Grand Prix von Russland - 1. Etappe: Der vierte Tag

Herzlich Willkommen im Eiskunstlaufblog

Das Eiskunstlaufblog ist die wahrscheinlich größte deutschsprachige Community zum Thema Eiskunstlauf. Aktuell haben wir plattformübergreifend 1147 Mitglieder. Gäste erhalten Zugriff auf die News und weite Teile des Forums. Eine Anmeldung ist dennoch von Vorteil. Die Diskussionen zu den einzelnen Wettbewerben, die Galerie und der Kalender mit allen Wettbewerbsterminen steht nur Mitgliedern der Community zur Verfügung. Außerdem macht ja eine Diskussion erst richtig Spaß, wenn sich viele Eiskunstlauffreunde daran beteiligen.


Das Eiskunstlaufblog wünscht einen angenehmen Aufenthalt auf unseren Seiten.

  • Diskussion zum Artikel Grand Prix von Russland - 1. Etappe: Der vierte Tag:

  • War schön, “alte Bekannte“ wiederzusehen... Und Kamila ist einfach ein Phänomen!!! Hatte nach dem ganzen Drama bei Olympia schon befürchtet, sie nie wieder laufen zu sehen!


    Bei mir kam bei den ganzen Streamlinks immer kein Video, also “nicht verfügbar“. Ich habe aber den Link zu YouTube dort entdeckt und konnte doch alles angucken. Puh!

  • Kamila war auch ohne 3 A sehr gut. Einfach wunderschönes Programm. Tarasova/ Morozov fand ich ebenfalls ganz toll. War nie ein Fan von denen, aber seit sie bei Tutberidze trainieren haben sie viel bessere Programme.

  • Ja wirklich, Tarasova Morozov hatten lange keine Identität, liefen ihre Programme einfach runter. Ich konnte nichts mit ihnen anfangen. Dann 2019 liefen sie nach dem Song te amo. Das war die Sternstunde. Man konnte erkennen, wozu sie fähig sind. Ich war begeistert. Doch danach ging es im altbewährten russischen Trott weiter. Ich habe all die Jahre auf ein ähnliches Programm gewartet und gehofft. Und als sie nicht mehr wussten wohin, nahm sie Tutberidze auf. Und Trankov hat ihnen endlich zwei Programme gegeben, die ihnen Identität und Klasse gaben. Gut, die Kür war halb "geklaut" , aber trotzdem auf sie zugeschnitten. Das KP war genial. Sie hatten die besten Programme aller russischen Paare. Ich hoffe, dass ich sie noch einmal live erleben kann.

  • Noch ein Wort zu Kamila. Sich als Opfer in der Kür darzustellen, bzw. Vom Choreographien darstellen zu lassen, finde ich völlig daneben. Sie soll angeblich so ihr Olympiaerlebnis verarbeiten. Das ist hochgradiger Blödsinn. Es ist, als würde man den Verlust eines Menschen derart verarbeiten wollen, in dem man die Beerdigung immer wieder zelebriert.

    Das hilft überhaupt nicht. Und die Schuldigen sind in ihrem Team und nirgend sonstwo.

    Aber sollen sie machen, was sie wollen. Ich finds heuchlerisch. Ihr persönlich gebe ich keine Schuld. Aber sie läuft das Programm nun mal. Und das mir voller Überzeugung..

  • Also ich finde es Blödsinn wenn man meint, dass sie sich als Opfer darstellen will. Das will sie bestimmt nicht. Das Mädel hat genug gelitten. Vlt will sie eine Geschichte auf den Eis erzählen, einfach ihre Geschichte. Eine traurige Geschichte, die ihr vlt sogar den Olympiasieg gekostet hat. Ich denke sie sollte laufen zu was sie möchte, wenn sie sich damit gut fühlt.

  • Ja, jeder hat das Recht, sein eigenes Programm zu laufen. Das steht ausser Frage. Aber die Situation entstand, weil im Dopingtest drei Herzmittel in ihrem Blut nachgewiesen wurden. Das ist ein Fakt. Und sie durfte trotzdem laufen. Niemanden sonst würde das gestattet.

    Sie hatte die Chance auf den Sieg.

    Ich denke auch an diejenigen, die jahrelang auf diesen olympischen Wettkampf hintrainiert und um Medaillen gekämpft haben. Sie haben alles gegeben, aber die Ehrung und die Medaille wurden verwehrt, weil im russischen Team Doping nachgewiesen wurde. Das ist bitter.

