Eiskunstlauftechniken - erklärt

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - Max Aaron Philadelpia summer skate SP

Beitrag von Katrin » Sa 5. Aug 2017, 20:45

Ich leg mich hin: Max Aaron USA- sein 3 A im neuesten Video von philadelphia summer skate 2017, das ist für meinen Momentan - Geschmack die richtige Axelanlaufversion, kein "american style"-Axel !
Danke an Karl-Heinz für die Philadelphis summer skate Video links trotz seiner Arbeit an der Fussball - Vorschau für die nächste Saison !
Nachdem ich heute wieder ewig DIESE EINE Axelversion versucht habe zu springen, sie doch noch gefunden habe, aber nun gnadenlos verspannt bin, war ich platt, als mir gerade Max genau diese Art Axelanlauf so in Perfektion zeigte. Das Ding ist so einfach, logisch und im selben Atemzug dennoch nicht einfach. Was hab ich doch für viele Versionen schon gesprungen von diesem verfluchten Sprung, aber keine hat mich so "angesprungen" wie - DIESE EINE.

Ist nun der "american style" Axel - Anlauf wie von Nathan Chen richtig, oder der Anlauf von Max Aaron, oder der recht niedrig und schnell gedrehte Axel von Corey Cirelli, oder der von Hanyu, oder der mit Kraft gesprungene von Yagudin ?
Gibt es eine falsche und eine richtige Technik für den Axel ? Ist die Technik automatisch richtig, sobald ich den Axel mit der richtigen Kante abspringe und mit der richtigen Kante stehe, egal wie gewurschtelt die Rotation zwischendrin aussieht, also das "Zwischendrin" allein eine Frage der GOE? Oder: Gibt es nur eine einzige richtige Technik, die eine, DIE Technik ?
Meine Trainerin sagte mir mal: "Es gibt keine falsche oder richtige Technik, es gibt nur DIE Technik." Und: "Der Trainer führt den Läufer nur zum Ergebnis". Sie sagte auch: "Jeder Läufer hat einen sehr persönlichen Axel." Also springt ihn doch jeder etwas anders, also gibts doch keine absolute Weisheit, also darf ich nicht schwarz- weiss malen mit den Begriffen "richtig" und "falsch"
....hab ich auch hoffentlich nicht mit meinem Bericht über Nathan Chen's Axelprobleme, um es nochmal klarzustellen: Sein Anlauf ist nicht falsch, es ist nur ein timing-Problem.

Der Läufer sucht sich den Axel nicht aus - der Axel kommt zu dem Läufer, der ihn zu springen versteht.
Auf welcher Stufe bin ich da im Moment ? :D ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, es muss halt länger suchen, viel länger, aber DAS Korn geb ich bestimmt nicht mehr her.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - Max beim 3Axel

Beitrag von Katrin » Sa 5. Aug 2017, 21:02

Achtung vor fliegendem Objekt
Max Aaron Philadelphia summer skate 2017.png
Max Aaron Philadelphia summer skate 2017.png (1.09 MiB) 2340 mal betrachtet
Und ein wenig Ernstes noch: Man sieht sehr schön auf dem Eis sein Reinrutschen beim 3A , seinen "skid", als Spur: Der breite Fast- Halbkreis unten links neben der Fensterstrebe samt seiner dreiecksförmigen Eis-Fahne, sieht aus wie ein Segelboot auf einer Welle.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt- Stil

Beitrag von Katrin » Mo 4. Sep 2017, 11:41

Stil.
Keine Eiskunstlauftechnik, ich weiss.

Stil ist Geschmacksfrage. Hat aber auch was mit Technik zu tun, den wie ich den Schlittschuh aufsetze, wie ein Elefant oder wie jemand der das Eis nur streicheln will, kann man lernen mit extrem viel Kniearbeit. Harte werden zu weichen Bewegungen, jedoch: Manche Läufer sind sehr begabt darin, andere nicht. Wie bei Musikern: Manche fühlen die Musik beim Machen, manche machen nur Musik...mit vielen Zwischenstufen selbstverständlich.

Stylish ist bei Surfern oder snowboardern der obercoole, lockere grab an das board, weils eben so gehört. Gehört zum Eiskunstlauf wie die Faust aufs Auge ( sorry für den ganz und gar unpassenden Kampfsportbezug) Ballett ? Unbedingt ?

