ISU World Figure Skating Championships 2021 - Chens triumphaler Sieg

Wow, Wow und noch einmal Wow. Was Nathan CHEN aus den USA heute in der Kür bot, war nahezu außerirdisch. Die letzten Augenblicke dieser Kür hat mich nichts mehr auf der Couch gehalten. Da konnte man nicht sitzen bleiben. Dabei war seine Ausgangsposition nach dem Sturz im Kurzprogramm nicht die Beste. Davon ließ er sich aber nicht beeindrucken. Fünfmal setzte er zu einem Vierfachen an und streichelte die Landung förmlich auf das Eis. Besonders beeindruckend die beiden Kombinationen mit Vierfachen ziemlich am Ende des Programms. Auch wenn ihm in der Kür am Ende mit 222.03 Zählern fast zwei Punkte zu seinem Weltrekord fehlten, ich wüsste nicht, was er besser machen könnte. Mit 320.88 Punkten sicherte er sich seinen dritten Weltmeistertitel. Den zweiten Platz sicherte sich Yuma KAGIYAMA aus Japan mit 291.77 Punkten. Der WM-Debütant ging völlig unbefangen in seine erste Kür bei einem Großereignis. Er hatte drei Vierfache im Programm und präsentierte sich lange Zeit sehr sicher. Erst am Ende schien im etwas die Kraft zu verlassen, so dass er zweimal doch spürbare Abzüge erhielt. In der Kür wurde er mit 190.81 Punkten ebenfalls Zweiter. Völlig unerwartet musste sich der Japaner Yuzuru HANYU mit dem dritten Platz zufrieden geben. Falsche Formulierung. Zufrieden war er sich weder mit der Platzierung, noch mit den erreichten 289.18 Punkten, Mehr als die erzielten 182.20 Punkte, die den vierten Platz bedeuteten, war die Kür aber auch nicht wert, denn gleich vier Sprünge erhielten zum Teil deutliche Abzüge. Hinzu kommt, dass die Kür mindestens eine Klasse schlechter ist, als das Kurzprogramm. Irgendwie wirkt es, als ob sich zwischen den Sprüngen auf einem Sonntagsnachmittagsspaziergang befindet. Seit Seimei hat mich keines seiner Kürprogramme wirklich überzeugt.

Shoma UNO aus Japan war der Pechvogel des Tages. Er lief mit 184.62 Punkten zwar die drittbeste Kür, verfehlte aber mit 277.44 knapp das Podium. Vor allem am Anfang wirkten seine Sprünge nicht perfekt, zwei waren sogar zu kurz. Mikhail KOLYADA aus Russland schwächelte in der Mitte seiner Kür und belegte hier mit 178.52 Punkten den fünften Platz. Diese Platzierung belegte er mit 272.04 Punkten auch in der Endabrechnung. Ein gutes Ergebnis, angesichts der zuletzt nicht so einfachen Jahre für Kolyada. Sechster wurde der Kanadier Keegan MESSING mit 270.26. In der Kür gab es 176.75 Punkte und ebenfalls den sechsten Platz.

Der Schweizer Lukas BRITSCHGI belegte mit 225.55 Punkten den 15. Platz und sicherte seinem Verband damit einen Startplatz bei den olympischen Spielen. In der Kür lief zwar nicht alles rund, aber 147.28 Punkte ergaben den 16. Platz. Insgesamt konnte er sich damit sogar um zwei Plätze verbessern.


Ergebnis der Kür

Judges Scores

Endergebnis


Pressekonferenz


Die Kür in voller Länge (noch gesperrt)

Die Kür in voller Länge (Nur für Deutschland)

Kommentare 17

  • Ich kann mich hier nur allen anschließen. Das war ein Wettbewerb auf höchsten Niveau. Ich würde sogar sagen die ersten 12 waren absolut top.

    Als ich vor einen halben Jahr Kolyadas Programm zum 1.ten mal gesehen habe, dachte ich hm ja ich weiß nicht, aber nach den 3.ten Mal anschauen, hat es mich dann doch gepackt. Manchmal braucht man einfach etwas länger um etwas gut zu finden.

