Eiskunstlauftechniken - erklärt

Katrin
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Do 9. Mai 2019, 09:47

Yagudin, Ten und Joubert veranstalteten einen master class Lehrgang in Almaty 2014.
Hier das Athletiktraining. Yagudin ( die deutschen Untertiteln helfen nichts, ich versteh nur den Sinn) scheint zu sagen, es kommt immer nur auf die Balance an, einfachste Übungen machen. Den Drehsprung rechts rum, links rum zeigt Alexei erst nach seiner Allein-Ansprache im Publikum stehend, ich weiss, dass er das immer als Aufwärmtraining gemacht hat.

Vor allem Denis Ten legt Wert auf hohe Sprünge mit Armunterstüzung ( Doppelarmschwung), seine Kasten-Übung.

Joubert sagt, es käme immer darauf an, die Übungen schnell und explosiv auszuführen, dann würden auch schnellkräftige Muskeln wachsen. Dicke Muskeln mit viel Masse bräuchten die Läufer nicht. Er verweist auf Yuzuru Hanyu, der sehr schlank ist.
Joubert sagt, er habe sich nicht aufgewärmt oder abgewärmt, kein Stretching gemacht, nun habe er Probleme, es zwickt überall im Körper (verkürzte Muskeln verursachen Blockaden).

Katrin
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Schritte und Drehungen

Beitrag von Katrin » Fr 31. Mai 2019, 08:31

Wer einen Überblick bekommen will:
Schritte und Drehungen, wobei die deutschen Begriffe sind für:
Three-turn = Dreier, Drehrichtung des ersten Bogens ist auch die des zweiten Bogens, Kantenwechsel
Bracket = Gegendreier, Kantenwechsel, man muss gegenrotieren
Counter = Wende, kein Kantenwechsel, man muss gegenrotieren
Rocker = Gegenwende, kein Kantenwechsel, Drehrichtung des ersten Bogens bleibt

Mohawk = Mohawk, Fusswechsel rückwärts -vorwärts oder vorwärts rückwärts mit Kantenwechsel
Choctaw = Choctaw, Fusswechsel rückwärts-vorwärts oder vorwärts- rückwärts ohne Kantenwechsel

Ein Video dazu , das noch mehr Techniken zeigt, die Begriffe werden auch in deutsch so verwendet.

Katrin
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Nathan's step sequence WM 2019

Beitrag von Katrin » Fr 31. Mai 2019, 08:39

Kaley nimmt Nathan Chens step sequence von der WM 2019 Saitama auseinander mitsamt kritischer Anmerkungen.
Zunächst bringt sie das 41-Sekunden Video der gesamten sequence, dann die einzelnen Schritte.

Zu den Abkürzungen:
L Left = links
R right = rechts
B back = rückwärts
I inside = innen
O outside = aussen

Beispiel:
LFI rocker = links vorwärts Innenkanten - Gegenwende

Sarah

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Sarah » Mi 3. Jul 2019, 00:39

Hallo,
ich hoffe, ich bin hier im Thread richtig.
Bin selbst großer Eiskunstlauf-Fan, aber totaler Laie. Ich hoffe, ihr nehmt mir meine Frage daher nicht übel.
Ich frage mich schon länger, wie ist es möglich, dass junge russischen Läuferinnen ein so großes Repertoire an Quads haben können und scheinbar weniger Probleme mit dem 4 Lutz haben als z.B. Yuzuru Hanyu, der ja extrem viel und hart trainieren soll.
Liegt das daran, dass man das im jungen Alter leichter lernt? Oder an Hanyus Verletzungen?
Viele Grüße
Sarah

Katrin
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mi 3. Jul 2019, 09:47

Hallo Sarah, das ist keine Frage eines Laien, die Du da stellst !
Die scheinbar "dummen" Fragen sind am schwierigsten zu beantworten.

Willkommen im Forum !

