Patrick Chan

Octavia
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Patrick Chan

Beitrag von Octavia » Mi 19. Apr 2017, 13:52

Schon x-mal sind die läuferischen Fähigkeiten des Patrick Chan zu Recht erwähnt worden. Und ja man darf keinesfalls das Verletzungsrisiko bei den schwierigen Vierfachsprüngen außer Acht lassen. Natürlich sind viele Vierfache auch kraftraubend und das fehlt möglicherweise dann für die Komponenten.

Aber hier einen ästhetischen Laufstil nur sich selbst und Javier Fernandez zu attestieren ist mir dann doch ein bisschen dicke. Und dann noch mit Uno und Jin 2 Läufer quasi als bloße Springer hinzustellen, geht für mich gar nicht. Shoma Uno hat gerade in dieser Saison sowohl im KP als auch in der Kür tolle, einfühlsame Programme gezeigt und Boyang Jin arbeitet hart an seinem künstlerischen Ausdruck.
Damit soll die körperliche Belastung, die sie haben, keinesfalls klein geredet werden.

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Henni147
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Re: Chan über Eiskunstlauf der Herren

Beitrag von Henni147 » Mi 19. Apr 2017, 16:15

Octavia hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2017, 13:52
Schon x-mal sind die läuferischen Fähigkeiten des Patrick Chan zu Recht erwähnt worden. Und ja man darf keinesfalls das Verletzungsrisiko bei den schwierigen Vierfachsprüngen außer Acht lassen. Natürlich sind viele Vierfache auch kraftraubend und das fehlt möglicherweise dann für die Komponenten.

Aber hier einen ästhetischen Laufstil nur sich selbst und Javier Fernandez zu attestieren ist mir dann doch ein bisschen dicke. Und dann noch mit Uno und Jin 2 Läufer quasi als bloße Springer hinzustellen, geht für mich gar nicht. Shoma Uno hat gerade in dieser Saison sowohl im KP als auch in der Kür tolle, einfühlsame Programme gezeigt und Boyang Jin arbeitet hart an seinem künstlerischen Ausdruck.
Damit soll die körperliche Belastung, die sie haben, keinesfalls klein geredet werden.
Genau das wollte ich auch gerade schreiben 😂 Shoma Uno ist für mich das beste Beispiel dafür, dass ein breites Sprung-Repertoire keinesfalls im Widerspruch zu herausragenden Komponenten und künstlerischer Perfektion steht. Ganz im Gegenteil - für mich hat Shoma (mit seinen 19 Jahren!) jetzt schon den vielleicht schönsten Bewegungsfluss von allen Läufern. Seine Arme, seine Hände, die Hüfte - alles bewegt sich in perfektem Einklang mit der Musik. Tango ist kein einfacher Tanzstil und er hat ihn wirklich klasse in seinem Buenos Aires-Programm umgesetzt.
Jin Boyang hat sich auch unglaublich verbessert seit der letzten Saison. Vor allem sein Spiderman-Kurzprogramm in Helsinki war einfach super. Eiskunstlaufen ist nun mal auch ein "Spectator's event" - ein Unterhaltungssport und Jin hat mich unterhalten! Technisch wie künstlerisch.

Dann haben wir noch gar nicht davon gesprochen, dass ein gewisser Jason Brown künstlerisch in meinen Augen locker mit Javi und Chan mithalten kann und ich finde es gut, dass Jason (im Gegensatz zu Chan) bei seiner Linie bleibt und das perfektioniert, was er kann. Seine Pirouetten sind der Hammer und auch viele seiner Dreifachsprünge wie im Bilderbuch. In dem Punkt finde ich es wirklich schade, dass ein Läufer mit solchen Qualitäten praktisch keine Chance auf einen Podestplatz hat, und ich fürchte, dass auch Chan mit seiner Vermutung Recht haben wird: sobald sich ein Läufer richtig böse bei einem Sprung verletzt, wird es Änderungen geben - welcher Form auch immer. ABER: Ich bin mir auch sicher, dass diese Einschränkungen das Podestbild nicht wesentlich verändern werden - eben weil Shoma, Jin und Co. mehr können als nur hüpfen.
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Katrin
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Re: Chan über Eiskunstlauf der Herren

Beitrag von Katrin » Fr 21. Apr 2017, 10:24

@Oktavia und Henni: Sehe ich genauso wie ihr. Hab in Karl-Heinz-Presseschau zu Chans Ergüssen geschrieben: "Da will einer seine Felle retten".

Weil die quads wirklich perfekte Sprung-Technik brauchen, sind sie sportlich durchaus nicht einfach wegzuwischen.
Chan ist nicht der geborene Vierfachspringer, er musste hart arbeiten für seinen 4T ( den ich wenn ich mich recht erinnere, erst recht spät im Alter von 20 Jahren zeigte). Irgendwas stört mich an seinen Sprüngen, auch an seinen gestandenen, zuviel Kraft.

Chan ist bekannt dafür, bei Interwievs sein Herz auf der Zunge zu tragen, so dass manches, was er sagt, am Rande der Unhöflichkeit und Unverschämtheit landet. Seine Aussage, dass nur er oder Fernandez künstlerische Leistungen auf dem Eis erbringen kann ist eine solche.