    Für mich war es das schönste Programm bei dieser Herrenkür. Chen hatte zwar die Technik und der Sieg war verdient. Aber Kolyada hatte das beste Gesamtpaket. Schade dass er keine Medaille bekommen hat. Aber wer weiß, vlt klappt es bei Olympia. Man darf Mishin da nicht unterschätzen. Er wird Kolyada sicherlich gut vorbereiten.

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  • Ich schließe mich der allgemeinen Begeisterung an. Es würde viel zu weit führen auf alle Highlights einzugehen. Was für ein hohes Niveau, auch da wo nicht alles geklappt hat..und dabei auch künstlerisch sehr anspruchsvoll und berührend. Da bedauere ich direkt, dass es nur drei Medaillenplätze zu vergeben gibt, weil heute hätten einige eine Medaille verdient gehabt. Bravo, bravo!!! Das war mal ein Genuss und ein Erlebnis!!!

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  • Im Grund genommen fand ich die ersten 8 alle supertoll, bis auf die ungewohnt vielen Mißgeschicke von Hanyu. Nun gut, wir wissen nicht was da los war. Der junge Evgeni Semenenko hat seine in Russland umstrittene Nominierung voll gerechtfertigt, wenn man bedenkt das für ihn der noch amtierende Europameister Aliev zu Hause am TV saß und zuschauen musste. Jason Brown lässt mich etwas nachdenklich zurück. Zu Beginn der Saison tauchte ein Trainingsvideo auf, das ihn beim Quad üben zeigte, den er jetzt auch bei der WM zeigte. Es ist einfach schade das er sich den nicht früher zugetraut hat. Matteo Rizzo hat sein Sprungvermögen bei Trainer Lorenzo Magri wesentlich verbessert was die Stabilität angeht. In der K&C wirkte er, wie öfter mal, unzufrieden über seine Benotung.

  • Chen hin und Chen her...mich berührt das Programm von Mikhail Kolyada immer noch am meisten... :clap:

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    • Das geht mir auch so. Es ist für mich eines dieser "Jahrhundertprogramme" und er hat dafür 90,70 Punkte in der Programmkomponenten bekommen, Jason Brown 90,80, Hanyu 92,42 und Chen 96,14. Es ist fast eine Verschwendung an Talent bei diesen Preisrichtern. Ich weiß auch nicht, wie er ein solches Programm nächste Saison noch einmal überbieten will - künstlerisch. Das geht eigentlich nicht.

  • Ich verstehe die Taktik vom Team Mikhail Kolyada nicht, weshalb sie immer wieder auf 2 mal 3A setzen, wobei wenn ich mich recht erinnere , es in dieser Saison noch nie aufging. Einer davon war gestürzt bzw. verstolpert oder aufgerissen. Er springt so einen tollen 3fach Lutz, den er dorthin platzieren könnte, das wären 7,5 bis 8 Punkte. Das neue Kostüm und seine Choreo waren für mich 1 Highlight des Tages.

    Endlich sah man auch bei Nathan Chen mal was von dessen Ballettausbildung aus früheren Jahren. Geht diese Kür noch zu toppen?Ich weiß es nicht.

    Gefreut habe ich mich für Yuma Kagiyama, nach seinem Sieg beim OYF 2020 ein toller Einstand bei den Senioren

    • Naja lieber Martin, wenn du nur an Vierfachen 2x T im Programm hast musst du schon 2x den 3 A zeigen wenn du in der Weltspitze einigermaßen mithalten willst. No risk no fun, leider.

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    • Nicht vergessen. Kolyadas Karriere war ja schon fast zu Ende, bevor er sich an Mishin wandte und das war schon mitten in der laufenden Saison. Über den Sommer wird Mishin noch einiges aus Kolyada rauskitzeln, da bin ich mir sicher.

