Romane und Geschichten über das Eiskunstlaufen

christinkelden

Romane und Geschichten über das Eiskunstlaufen

Beitrag von christinkelden » So 10. Sep 2017, 16:52

Hallo ihr,
ich schreibe Kinder- und Jugendbücher, habe schon ein paar zu anderen Themen veröffentlicht und schreibe nun an einem Roman für Jugendliche. Die Hauptfigur ist ein junges Mädchen, das Leistungssport Eiskunstlauf betreibt. Da ich selbst zwar auch aus dem Leistungssport komme, aber nicht aus dem Eiskunstlauf nun meine Fragen an diejenigen von euch, die sich auskennen, da ich den Roman realistisch schreiben möchte:
- Wie oft trainiert man in welchem Alter, wenn man in den internationalen Spitzensport, also EM, WM, Olympia möchte?
- in welchem Alter startet man erstmals auf nationaler Ebene bei deutschen Jugend-Meisterschaften?
- wie laufen Deutsche Jugendmeisterschaften ab? wie sind da die Anforderungen im Eiskunstlauf einzel? wie viele Küren muss man laufen? wieviele Konkurrenten sind da so in der Regel?
- wie sieht das Kadersystem aus? in welchem Alter ist man in welchem Kader? wie sind da die Lehrgänge? wieviele Läufer sind in den jeweiligen Lehrgängen? wann ist man im Landeskader wann im Bundeskader?
- ab welchem Alter startet man international? Junioren-EM etc.?
- was gibt es für Wettkämpfe für jüngere Läuferinnen, was für Wettkämpfe im Alter von ca. 10-16? welche Wettkampfhöhepunkte gibt es?

Ihr seht, viele Fragen, aber ich möchte das Leben und die Karriere meiner Hauptfigur so realistisch wie möglich beschreiben, daher möchte ich mich gerne informieren.

LG
Christin Kelden

ChristinKelden

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Katrin
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Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von Katrin » Mo 11. Sep 2017, 21:44

Hallo Christin,
ich kann nur einen groben Rahmen umreissen von dem, was ein junger Eiskunstläufer alles durchlaufen muss, bis er Landes-oder Bundeskader wird. Habe es am Rande mitbekommen, weil ich seit einigen Jahren selbst eislaufe.

Erst mal sieht der Trainer eine Begabung und schickt den Läufer zu Kürklassenprüfungen ( ca jedes Jahr eine) und zu Wettbewerben, die seiner Kürklasse entsprechen ( steht in den Wettbewerbsausschreibungen).
Die Richtlinien für den Bayernkader, die Richtlinien für den Bundeskader.
Die Kriterien für die Teilnahme an den world junior Championships - ab 13 bis 19 Jahre, bei Paaren 21. Europäische Juniormeisterschaften gibts nicht.
Die nationalen Meisterschaften für Nachwuchsläufer sind natürlich der Saisonhöhepunkt gefolgt vom Deutschlandpokal, denn da können sie in ihren Kürnoten den Eintritt schaffen in einen Kader , sie müssen zweimal in der Saison diese Punktezahl erreichen, einmal in einem internationalen Wettbewerb, Beispiel: Lombardia Trophy.

Trainingszeiten:
Das Training erstmal im normalen Eislaufverein:
Anfangs zunächst ein- bis zweimal die Woche on ice = auf dem Eis - ca 4 Stunden : Da wird erstmal geschaut, ob der Läufer überhaupt talentiert ist, ob er Lust hat auf Leistungssport und Kürklassenprüfungen, wenn ja, ob die Eltern mitmachen und es auch die schulischen Leistungen zulassen. Ein 9 Jahre altes Kind ist in aller Regel schon zu alt für den Einstieg in die Leistungsschiene.

Wenn der Läufer später in einem Kader ist, sollte er neben 4 - 5 mal die Woche on ice zusätzlich off ice = Turnhalle o.ä.- Sprünge und Beweglichkeit üben, zusätzlich auch Ballettstunden nehmen....das ist neben der Schulzeit ein fulltime job für den jungen Läufer und seine Eltern, teilweise Schulaufgaben im Auto oder Mittagessen aus der Tupperdose...das ist nicht erfunden von mir, das weiss ich, die hoffnungsvollen Kinder werden hunderte km hin und hergekarrt, besonders in der Sommerzeit, wo in Deutschland kaum Eisflächen geöffnet haben. Da steigt der junge Läufer nach langer Autofahrt aus und muss aufs Eis, da sind Verletzungen vorprogrammiert, wenn man in Eile ist und sich nicht richtig aufwärmt, weil man vorher im Stau stand.