Vorweg:
Eiskunstlauf hat in Russland einen hohen Stellenwert als Sportart.
In Russland gibt es viele Kinder, vor allem Mädels, die in den Eiskunstlauf streben, also eine breite Basis, aus denen sich Talente herauskristallisieren. Die Talente gehen dann selbst zu den Meister-Macher-Trainern, sind gewillt, ihren Wohnort zu wechseln, ein Elternteil muss da mit, wenn das so weit gediehen ist, ist da ein eiserner Wille zum Erfolg.
Dann gibt es ausgezeichnete Trainer in Russland, alle geben den Kindern eine solide Grundausbildung, ohne die gehen solche Vierfach-Sprünge nicht.
Der russische Verband zahlt den Talenten die Trainerkosten; wie das in Japan ist, weiss ich nicht, in den USA oder Kanada muss alles privat bezahlt werden.

Thema Hanyu:
Warum hat er mit seinem Sprungtalent solche Probleme mit Flip und Lutz ?
Sehr gute Frage: Hanyu hat von allen Weltklasseläufern die geringste bis keine Vor-rotation im Absprung, vor-rotieren braucht er nicht, da er sehr hoch springt. Das hat er so gelernt, das kriegt er nicht mehr raus. Alle anderen gehen im Absprung mit der Bewegung mit, auch sein Landsmann Shoma Uno. Das wird auch den russischen jungen Läuferinnen angekreidet, diese Vor-Rotation auf dem Eis, die bis zu einer Dreiviertel-Umdrehung gehen kann.

Nathan Chen, der sicherste 4 Flip und 4 Lutz Springer im Moment mit normal vorrotiertem Absprung ( würde sagen: Lehrbuch- Flip+Lutz) hatte zu seinem Eislaufen einige Jahre parallel Balletausbildung und sagt( aus dem Gedächtnis zitiert): "Ich habe gelernt, meinen Schwerpunkt in den unmöglichsten Positionen zu halten, das hilft mir jetzt bei den Sprüngen."
Hanyu hatte nie diese Ballettausbildung; er hat zwar eine äusserst gute natürliche Körperhaltung, die selbst von Ballettänzern gelobt wird, aber trotzdem: Vermutlich hätte er sehr von einem zusätzlichen Ballettraining profitiert für seine Sprünge.

Sarah

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Sarah » Mi 3. Jul 2019, 21:48

Vielen Dank, Kathrin!
Jetzt verstehe ich das ganze schon deutlich besser.

Was mich allerdings wundert ist, dass eine 3/4 Prerotation nicht abgewertet wird, das ist ja fast eine ganze Umdrehung!
Für unterrotierte Sprünge gibt es ja schließlich auch Abzug - oder macht es technisch gesehen so einen großen Unterschied, ob das am Anfang oder am Ende des Sprungs geschieht.
Irgendwie erscheint mir das denen, die nicht vorrotieren gegenüber unfair.

Und ich dachte immer, dass alle Eiskunstläufer automatisch von Kind an auch Ballettraining haben.
Aber das erklärt bei Nathan Chen so einiges.

Katrin
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Do 4. Jul 2019, 09:00

@Sarah:
Sarah hat geschrieben:
Mi 3. Jul 2019, 21:48
--

Was mich allerdings wundert ist, dass eine 3/4 Prerotation nicht abgewertet wird, das ist ja fast eine ganze Umdrehung!
Für unterrotierte Sprünge gibt es ja schließlich auch Abzug - oder macht es technisch gesehen so einen großen Unterschied, ob das am Anfang oder am Ende des Sprungs geschieht.
Irgendwie erscheint mir das denen, die nicht vorrotieren gegenüber unfair.
..
Alles richtig! Die Läufer sparen Umdrehungen in der Luft.
Allerdings muss ich nachsehen, ob irgendwo geschrieben steht, dass ein 1 Flip oder 1 L auch 360 Grad in der Luft sein muss.
Weil: Bei anderen Sprüngen wie beim 1 T ist man ja auch nur eine halbe Drehung in der Luft. Der 1 A hat 1, 5 Umdrehungen in der Luft, darin entspricht er dem 2 T.

