Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Peter Naber » So 17. Nov 2019, 21:54

Fechter hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 17:38
Die Erkenntnis dass sich fast alle Sportarten weiter entwickelt haben, ist unstrittig. Die Frage ist doch, warum ist die Lücke zur internationalen Spitze so groß geworden und wie es weiter geht. Und Jutta Müllers Traini gsmethoden ob gut oder nicht, würden heute jedenfalls nicht reichen. Es braucht neue Bezugspunkte.
So schwierig ist das doch nicht, und hat mit Frau Müller nichts mehr zu tun. Um Antworten zu bekommen muss man dahin schauen wo die internationale Spitze läuft. Und das ist zu Zeiten des Internet gut möglich.

- An wie vielen Wochentagen sind die Sportler beim Training?
- Wie werden die Tage aufgeteilt in Schule bzw. Sport?
- Was hat dabei die Priorität, ich meine was ordnet sich wem unter? Wie flexibel ist das system?
- Wie ist das Training organisiert (wieviele Stunden täglich)?
- Welche Trainingseiheiten haben welchen Anteil? (Eis, Athletik, Methodik, Ballett, ...)
- In welchem Alter müssen welche Elemente beginnen bzw. dann auch gezeigt werden?
- Wie gut ist der Trainer, auch welche Ausbildung hat er (in technischer, methodischer und pädagogischer Hinsicht)?
- Wie viele Trainer sind im Team?
- Wieviel Eiszeit steht zur Verfügung, also freie Eisfläche (eine Frage die es eher in Deutschland als in der Weltspitze gibt)?
- Wie leistungsbereit sind die Sportler und wie werden sie dabei von den Eltern unterstützt?
- Wie wird es finanziert?

Wenn man richtige Antworten auf diese Fragen findet, kann man beginnen zu schauen ob das bei einem selbst umsetzbar ist.
Wie gesagt, im Netz findet man schon eine ganze Menge Anhaltspunkte. Und es gibt ganz sicher auch einige Trainer und Funktionäre in Deutschland, die international unterwegs sind und Antworten geben können.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Fechter » Sa 16. Nov 2019, 17:38

Die Erkenntnis dass sich fast alle Sportarten weiter entwickelt haben, ist unstrittig. Die Frage ist doch, warum ist die Lücke zur internationalen Spitze so groß geworden und wie es weiter geht. Und Jutta Müllers Traini gsmethoden ob gut oder nicht, würden heute jedenfalls nicht reichen. Es braucht neue Bezugspunkte.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Karl-Heinz Krebs » Sa 16. Nov 2019, 17:23

Fechter hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 16:59
Das war nicht abfällig gemeint. Der Sport hat sich aber weiter entwickelt. Witts damalige Leistung wäre heute sicherlich keine Medaille mehr.
Nenn mir eine Sportart, wo das nicht so ist ...

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Fechter » Sa 16. Nov 2019, 16:59

Das war nicht abfällig gemeint. Der Sport hat sich aber weiter entwickelt. Witts damalige Leistung wäre heute sicherlich keine Medaille mehr.
Selbst wenn also Trainer und Athleten das leisten würden, was Jutta Müller und K. Witt damals geleistet haben, reicht es eben nicht mehr. Deswegen nützt der Blick in die Vergangenheit nur unzureichend.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Katrin » Sa 16. Nov 2019, 10:18

Wie man den Eiskunstlauf in Deutschland auf ein höheres Niveau bringen kann - @Peter Naber und @Karl Heinz - dazu weiss ich auch nicht weiter als zu sagen: Die Situation ist verfahren.
Fechter hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 09:10
...Und Katis Eltern mussten vermutlich auch nicht tausende DDR Mark jährlich zuschießen.
Allerdings würde die Leistung heute ja auch nicht mehr reichen. Ein Pummelchen wie sie, würde wohl eher nicht vor Medwedewa oder Sagitova landen.
Somit meine ich, dass die Trainingsmethoden hinterfragt und modernisiert werden müssten.
Wie bitte, Kathi Witt 1988 bei ihrer Carmen ein Pummelchen ?

Das Hungern ist so ab 14 , 15 Jahren scheinbar bei allen Läuferinnen ein Teil ihres Erfolgs und wird auch hier im Forum schon als notwendig, ästhetisch und halt zum Sport gehörig hingenommen. Das Hungern geschieht im stillen Kämmerlein, und die leise gesagten Worte der Trainer "Pummelchen !" verletzen viel länger und tiefer als ein Ruf des Trainers beim Eis-Training: "Aufstehen und nochmal!" .
Das Gewicht-Runterfahren und Halten kann dem Kind eine gewisse Disziplin lernen, aber es kann umschlagen in eine Ess-Störung, sehr schnell, das geht von einem auf den anderen Tag.

An das sollten verantwortungsvolle Eltern auch denken.

Bitte mir nicht kommen, dass es in der rhytmischen Sportgymnastik und im Turnen auch so ist. Dort geht es auch falsch.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Peter Naber » Sa 16. Nov 2019, 09:59

Karl-Heinz Krebs hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 08:17
@Fechter

Ich gebe Dir in allen Dingen recht. Derzeit gibt es fünf Bundesstützpunkte im Eiskunstlauf. Meiner Meinung nach sind das zu viele. ...
Hallo Karl-Heinz,

ich habe da auch lange darüber nachgedacht. Nur, wir sind ein Volk von über 80 Mill. Menschen. Und finanziell gehören wir auch zu den Staaten, die besser dastehen als die meisten.