Beispiel Trainingszeit für einen C - Bundeskaderatheten: Isaak Droizen, 17, ein hoffnungsvoller Junior, ist vor Jahren schon umgezogen von Würzburg nach Oberstdorf, wo er das Gymnasium besucht, hier seine ISU Biographie mit Angabe von Trainingszeit pro Woche, das sind 23 Stunden.

Wieviel on ice und off ice Trainingszeit, auch die übrigen Einzelheiten müsstest Du am besten selbst recherchieren, am besten in eins der Bundesleitungszentren fahren ( Mannheim oder Oberstdorf), Dein Anliegen vortragen und selbst Auskünfte erfragen. Vielleicht gibt auch einer der jungen Athleten Auskunft über sich.

Nicht ohne sind ja auch die Kosten des Trainings: Da sind finanziell nicht gut gestellte Eltern schnell am Rand, wenn sie Privatstunden zahlen (50 Minuten ca 50.-€ inclusive Eiskosten), und die Karriere ihres Kindes kann daran scheitern. Ob und wie weit Kaderathleten ihren Trainer bezahlt bekommen, weiss ich nicht so genau.

Gast

Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von Gast » Do 14. Sep 2017, 14:17

Hallo Katrin,

schon mal 1000 Dank für deine ausführliche Antwort.
Zwei kleine Fragen noch zu deiner Antwort:

Den Eintritt in den Bundeskader schafft mal indem man zwei Mal eine erforderliche Punktzahl läuft. Davon muss man einmal an einem internationalen Turnier die Punktzahl geschafft haben, heißt, man schafft sie einmal bei den nationalen Jugendmeisterschaften und einmal bei einem internationalen Turnier für das man sich einfach anmelden kann.

Ab welchem Alter gibt es den Deutschland-Pokal und die Deutschen Juniorenmeisterschaften?

Danke schon mal im Voraus

Katrin
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Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von Katrin » Do 14. Sep 2017, 15:46

Hallo Christin,

hab auch nur die Bundeskadernormen gelesen, die Punktzahl muss tatsächlich zweimal erreicht werden, einmal in einem internationalen Wettbewerb. Und jedes Jahr muss der Sportler, wenn er zB im C-Kader ist, die erforderliche Punktzahl erreichen auf diese Weise, die Punktzahl steigt auch mit seinem Alter.

Beim Deutschlandpokal, hier die Ausschreibung, gibt es Nachwuchsklasse, U18 Jugendklasse und Junioren. Wo und wie genau die Altergrenzen sind und der Unterschied zB zwischen U18 Jugendklasse und Junioren weiss ich nicht.

Hier die Ausschreibung der Deutschen Nachwuchsmeisterschaft.

christinkelden

Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von christinkelden » Do 14. Sep 2017, 20:28

Hallo Katrin,

danke für die Nachricht. Ich habe keine Ahnung, wie alt du bist und ob du Interesse hast. Aber sobald das Buch fertig ist und du magst, kann ich es dir gerne zum Lesen zuschicken.
Kleiner Dank für deine Hilfe :-)

Wird allerdings noch etwa ein halbes Jahr dauern.

Christin

DueTre

Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von DueTre » Fr 15. Sep 2017, 10:00

Vielleicht helfen Dir nebst den Fakten auch die Gedanken einer Eiskunstläuferin weiter:

Tägliches Training ist kein Problem, aber mehrere Tage ohne Eis fühlen sich ganz schlimm an. Man vermisst es total.
Mahlzeiten im Auto, um über Mittag oder abends so rasch als möglich zur Eisbahn zu fahren, sind normal und werden mit genau soviel Genuss gegessen wie am Küchentisch.
Das Gefühl beim Eislaufen ist mit nichts zu vergleichen. Es ist ein Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit, Unbeschwertheit, voller Freude und Spass. Alle Probleme sind auf dem Eis unbedeutend - die werden vom Fahrtwind bereits beim Einlaufen weggeblasen. Es gibt nichts Schöneres als das Gefühl des Gleitens, die erfrischende Kälte des Fahrtwindes im Gesicht und den Duft des Eises in der Nase. Insbesondere früh am Morgen ist eine Eishalle noch spezieller als tagsüber. Die Stille, das Eis, der Duft - unbeschreiblich, immer wieder aufs Neue. Ein eigener Kosmos.
Nicht zu vergessen das Eis im Sommer. Unübertroffen ist das Gefühl, wenn man an einem heissen Sommertag die Eishalle betritt. Die Kälte und der Duft sind noch viel intensiver wahrzunehmen. Und der Wechsel der Eisbahnen (da im Sommer viele geschlossen sind) führt immer wieder zu neuen internationalen Bekanntschaften, neuen Eindrücken und tollen Erfahrungen. Man kann sehr vielversprechende Talente beobachten und bekommt einiges mit von anderen Trainern. Man stellt fest, dass es viel schlimmere oder auch viel nettere Trainer gibt... Und die Qualität des Eises ist überall anders. Eines ist zu hart, das andere zu weich, das nächste zu verkratzt vom Hockey und nur selten trifft man DAS perfekte Eis - hier gelingt einem alles!