Das Vorrotieren oder der "russische Rittberger " :
Um Rotation zu erlangen und gleichzeitig zu ersparen wird bei Flip und Lutz der asssist = das Einstechen mit der Zacke nicht in gerader Linie nach hinten gemacht, sondern nochmal 180 Grad weiter, der Fuss verdreht sich schon vor dem Absprung, das resultiert in der Regel darin, dass nicht nur die Zacke, sondern die ganze Kufe aufs Eis kommt, es sieht dann wie ein Rittberger aus ( Rittberger wird von der vollen Kante abgesprungen). Vor allem beim Lutz besteht dabei die Gefahr, dass man in der Absprungkante auf Innenkante kommt, da heisst es, rechtzeitig das linke Bein weg vom Eis zu ziehen.

Einen Bundeskaderläufer habe ich genau zu diesem Thema befragt, er sagte, es gäbe zwei Arten, den Flip oder Lutz zu springen. Scheinbar ist da in Fachkreisen kein Diskussionsbedarf.

Eine Eiskunstlauf-Trainerin betitelte das abschätzig mit "russischem Rittberger" , vielleicht weil den die Russen "erfunden" haben oder bevorzugt benutzen. Der russische Verband hat viel Gewicht im Weltverband, da hält jeder Kampfrichter stille und hebt nicht den Finger. Und ganz richtig, Hanyu hat dadurch einen Nachteil, denn er macht alle Rotationen in der Luft, er springt exakt rückwärts ab.

Einen Nachteil hat dieser "russische Rittberger": Durch die 180 Grad Verdrehung des eintippenden Fusses geht der Stabhochsprung-Effekt verloren, der geht in Sprungrichtung. Wenn man sein eintippendes Bein verdreht, kriegt man mehr Drehung, aber weniger diesen Katapult-Effekt.

Nathan springt den Lutz mit "Stabhochsprung-Effekt", während der Absprungbewegung rotiert die Zacke in ihrem Eis-Loch 180 Grad - das ist OK, das hat diese Eiskunstlauftrainerin mir auch so erklärt, das sei richtig.

Was wundert es, dass Hanyu-Fans Nathan vorwerfen, 1/2 Rotation zu ersparen.

Sarah

Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Sarah » Fr 5. Jul 2019, 23:21

Liebe Kathrin,

vielen Dank!!!

Trotzdem schade, dass es da von der ISU keine einheitlichen Richtlinien zum Absprung gibt, wäre irgendwie gerechter. Aber wie du schreibst, will man das ja nicht ändern.

Katrin
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Sa 6. Jul 2019, 08:35

@Sarah: Richtlinien gibt es schon, der Sprung kann bei viel Vorrotieren abgewertet werden.

Dieser Beitrag schien mir am treffendsten, bestätigt, dass Vorrotieren bei Spitzenläufern nur selten bestraft wird.
Darin wird auch gesagt, dass das technische panel Vorrotieren nur mit Normalgeschwindigkeit sich ansehen kann. Dagegen darf die Landung in slow motion betrachtet werden.
Meine Meinung: Wie bitte ? Warum denn nicht slow-motion auch der Absprung ??

Beispiel für Vorrotieren beim Flip von einer nicht mehr aktiven Läuferin, der "russische Rittberger".

Dass ewas von der ISU unternommen wird wegen des Vorrotierens ist überfällig.
Massimiliano Ambesi, italienischer Europort-Kommentator, hat das als erster öffentlich klar ausgesprochen, Video vom März 2018. Massimiliano erklärt den "russischen Rittberger" bei Flip und Lutz, sein Fazit: So ein Sprung dürfte gar nicht mehr Flip oder Lutz heissen.

KvdPF
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von KvdPF » Mo 23. Sep 2019, 21:58

Was sagst Du zu der Technik von Young You beim 3L-Eu-3S?
Ist das im eigentlichen Sinne ein Lutz?
www.youtube.com/watch?v=l5KZBp1dPuY

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