  • Der internationale Sportgerichtshof CAS hat den Start von Valieva erlaubt. Die Begründung halte ich für schlüssig. Das Bummel-Labor in Schweden mal außen vorgelassen: Hajo Seppelt hält eine Strafe in Form einer Verwarnung oder eine Sperre von wenigen Wochen für möglich. Der Zeitraum der Sperre beginnt am Tag des positiven Test, also am 22. oder 23. Dezember. Ich bin gerade zu faul zum nachschauen. Bei einer Verwarnung war sie sofort wieder startberechtigt, beo einer Sperre beispielsweise von einem Monat ab dem 23 Januar. In beiden Fällen durfte sie bei Olympia starten. Und genau hier setzte der CAS an und wog für und wider ab. Man ließ Valieva starten, weil man die Medaillen immer noch neu vergeben kann. Passiert immer mal wieder, wenn eine Dopingprobe in einem Endspiel. Endlauf. Finale positiv war. Das ist zwar ärgerlich für die Beteiligten, aber sie bekommen ja ihre Medaille. Was passiert aber, wenn der CAS Valievas Start verhindert hätte, ihre Strafe aber so ausfällt, dass sie in Peking startberechtigt war? Sagt man tut uns Leid, wir haben Unrecht gehabt. Haste Pech gehabt. Oder annulliert man den Frauen- und Teamwettberb und holt ihn ein Jahr später nach? Geht natürlich nicht. Der CAS konnte gar nicht anders entscheiden. Er konnte Valieva nicht ausschließen, nur weil die Möglichkeit besteht, sie könnte vielleicht bei den Spielen nicht startberechrigt sein.


    Und natürlich gab es das schon häufiger und das aus Ländern die jetzt am lautesten schreien. Einen Namen habe ich noch im Kopf: Jerome Young: Er hat vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney einen positiven Dopingtest abgeliefert, erhielt aber keine Sperre und konnte den USA so zum Gewinn der olympischen Staffel-Goldmedaille verhelfen. < Schon während der Olympischen Spiele Ende September in Sydney kamen Gerüchte auf, dass Mitglieder der US-Leichtathletik-Mannschaft im Vorfeld der Spiele positiv getestet worden seien. Aufforderungen des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF) an den US-Leichtathletikverband (USATF) um Preisgabe von Namen wurden 2000 vom US-Verband mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit zurückgewiesen. Es kommt aber noch besser. 2004 wurde Young die olympische Goldmedaille aberkannt. Nur ihm. Die drei anderen konnten ihre Medaille behalten die USA blieben Olympiasieger. Würde man Valieva das Teamgold wegnehmen und Russland würde Olympiasieger bleiben- wir könnten die Amis bis hierher brüllen höhen. Ohne Verstärker.

  • Ja, der Sachverhalt ist mir schon bekannt und ich halte die Entscheidung, sie starten zu lassen, auch für richtig (wenn auch knirschend). Es bleibt aber Fakt, dass drei Substanzen von Herzmitteln in ihrem Blut waren. Und das finde ich höchst bedenklich (harmlos ausgedrückt). Um nicht zu sagen, es ist eine Riesensauerei und gesundheitsgefährdend. Denn die Mär vom Wasserglas des Großvaters glaubt ja niemand, der bis drei zählen kann. Ich sorge mich ernsthaft um die Gesundheit der jungen Mädchen in diesem russischen Team.

  • Danke Karlheinz für die ausführliche und schlüssige Erklärung.

    @ Marina niemand weiß letztendlich wie das Zeug in Ihren Körper gelangt ist, dafür es gibt mehrere Möglichkeiten. Die Mär mit dem Wasserglas kann sein, muss nicht sein. Wir wissen es nicht und man kann das nicht komplett ausschließen. Ich denke da an meine beiden Enkel die mit Vorliebe von meinen Wasserglas "Omawasser" trinken, warum auch immer. :)

  • Ich finde, die ganze Sache mit Kamila schreit zum Himmel! Was mich wundert: Wieso ist der Fall nicht abgeschlossen? Wenn die 2. Probe auch positiv ist, hätten sie es schon längst veröffentlicht. Oder die Probe ist "verschwunden"...

    Außerdem- weshalb ist der Fall überhaupt so spät bekannt geworden, und ausgerechnet kurz vor den Einzelwettbewerben und nachdem Russland Gold gewann?! :1huh:

  • Ich finde, die ganze Sache mit Kamila schreit zum Himmel! Was mich wundert: Wieso ist der Fall nicht abgeschlossen? Wenn die 2. Probe auch positiv ist, hätten sie es schon längst veröffentlicht. Oder die Probe ist "verschwunden"...