Muss jeder Eiskunstläufer Ballett tanzen auf dem Eis ?
Manche Eisläufer tanzen zur Perfektion Ballett, kommen aber rüber wie Maschinen.
Bei manchen wirken Ballettposen aufgesetzt und lächerlich.
Bei manchen allerdings ist Ballett genau das, was sie als Basis brauchen um ihre Seele auszudrücken und da schmilzt das Publikum....und die Kampfrichter.
Daher drängen die Trainer immer wieder darauf, der Läufer MUSS Ballet bringen.

Aber wenns nicht geht, gehts nicht: Ballettposen lieber nicht mit Gewalt jemandem aufpfropfen, der sie "nicht rüberbringt".
Einen eigenen Stil aufs Eis bringen erfordert Mut. Robothafte Ballett-Bewegungen sind schlimmer als ein nicht durchgestrecktes Bein oder fehlende Linien, weil sie kalt wirken.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt - "Den Kreis verlassen"

Beitrag von Katrin » So 8. Okt 2017, 20:24

Nun schreib ich wieder mal was nach einer langen Pause.

Meine ganzen handschriftlichen Beschreibungen von Sprüngen und Haltung habe ich ja schon im Sommer in die blaue Tonne gepackt.
Nach einer Woche auf dem Eis nun sage ich: Zurecht.

Ich sehe alles bestätigt, was ich von wegen Körpermitte geschrieben habe - das war das Wichtigste, und aus der Körpermitte den Stand auf dem rechten Bein und auf dem linken Bein zu finden, beide Körperseiten gleichberechtigt zu behandeln und dieses System nie zu verlassen.
Eisläufer bewegen sich nicht in Strichen fort, sondern in mehr oder weniger flachen Bögen, weil sie entweder Aussenkante oder Innenkante fahren. Die Haltung über dem Standbein und der Wechsel von einem aufs andere Bein muss in festgeschriebenen Bewegungen erfolgen, dann hält man sein System, "verlässt den Kreis nicht". Gemeint ist nicht der eine Kreis, den man auf einem Bein fährt, sondern das ganze Haltungssystem, das in sich geschlossen bleiben muss. Man springt auch im Kreis, genauer gesagt: Absprung im Kreis, Drehungsphase Strich, Landung im Kreis.

Am besten man lernt dieses System von klein an.
Jetzt nach 7 Jahren Eislaufen so Grundsätzliches zu ändern in meiner Haltung, die den Namen nicht verdiente, ist heftig, aber ich mach es bereitwillig, weil ich fühle, dass ich auf dem richtigen Weg bin, ich erahne, was es heisst im Kreis zu bleiben.

Am ersten Tag auf dem Eis nach 6 Monaten Pause hab ich letzten Montag das erste Mal einen 1A sauber rumgekriegt, supereinfach - der Stand auf rechts rückwärts auswärts ist der erste Knackpunkt, der zweite das Aufsetzen auf der linken Auswärtskante ohne dabei den Kreis zu verlassen.
Und warum ich beim Rittberger nie das rechte Bein durchstreckte beim Absprung war mir auch klar nun, das war ein Schutz meines Unterbewusstseins, weil ich bisher den falschen Stand hatte - das ist auch die rechts rückwärts auswärts - Kante. Klar, warum die Garmischer Trainerin mich ausscholt, Hanyu kopieren zu wollen, sie hatte recht.

Zur Ehrenrettung aller Trainer die ich bisher hatte - vielleicht lesen die auch diese meine posts -: Die gaben sich redlich Mühe mich richtig hinzustellen, aber ich konnte später das nicht wiederholen, das war wie eine kurzzeitig geöffnete Schublade bei mir, die knallhart zurückschlug.
Klar, ich habe das Pferd von hinten aufgezäumt....aber soll ich den jahrelang nur Haltung und Bögen üben bevor ich an Sprünge und Pirouetten gehe ? Da hätte ich nie mit dem Eislaufen angefangen.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - Hilfe mein Körper betrügt mich !

Beitrag von Katrin » Mi 11. Okt 2017, 12:38

Viele Läufer ziehen zurück aus Wettbewerben im Moment, Verletzungen, die nicht ausgeheilt sind.
Und warum spielen sie nicht den Indianer, der keinen Schmerz kennt und gehen trotzdem aufs Eis ?

