und WM als Ziel gesetzt. Es hat aber nicht geklappt. Die Universiade hat uns aber mehr als nur entschädigt. Im Freedance sind wir vor 16.000 Zuschauern gelaufen, das war einfach großartig.

Eiskunstlaufblog: Die nächste Saison ist eine olympische. Leider hat Deutschland keinen direkten Startplatz im Eistanz. Bei der Nebelhorntrophy werden noch fünf Plätze vergeben. Rechnet Ihr Euch dort etwas aus?

T. Wir wissen ja noch gar nicht wer dort startet und es wird in jedem Fall nur einen Startplatz für Deutschland geben.

K. Es wird durch die DEU ein Paar gesetzt, das unter die ersten fünf Nationen kommen muss. Schafft dieses Paar die Top fünf, dann hat Deutschland einen Startplatz. Sollte das klappen, dann wird die DEU und der DOSB Kriterien festlegen, nach welchen das Paar, das diesen Startplatz einnimmt, ausgewählt wird.

T. Wir hoffen auf jeden Fall in Oberstdorf an den Start gehen zu können.

Eiskunstlaufblog: Nächste Woche reist Ihr in die USA. Dort geht es sicher zuerst um die Choreografie.

K: Die Choreografien sind zum Teil schon fertig. Wir haben Teile der Programme bereits mit Musik fertig, einige Stellen sind aber noch leer. Die Choreografien stammen diesmal beide von Massimo Scali.

Eiskunstlaufblog:. Könnt Ihr uns schon sagen, nach welcher Musik Ihr lauft?

T. Das können wir leider noch nicht verraten. In der nächsten Woche kommt erst die Tanzkommission und wird zum ersten Mal unsere neuen Programme sehen.

K. Soviel können wir verraten, die Musik ist cool und wir fühlen sie. Es macht Spaß, nach ihr zu laufen.

T. Wir haben uns diesmal lange Zeit für die Musikauswahl genommen. Wir hatten ursprünglich 13 Stücke zur Auswahl.

K. Im Shortdance gibt es diesmal latein-amerikanische Tänze. Das ist für uns sehr schön, weil Tim und ich in unserer ersten gemeinsamen Saison auch diese Tänze hatten. Das ist richtig cool.

Eiskunstlaufblog: Viele Zuschauer haben beim Eistanz das Problem, dass sie nicht genau wissen, was eigentlich bewertet wird.

T. Der Eistanz ist sicher die künstlerischste Disziplin im Eiskunstlauf. Aber auch hier gibt es klar definierte Schwierigkeiten und Level. Die sind aber für Laien schwer zu erkennen. Man sieht aber, ob ein Paar miteinander harmoniert oder ob das Programm stimmig ist.

K. Ich versuche immer den Leuten zu erklären, dass es schwierige und komplizierte Elemente gibt, dass wir auch ein technisches Panel und Preisrichter haben. Meist wächst dann das Verständnis für den Eistanz.

Eiskunstlaufblog: Tim, Du stammst aus einer Eiskunstlauffamilie. Deine Mutter ist Trainerin, Dein Vater Kampfrichter, Deine ältere Schwester Eistänzerin. Musste man Dich zum Eiskunstlauf tragen?

T. Ich habe ganz früh mit dem Eiskunstlauf angefangen, bin gewissermaßen in der Eishalle zur Welt gekommen. Eine Zeitlang habe ich nebenbei noch Tennis gespielt und habe dann für das Tennis zwei Jahre mit dem Eiskunstlauf aufgehört. Beim Tennis hat mir allerdings immer etwas gefehlt. Ich habe das Eislaufen vermisst, deshalb kehrte ich wieder zurück aufs Eis.
Eiskunstlauf ist einfach mein Leben. Meine Mutter hatte mich zwar zum Eiskunstlauf mitgenommen, die Entscheidung habe aber ich getroffen.

Eiskunstlaufblog: Wie war das bei Dir Katharina?

K. Ich weiß es wirklich nicht, warum mich mein Eltern auf das Eis gestellt haben. Vielleicht war es die kulturelle Prägung oder einfach nur Neugier. Ich stamme ja aus dem tiefsten Sibirien da passt das kalte Klima der Eishalle doch ganz gut. Die Menschen dort lieben Eiskunstlauf. Das hat man auch nebenan in Kasachstan gemerkt.

T. Eiskunstlauf hat in Kasachstan einen ganz anderen Stellenwert. Wenn wir bei der Universiade gefragt wurden, welchen Sport wir betreiben und Eiskunstlauf sagten, dann waren die Menschen begeistert. Hier in Deutschland erntet man bestenfalls ein Schulterzucken. Deswegen versuchen wir auch unseren Sport in NRW bekannter zu machen. Im Winter gehen wir auf Eisflächen und führen etwas vor, oder helfen anderen.

Eiskunstlaufblog: Eiskunstlauf ist ein sehr teurer Sport. Ihr fliegt jetzt in die USA zum Training. Habt Ihr Sponsoren, oder zahlen Eltern?

T. Wir haben im Prinzip einen Sponsor, das ist bei mir die Bundeswehr. Alles andere kommt aus privaten Kassen. Das ist unser Problem. Ohne unsere Eltern wäre das nicht möglich. Wir suchen zwar nach Sponsoren und sprechen auch immer wieder mögliche Sponsoren an. Leider gibt es immer wieder Absagen. Es ist außerhalb des Fußballs kaum möglich, Sponsoren zu finden.

K. Das Finanzielle ist wirklich unser größtes Problem. Dieser Sommer wird wieder finanziell anstrengend. Wir fliegen zwar in die USA, wissen aber nicht, wann das das nächste Mal möglich ist. Natürlich unterstützen wir auch unsere Eltern, helfen bei der Finanzierung von Choreografien und anderen Dingen.

Eiskunstlaufblog: Was habt Ihr Euch in der kommenden Saison außerhalb von Olympia vorgenommen?

T. Nächste Saison zählt nur Olympia, das ist unser einziges Ziel. Und damit sind viele andere Aufgaben verbunden, die wir erreichen müssen, um überhaupt an unser Ziel zu gelangen.

K. Wir haben bei der Universiade einen Ausblick bekommen, was Olympia bedeutet. Das wollen wir unbedingt nochmal erleben.

Vielen Dank für dieses Interview. Ich glaube alle Leser des Blogs wünschen Euch viel Erfolg für die Olympiaqualifikation und bei der Suche nach einem potenten Sponsor.

Biografie Müller/Dieck bei der ISU

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