    Außerdem- weshalb ist der Fall überhaupt so spät bekannt geworden, und ausgerechnet kurz vor den Einzelwettbewerben und nachdem Russland Gold gewann?! :1huh:

    Warum sollte RUSADA das überhaupt aufklären? Auch wenn ihre Untersuchung zu Ende ist, glaube ich nicht, dass da ernsthaft untersucht wurde. Passt denen doch ganz recht: Aus dem Ausland kommt man gerade nicht gut ran als Journalist, also einfach den Fall abhaken. Diese Saison gibt es eh nix Internationales, da kann man sich die Mühe sparen, ob Valieva bis nächstes Jahr sportlich überlebt, ist eh zweifelbar.

    Russlands Interesse darf man nicht vergessen und daher kann ruhig bezweifelt, ob sie die Wahrheit erzählen werden, sie wissen nämlich ganz genau, dass das Doping ist von ganz oben vorgegeben.


    Und der Vergleich mit den USA der zwar nicht in diesem Kommentar, sondern weiter oben steht, finde ich auch eher schlecht.

    Ja, jeder weiß, dass es in den USA, DE, Norwegen oder Frankreich Doping gibt. Ist auch nicht überraschend. Der Unterschied ist nur, dass bei denen kein Putin vorne sitzt und das bestimmt. In Russland ist das alles gezieltes Staatsdoping. Das ist in den anderen Staaten anders. Doping ist dort eine persönliche Entscheidung. Dass dahinter wiederum Strukturen bis in die Verbände hinein bestehen können (NOR und ihre Asthmamittel im Skifahren), bestreite ich nicht. Was in RUS abgeht, hat aber dennoch eine ganz andere Dimension und wird sich in deren Sportkultur wohl auch nicht so schnell ändern.

    Mal davon abgesehen, dass der Fall von 2000 schon 20 Jahre her ist. Dass die USA enorme Macht haben in der Sportpolitik ist natürlich sch**** und kritisierbar. Nur finde ich es schwierig, einen schon so alten Fall einfach als Vergleich zu verwenden. Denn man weiß nicht wie, das heute aussehen würden und Valievas Fall steht im Kontext des Staatsdopings, deswegen habe ich das vorne noch einmal erläutert.

    Und ich will noch weiter ausholen (ja ich weiß Spekulation): Ich glaube einfach nicht, dass der Rest des russischen Teams keine Substanzen in ihren Körpern hatten. Der Arzt war überall beim Teamevent tu sehen. Aber wie gesagt, das ist eher meine Spekulation.

  • Das Verwerfliche im Tutberidze Team ist ja, dass hier viele 13 / 14 Jährige trainiert werden. Sie müssen sich allem fügen, glauben sicher auch, dass alles zu ihrem Besten ist. Durch die übergroße Konkurrenz herrscht auch eine Athmosphäre der Angst. Es gibt Videos, wie Tutberidze Alina Zagitova kritisiert, besser gesagt einfach niedermacht. Und Alina (damals 15) steht verzweifelt und völlig verängstigt vor ihr. Das ist herzzerreissend. Tutberidze zeigt in keiner Sekunde Nachsicht oder Mitgefühl. Grauenhaft.

  • Es gibt Videos, wie Tutberidze Alina Zagitova kritisiert, besser gesagt einfach niedermacht. Und Alina (damals 15) steht verzweifelt und völlig verängstigt vor ihr. Das ist herzzerreissend. Tutberidze zeigt in keiner Sekunde Nachsicht oder Mitgefühl. Grauenhaft.

    Ich habe mal eine Russin gehört, die (uns Westlern) erklärt hat welche Funktion und Herangehensweise ein Erfolgstrainer dort hat. Mit Samthandschuhen wird dort keine Sportlerin angefasst. Zagitova ist Olympiasiegerin und heute ein Medienstar in Russland. Wenn sie als Athletin so stark darunter gelitten hätte, hätte sie dem Eiskunstlaufen den Rücken kehren können. Hat sie nicht. Stattdessen moderiert sie Ice Age. Das Gleiche gilt für Medvedeva.

    Ist es nicht erstaunlich wie wenig Eiskunstläufer aus Russland "fliehen" ? Und das gerade jetzt ?