Weil Eiskunstlauf kein Sport auf reines Durchhalten ist. Es ist ein Spiel mit Körperhaltungen, von denen jede exakt ausgeführt werden muss.
Es ist bekannt dass unter Müdigkeit und spätestens bei Verletzungen der Körper Schutzhaltungen einnimmt, die der Verstand nur bedingt überbügeln kann. Vor allem erst neu erlernte oder schwierige Techniken gehen bei Müdigkeit schon nicht mehr.
Da schadet auch zuviel Training - wie bei mir gestern: In der Vormittags-2 Stunden-Session wollte der 1A, ich hab sogar noch gelernt, dass man den Schwung des Spielbeins nicht stoppen darf, und nachmittags war er ein Krampf. Mein Gehirn hat da gesagt: Nicht nochmal Axel, das langt für heute! und ich bin zu Lutz und Flip und siehe da, das ging dann.

Eine seltsame Erfahrung von mir: Manchmal zeigts das Unterbewusstsein nur einmal perfekt richtig, wenn man dann diese Perfektion nochmal verlangt, will "ES" nicht, man hat sein Kontigent für den Tag aufgebraucht und technisch den Sprung weiter zu perfektionieren geht überhaupt nicht. Sind komische Tage, solche gibt es, da stimmt was nicht.
Grosse Augen habe ich bekommen als ich Hanyu im 6 Minuten Einlaufen bei den Autumn Classics 2017 nach wenigen Sekunden einen 3A +2T springen sah...und das war hingewürgt. Ich ahnte schon Schlimmes - wenn man einen Sprung gleich nach wenigen Sekunden auf dem Eis macht und so gar nicht locker ist dabei, ist was mit dem nicht in Ordnung. Hanyu hatte in diesem Einlaufen diesen einen 3A, der möglich war, verbraucht. Sein Druck bestand in dem ganzen Hin und Her: Soll ich mein Knie schonen, eigentlich mag ich dieses 3f layout nicht...aber ich machs doch, Orser hat es angeraten...
Direkt vor dem Wettkampf viel springen sollte ein Läufer nicht, damit er sich die Sprünge für den Wettkampf "aufhebt". Ich denke diesen Ansatz möchte Orser bei Hanyu verfolgen, jedoch hat Hanyu mehr Vertrauen in seine Sprünge wenn er sie häufig wiederholt und ich bin sicher, Hanyu hätte in seiner Kür den 3A gestanden, wenn er nicht im Einlaufen diesen einen 3A+2T gesprungen hätte. Lockerlassen. Das kann sein Untergang werden bei seinen grossen Zielen.


Witzig: Als ich gestern nachmittag für 2 Flip und 2 Lutz die verstandesmässig bereinigten Anläufe machte, keifte mein Unterbewusstsein: Nee, stimmt nicht, nee, neeee. OK, dachte ich, dann kriegst Du Zweibein-Sicherheitslandungen. Am Resultat nach den Landungen sah ich, dass mein Verstand recht hatte, meine verstandesmässig korregierte Haltung war richtig, wenigstens mittig und nicht linkslastig.
Alle Pirouetten waren linkslastig, auch da musste ich ein zweites Mal ansetzen und wieder sagte eine innere Stimme: Äh, bäh...aber die Pirouetten drehten zentriert !
Spass machte dieser innere Kampf überhaupt nicht.

Fazit: Zuviel Training einer Technik blockiert genauso wie Verletzungen. Der Körper zeigt einem die richtige Haltung nicht mehr oder nicht mehr freiwillig, er zieht alle Register, um einen zu betrügen.

Benutzeravatar
Henni147
Technikerin
Beiträge: 752
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 16:59
Kontaktdaten:

Re: Eiskunstlauftechniken - Hilfe mein Körper betrügt mich !