Ich denke, dass es eher an der Inhaltlichen Ausgestaltung der Arbeit an den Leistungssportzentren liegt. Ein Beispiel Obertdorf.
Bei dem Fundus an Trainern, und finanziell, müsste doch jede zweite Medaille bei deutschen Wettbewerben von Sportlern erzielt werden, welche an diesem Standort trainieren. Ist aber nicht. Das kann jetzt nicht zu viel aussagen, aber ich habe das so beobachtet.

Meine, subjektive, Erfahrung ist, das es an zwei Dingen fehlt: Professionalität und Leidenschaft.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Peter Naber » Sa 16. Nov 2019, 09:43

Matthias hat geschrieben:
Fr 15. Nov 2019, 23:07
Nur werden Frau Müllers Trainingsmethoden in einer freiheitlichen Gesellschaft vermutlich nicht toleriert. Da sollten Sie schon einen anderen Kronzeugen beibringen.
Ich bin im "Osten" aufgewachsen und kenne das Regime sehr gut. Und: Die DDR ist seit nunmehr 30 Jahren (!) Geschichte und das ist gut so!!! Und, ja, wenn ich 1980 eine 10jährige Tochter gehabt hätte, dann wäre sie sicher nicht zum Training bei Frau Müller oder im Leistungssport überhaupt gewesen.

Aber ich spreche hier nicht über Politik, sondern über Sport. Und ich habe auch nichts zu den Trainingsmethoden von Frau Müller gesagt, sondern habe nur wenige Sätze aus einem Interview zitiert. Mehr nicht. Und in dem was sie da gesagt hat, hat sie recht. Und sie hat auch nicht über Oberstdorf, Mannheim oder Dortmund gesprochen sondern über den Standort, an welchem sie jahrelang tätig war. Erst kürzlich wurde dort zu Ehren ihres 90. Geburtstages eine große Eisgala veranstaltet. Ob zu recht oder nicht, das steht mir nicht zu darüber zu urteilen. Aber wenn sie dort geehrt wird, dann kann man auch erwarten, das man auch hinhört, wenn sie kritisches zu sagen hat.

Ich habe sie nicht als "Kronzeugin" gebracht sondern, wenn man das überhaupt so bezeichnen möchte, der Berliner Kurier. Auch kein Blatt, das im Verdacht steht, der DDR nachzutrauern.
Und ich habe Herrn Dönsdorf benannt. Er sagt im Grunde nichts anderes, nur er sagt es eben in einer Zeit, wo er noch mit in der Verantwortung steht als Funktionär. Und in verschiedenen Zeitungen (FAZ, Stuttgarter Nachrichten, ...) wurde das Thema aufgegriffen. Und es gibt zahlreiche Eltern mit ihren Kindern zusammen, welche man als "Kronzeugen" aufrufen kann, die oft über Jahre viel in den Sport investiert haben um dann resigniert und frustriert aufzugeben.

Das man die Arbeit Frau Müllers, als Vertreterin des DDR-Sports, kritisch sieht kann ich gut verstehen. Dann streichen Sie den letzten Abschnitt aus meinem Artikel.
Ich habe noch einiges mehr geschrieben. darüber können wir dann reden.
V.G.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Fechter » Sa 16. Nov 2019, 09:10

Ich weiß nicht, was und wie Frau Müller trainiert hat. Extra Honorar hat sie neben ihrem Gehalt wohl eher nicht von den Sportlern bekommen. Und Katis Eltern mussten vermutlich auch nicht tausende DDR Mark jährlich zuschießen.
Allerdings würde die Leistung heute ja auch nicht mehr reichen. Ein Pummelchen wie sie, würde wohl eher nicht vor Medwedewa oder Sagitova landen.
Somit meine ich, dass die Trainingsmethoden hinterfragt und modernisiert werden müssten.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Karl-Heinz Krebs » Sa 16. Nov 2019, 08:17

@Fechter

Ich gebe Dir in allen Dingen recht. Derzeit gibt es fünf Bundesstützpunkte im Eiskunstlauf. Meiner Meinung nach sind das zu viele. Verteilt man unsere derzeitigen Spitzenläufer gleichmäßig auf die Stützpunkte, dann bekommt jeder zwei, bestenfalls drei ab, die Paare mal als eine Person gezählt. Zwei, maximal drei Stützpunkte wären sinnvoller. Dort könnte man intensiv mit den Läuferinnen und Läufern arbeiten, sie könnten sich gegenseitig anspornen, wie es in anderen Sportarten auch ist. Auf diese Stützpunkte müssen dann auch die Gelder konzentriert werden. Dort müssen dann auch Trainer arbeiten, die eine umfassende Ausbildung genossen haben.
Unter diesen Bundesstützpunkten könnten Landesstützpunkte etabliert werden. Vielleicht fünf, verteilt über das ganze Land, wo die Talente gefördert werden, die das Zeug haben mal zu einem Bundesstützpunkt zu wechseln. Auch hier würde aufgrund der reduzierten Anzahl von Landesstützpunkten mehr Geld zur Verfügung stehen. Leider wird das aber nicht verwirklicht werden können, denn jedes Land möchte seinen eigenen Stützpunkt haben und Land A darf keine Fördermittel ausgeben, die dann im Land B ankommen. Willkommen in der deutschen Kleinstaaterei. Lieber wird das wenige Geld großzügig mit der Gießkanne verteilt.

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

von Matthias » Fr 15. Nov 2019, 23:07

Nur werden Frau Müllers Trainingsmethoden in einer freiheitlichen Gesellschaft vermutlich nicht toleriert. Da sollten Sie schon einen anderen Kronzeugen beibringen.

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