    Erstaunlich finde ich auch immer wieder den Teamgeist. Tuktamysheva z.B. hätte Grund gehabt auf Valieva neidisch zu sein, weil sie erfolgreicher ist und bei Olympia starten durfte. Stattdessen unterstützte sie Valieva. Oder Trusova kommt und geht bei Tutberidze. Aktuell ist sie gerade mal wieder gegangen. Mit Valieva sitzt sie trotzdem gemeinsam auf der Tribüne. Und so weiter.


    Den demgegenüber offenbar immer größer werdenden Erfolg von deutschen Trainern mit Nachsicht und Mitgefühl kann man übrigens alle zwei Jahre bei den olympischen Spielen und den Paralympics bewundern.

  • Sieh Dir das Video an. Das ist mein Rat. Man wird nicht nur mit Angst und Drill Weltmeister. Die wenigsten Sportler in der Welt werden verhätschelt. Die meisten trainieren sehr hart, aber eben ohne Angst. Die Szenen nach dem Frauenwettkampf bei Olympia haben das wahre Gesicht des Team Tutberidze gezeigt. Ja, Alina moderiert und ist angeblich erfolgreich. Aber da wird sie spätestens nächstes Jahr von Anna Scherbakova abgelöst. Sie lebt noch von ihrer Goldmedaille. Aber nicht mehr lange. Es kommen zu viele dazu. Auch valiewa wird keine zwei Jahre mehr laufen und Akitewa wird in Mailand kein Gold holen, auch wenn sie es selbst glaubt. Sie ist für Tutberidze eine Zwischensaisonläuferin. Das merkt man ganz deutlich. Es ist für mich ein krankes System. Die Mädchen zahlen dafür mit ihrer Gesundheit und müssen dabei lächeln.

  • Marina.M. keiner wird in Russland mit Gewalt in diesen Strukturen festgehalten. Jedem steht es frei, auszusteigen, wenn es zu viel wird.

    Die Jenigen, die wir oben sehen, wollten nie aussteigen. Aber es gibt auch genug Aussteiger, nur von den wissen wir nix.

    Mir persönlich tun die deutschen Eiskunstlauf Mädchen viel mehr Leid, sie beenden zu 99% frustriert und teilweise mit beschädigten Selbstbewusstsein ihre Karrieren, spätestens mit Schulschluss. Und das, weil sie im deutschen Eiskunstlauf durch das marode System niemals Chance hatten, international gut zu werden, egal, wie talentiert, motiviert und fleißig sie waren. Man hat sie nicht gedrillt oder verängstigt, aber sie haben trotzdem psychische Probleme zu verarbeiten.

  • Ich glaube die Antwort liegt wie immer genau die Mitte.


    Ich stimme bei Marina einerseits voll mit ein.


    Es ist leicht zu sagen, das die Mädchen schließlich aufhören können, Embot. Können sie...Aber ich denke nur Theoretisch.

    Fragt sich nämlich , ob sie gelassen werden, von zu Hause.

    Ich glaube das die Eltern an sich in Russland ganz anders eingestellt sind. Die Erziehung ist anders. Ich glaube die Mädchen können nicht ausbrechen. Sie wissen, was von ihnen erwartet wird. Sie sind anders geprägt.

    Aber es gibt ganz sicher auch die, die es sich nicht gefallen lassen und deshalb auch schon weg sind bevor wir sie kennen. Und es gibt sicher auch die, wo wirklich in Kauf nehmen, so behandelt zu werden,für die Chance des Erfolgs.


    Ob alle deutschen Mädchen/Jungen deprimiert aufhören, mag ich auch bezweifeln. Ich glaube in Dtl gibt es so viel mehr Ziele die man erreichen kann, außerhalb des Sports, das Wissen alle. Und entsprechend machen sie sich rechtzeitig darum Gedanken. In Dtl gibt es mit dem Eissport keine NachKarriere. Außer vielleicht Trainer zu werden oder ein paar Monate-Jahre sich einer Eisshow an zu schließen.

    Ich vermute, das beides nicht unbedingt die Ziele sind, die junge Menschen in Dtl. erzielen wollen. Ich denke sie machen sich rechtzeitig Gedanken um das danach. Und somit fällt man auch weniger in ein Loch. Warscheinlich weniger, als die russ. Sportler, die viel mehr Hoffnung in alles setzen.

  • Zagitova hat ihr Geld rein, ich denke sie braucht sich um den Rest ihres Lebens keine Geldsorgen zu machen. Hat wahrscheinlich jetzt schon mehr verdient als wir Normalbürger unser ganzes Leben verdienen. Von daher hält sich mein Mitleid in Grenzen.