Beitrag von Henni147 » Mi 11. Okt 2017, 12:52

Katrin hat geschrieben:
Mi 11. Okt 2017, 12:38
Direkt vor dem Wettkampf viel springen sollte ein Läufer nicht, damit er sich die Sprünge für den Wettkampf "aufhebt". Ich denke diesen Ansatz möchte Orser bei Hanyu verfolgen, jedoch hat Hanyu mehr Vertrauen in seine Sprünge wenn er sie häufig wiederholt und ich bin sicher, Hanyu hätte in seiner Kür den 3A gestanden, wenn er nicht im Einlaufen diesen einen 3A+2T gesprungen hätte. Lockerlassen. Das kann sein Untergang werden bei seinen grossen Zielen.
Erstmal vielen Dank für den ausführlichen Erfahrungsbericht!!! Der ist richtig klasse 👌

Zum Zitat oben: ich habe mich richtig geärgert, dass die Olympia-Wettkämpfe so früh am Morgen sind (bei uns entsprechend mitten in der Nacht.)
Vielleicht ist es aber genau das richtige für die Läufer: Sie haben nicht so viel Zeit, sich vor dem Wettkampf verrückt zu machen und reihenweise Sprünge zu versemmeln. Könnte vielleicht sogar dazu führen, dass wir die qualitativ besten Winterspiele überhaupt im Eiskunstlauf sehen werden.

Beim ACI war es ja selbst in Kanada schon nach 23 Uhr, als die Herren ihre Kür gelaufen sind. Da wäre ich auch tot müde gewesen...
» BENVENUTI SUL PIANETA HANYU! ABITANTI UNO: SOLO LUI. «
- Massimiliano Ambesi

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt- "der Bogen der einen rausträgt"

Beitrag von Katrin » Sa 21. Okt 2017, 09:15

Eine Frage an unsere Eiskunstlauftrainerin Pukitsch:
Wie schaffe ich den "Bogen der mich rausträgt" im Sprunganlauf ?

Zunächst vorbemerkt: Ich kann einen Bogen fahren und abspringen, von der Höhe her komm ich wie auf dem "Festland". Aber dann gibt es Bögen, die mich raustragen, viel mehr als ich eigentlich abspringe, der Bogen schiesst mich raus.

Diese Bögen die mich raustragen, die bekomme ich nicht hin, wenn ich den Bogen von Anfang an drücke, viel Kraft ins Eis gebe, und wenn ich den Bogen nicht voll ausfahre ( weil ich mich auf den Spung selbst und die Drehung konzentriere).
Beim Axel habe ich die Tendenz das rechte Bein zu schleudern, wenn ich diesen links Auswärtsbogen als "Bogen der mich rausträgt" versuche.
Auch beim Lutz merke ich, dass ich den links auswärts Bogen nur fahre, aber nicht benutze.
Beim Linkseinwärts Bogen beim Salchow schaff ich das auch nur selten, dass es mich rausträgt.

Soll ich tiefe Bögen üben und hier meine Kontrolle über den Bogen verfeinern - die Bögen aus denen man rausbeschleunigen kann, sind vermutlich diese Bögen, die mich beim Absprung herausheben ?

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mo 20. Nov 2017, 17:04

Oleg Altukhov: Nicht versteifen in der Suche nach Perfektion.
Danke, Oleg.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - die Haltung mit der alles funktioniert

Beitrag von Katrin » Sa 27. Jan 2018, 11:19

Diese eine Haltung, mit der alles geht, habe ich heute wiedererkannt bei Bojang Jin 4CC , seiner Kür, seinen Sprüngen. Das ist die Haltung mit der alles geht. Erinnert an Nathan Chen. Kein Wunder, es ist diesselbe Körperhaltung. Die ist das Ei des Kolumbus, wer die mal gefunden hat und hält, dem sind keine Grenzen gesetzt.

Henni bemerkte: Bojang war lange verletzt und ich drauf: Ja das hat er genutzt mit Grundlagentraining: Seine Haltung zu perfektionieren. Nur nebenbei: Ich hoffe das das Hanyu auch gemacht hat, keiner hat seit Wochen ein Video von ihm zu sehen bekommen, keiner weiss, wo er steht trainingsmässig.

Katrin
Kunstläufer
Beiträge: 1268
Registriert: Mo 6. Mär 2017, 14:43

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Do 8. Feb 2018, 21:29

Oh das ist gemein, so eine einbeinige Pirouette zu verlagen, das dient nur zur Abschreckung für andere Erwachsene. Selbst Kinder üben erst mal Zweibeinpirouetten. Würd ich sofort abschieben unter "Witzveranstaltung".

Antworten