    • Vor der WM konnte ich viele Beiträge in YouTube über die Gruppe bei „Professor“ Mishin , wie er aus Verehrung liebevoll von viele Fans genannt wird, finden. Dabei fand ich ein Doku, wie Michael Kolyada mit dem Choreografen Averbuch ehemaliger Eistänzer seine Balett Kür einstudiert hat. Nach dem Soundtrack von „The Crown“. Biografie von R. Nurejew. Das Michael so ein Talent besitzt, diese Musik wahrlich zu interpretieren, war in den Jahren vor dem Wechsel nicht zu sehen. Er hatte immer sehr viele verkorkste Quad Versuche, daran erinnere ich mich noch, leider. Die Stabilität seiner Sprünge ist wirklich viel besser, will aber schreiben, er mußte viele Wettkämpfe in Rußland für die Qualifikation der WM bestreiten und sich durchsetzen, ich habe das immer bei per Stream / YouTube sehen könne. Zum Glück verstehe ich noch etwas russisch, deshalb bin ich sehr optimistisch, das er seine Schwierigkeiten noch steigern kann. Hauptsache gesund bleiben, in St. Petersburg gibt es ideale Trainingsbedingungen, davon können unsere Läufer nur träumen.

    • Wann geht Hr. Mishin eigentlich in Rente? :lol: Ansonsten bleibt dann erst mal abzuwarten wen wir aus Russland nächstes Jahr überhaupt international sehen werden bei 3 Startplätzen und geschätzten 10 ähnlich starken Konkurrenten.

    • Hoffentlich geht der Mishin nie in Rente. Seine Eisläufer und deren Programme gefallen mir sehr, sehr gut.

      Die starken russischen Herren bekommen sicher eine Einladung zum Grand Prix. Da können wir sie erst einmal sehen, bevor dann nach der russischen Meisterschaft und der EM die Entscheidung fällt, wen wir international sehen. Spannend wird es auf alle Fälle werden, denn die sind ja alle nicht die nervenstärksten.

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  • Hallo an alle !

    Bisher war ich stille Mitleserin, aber nun muss ich mich zu Wort melden, denn ihr Artikel Herr Krebs beschreibt genau das, was ich heute gefühlt habe bei der Herrenkür: Das WOW bei Nathan Chen. Klar, es gab auch kleine wow's, aber die alle aufzuzählen, das würde den Rahmen hier sprengen.


    Paul Fentz will ich nicht vergessen, er leidet bestimmt sehr, weil er nach dem Kurz - Programm augeschieden ist, ich wünsche ihm breite Schultern für seine Zukunft, für das nächste Jahr.

    Wenn ich fragen darf: Da gabs doch auch einen jungen vielversprechenden Läufer namens Jonathan Heß, hat er aufgehört ?

    • Hallo Elke,


      soweit ich weiß, ist Jonathan noch aktiv. Ihm dürfte es in dieser Saison wie vielen anderen einfach an Startmöglichkeiten gefehlt haben. Beim MERC wird er jedenfalls noch als aktiver Sportler geführt.

    • Leider hat man schon öfter erlebt das junge deutsche Läufer/innen einfach von der Bildfläche verschwinden.

      Ein paar Turniere gab es schon, an denen er hätte teilnehmen können. Oberstdorf, 2 x Dortmund, Den Haag, wären da zu nennen, an denen er in der Vergangenheit auch teilgenommen hatte. Zu den Trainingsbedingungen in Mannheim während der Corona Pandemie ist mir wenig bekannt.

    • Hab gerade mal in meinem Archiv gegraben. Hess hatte nicht für die DM 2021 gemeldet. Falls er nicht verletzt ist, deutet das dann eher daraufhin, dass er aufgehört hat.

      Danke 1
  • Ja, das war Wahnsinn. Aber da waren so viele gute Programme und Details: Jason Brown mit nem gestandenen, wenn auch unterrotiertem 4fach Sprung. Shoma Uno, der während der Kür die Jury anlächelte ( hab ihn noch nie so offen während der Kür erlebt), das Sprungfeuerwerk von Nathan Chen, Mikael Kolyadas wunderbare Ballett- Kür- das sind bei weitem nicht alle tollen Momente. Allen in allem: beste Unterhaltung und starke Ergebnisse!

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