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Re: Chan über Eiskunstlauf der Herren

Beitrag von Katrin » Fr 21. Apr 2017, 14:09

Chan, der wie erwähnt nur sich selbst und Fernandez eine künstlerische Ader attestiert, will es über seine Präsentation gewinnen, was die Kampfrichter dazu sagen: Während des WTT/Kür der Männer habe ich diese Präsentations(=künstlerischen) Noten gesammelt:
Chan: 95, 14
Hanyu: 93, 56
Uno: 92, 78
Brown: 92, 08
Kolyada: 87, 44
Chen: 83, 36 ( quittiert mit einem Kopfschütteln von Arutunian)
Jin: 82, 14
Auf jeden Fall dran bis auf 2 Punkte sind die sprunggewaltigen Uno und Hanyu, und das ist gar nichts....

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Re: Chan über Eiskunstlauf der Herren

Beitrag von Henni147 » Fr 21. Apr 2017, 14:14

Henni147 hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2017, 16:15
Dann haben wir noch gar nicht davon gesprochen, dass ein gewisser Jason Brown künstlerisch in meinen Augen locker mit Javi und Chan mithalten kann und ich finde es gut, dass Jason (im Gegensatz zu Chan) bei seiner Linie bleibt und das perfektioniert, was er kann.
Ich zitiere mich nur ungern selbst, aber... WAS HABE ICH GESAGT? 😂😂😂👌
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Re: Patrick Chan

Beitrag von Henni147 » Sa 28. Okt 2017, 13:08

Mir ist gerade in den Skate Canada Protokollen zum SP aufgefallen:

Patrick hat NUR Level 3 für seine Stepsequence bekommen. 😨😲
Shoma auch nur LV3.

Die einzigen mit LV4: Jason und Hendrickx! das hätte ich nicht gedacht.

Das ist schon ungewöhnlich bei Patrick, oder? Der setzt doch immer so auf den künstlerischen Anteil und hat sogar den 4S geschmissen. Hätte gedacht, StSq4 ist Standard bei ihm 🤔
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Re: Patrick Chan

Beitrag von Octavia » Mo 30. Okt 2017, 16:12

Egal ob Patrick nun nur einen schlechten Tag hatte oder ob er eine kleinere Unpässlichkeit anderer Art hatte, er bleibt einer der weltbesten Eiskunstläufer. Er ist nun mal nicht mein liebster Lieblingsläufer, ich wünsche mir aber einen wieder erstarkten Patrick Chan, der mit gewohntem Selbstbewusstsein in die nächsten Wettkämpfe geht. Good Luck Patrick!

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Re: Patrick Chan

Beitrag von Katrin » Mi 1. Nov 2017, 15:25

http://www.tsn.ca/figure-skating/video/ ... an~1243088

Patrick Chan beim SUP (=stand up paddling).
"Alle wollten, dass ich gewinne. Ich habe so lang so hart trainiert, mein eigener Sturm hat mich verbraucht. Jetzt umarme ich das Eis, jetzt fühlt es sich natürlich an. Das Ende (...nach den kommenden, für ihn letzten Olympischen Spielen) fürchte ich nicht , ich schaue nach vorn. Nichts definiert mich ausser ich selbst."

Deshalb will er den 4S einfach nicht, nicht sein Ding. Damit scheint ihm ein Stein von der Seele gefallen zu sein. Ehrlich ist er ja.

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Re: Patrick Chan

Beitrag von MaiKatze » Mi 1. Nov 2017, 15:50

"Das Ende fürchte ich nicht." Sehr philosophisch. Passend dazu läuft er im Kurzprogramm zu Dust in the Wind von Kansas.


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Re: Patrick Chan zieht zurück aus der NHK Trophy 2017

Beitrag von Katrin » Sa 4. Nov 2017, 07:50

3.11.2017 : Patrick zieht zurück aus der NHK trophy ohne Gründe anzugeben. Bei skate Canada war er nur auf Platz 4 gelandet, gab an, er habe schwere Beine gehabt, sein Körper wollte nicht, er verstand´s selbst nicht, schüttelte in der ciss und cry nur dem Kopf, meinte: Wo ist denn meine Energie hin, die ich gestern noch hatte beim Kurzprogramm ?

Einerseits fürchtet er nicht das Ende - sein Video "my moment" - , andererseits doch, er geht nicht bis zum bitteren Ende. Warum kämpft er nicht ?

Schwere Beine und von wegen "mein Körper wollte nicht", solche komischen Tage hat jeder Eiskunstläufer zwischendurch, aber vermutlich fühlt Patrick, dass es nicht nur so ein Tag war, an dem die Beine verknotet sind: Früher war er sich seiner sicher, dass er im Konzert der anderen mithalten kann. Nun nicht mehr. Er muss nur mit einem Vierfachen und einem instabilen 3A gegen die anderen antreten und diese Sprünge müssen kommen.
Da steigt die Vor-Wettkampf-Spannung: Vor skate Canada hatte er so viel Energien in sich aufgestaut, dass er im Kurzprogramm davon profitierte...aber diese Energie war weg einen Tag später bei der Kür, das verursachte die schweren Beine. Da hatte er viel zu viel vorher in sich aufgestaut, nichts mehr aufgehoben für die Kür. Ein mentales Problem.

Mit einem 4. Platz beim Kanada GP könnte selbst ein 1. Platz bei der NHK für ihn nicht reichen...und bei der NHK Erster werden, das geht nicht.
Mit seinem Rückzieher aus der NHK will er einer Blamage entgehen.

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