Zu den Fakten: optimal erfolgt der Eintritt in einen Verein mit 4-5 Jahren. Kleine Talente sollten schon früh speziell in Fördergruppen trainiert werden. Sicher 5 Stunden pro Woche. Schon ab ca 8 Jahren sollte das Training auf 10 Stunden erhöht werden (ich spreche hier von Läufern, die das Potential und auch den Willen sowie die Unterstützung der Eltern haben). Dazu kommt Athletiktraining und Ballett. Dann je nach Niveau und Alter steigert sich der Trainingsumfang auf 15 Stunden pro Woche, ganz schön viel nebst der Schule. Die Kinder müssen deshalb früh lernen, ihre Zeit sehr effizient zu nutzen - auf und neben dem Eis. Wenn man den Sport liebt, hat man aber nicht das Gefühl, etwas zu verpassen - man ist genau da, wo man sein möchte.

Gast

Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von Gast » So 17. Sep 2017, 19:25

Danke für eure Nachrichten, auch solche Gedanken helfen natürlich das ganze so realistisch wie möglich zu machen.

Katrin
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Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von Katrin » Mo 18. Sep 2017, 11:45

Christin, Du kennst doch auch das Phänomen Eislaufeltern ? Die wollen sich in ihrem Kind selbst verwirklichen, trainieren zusätzlich mit ihm im Publikumslauf, so weit manchmal, dass das Kind anfängt zu weinen. Oft zieht das Kind mit, weil auch ehrgeizig, so was kann- kann- in psychischen Störungen ( wie Ess-Störungen, Selbstverletzungen) enden, Reaktion auf Zwänge, auch die, die man sich selbst auferlegt, zu Ende ist das Kind/ der, die Jugendliche in einem Käfig. Manchmal zieht das Kind vorher die Reissleine - vor solchen Entscheidungen habe ich den höchsten Respekt- und sagt zum absoluten Erstaunen der Eltern und der Trainer oder des Eislaufverbands "ich will nicht mehr".
Beim Training mit dem Trainer ist es in vielen Vereinen die Regel, dass Eltern absolutes Stillschweigen während des Trainings halten müssen und auch oft, dass sie nicht direkt an der Bande stehen dürfen um Zeichen zu geben oder sonstwie das Kind zu beeinflussen.

Gast

Re: Neuer Roman für Kinder und Jugendliche am Entstehen

Beitrag von Gast » So 1. Okt 2017, 21:36

Hallo ihr,

ja, vieles kenne ich, ich komme selbst aus dem Leistungssport, da jedoch aus dem Kunstturnen, daher sind mir die vielen Trainingseinheiten und auch viele andere Dinge ein Begriff.

Danke schon mal für eure Antworten, haben mir sehr geholfen. Die ersten 30 Seiten sind nun abgetippt, viele fehlen noch und kommen in der nächsten Zeit. Es sind auch noch einige Dinge nicht ganz festgelegt, wie zum Beispiel die Erzählperspektive, da bin ich noch am Schwanken. Bis das Buch bestellbar ist, dauert es sicher noch etwa ein Jahr. Aber wie heißt es so schön: Gut Ding will Weile haben. Wer eine Leseprobe haben möchte, kann sich gerne mittels pn bei mir melden.

Eure Christin Kelden

Manuel
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Eislaufgeschichten: Marie, die kleine Eisprinzessin

Beitrag von Manuel » Di 12. Dez 2017, 16:57

Ich schreibe u.a. auch Kindergeschichten, übers Reiten und Eislaufen. Auf meiner website findet ihr vieles kostenlos.(Die gedruckten Bücher von den Verlagen muss ich selbst kaufen.) Auf der linken Menueseite sind die Bloecke für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufgelistet. Da gibt es sogar einen Eislaufkrimi. Einfach mit Manuel Magiera googeln oder http.://manuelmagiera.de.to.
Hier kommt also : Marie, die kleine Eisprinzessin. Die gibt es wirklich und ist jetzt gute zehnJahre jung. Ich hatte sie in Braunlage im Urlaub kennengelernt und der Axel machte ihr so großen Kummer. Da war sie erst Sieben! Als ihre Mutti mich darum bat, hab ich die nun folgende Geschichte geschrieben. Ich hoffe, sie gefällt euch. Lg Manuel

Marie, die kleine Eisprinzessin

Marie war ein hübsches dunkelhaariges Mädchen von sieben Jahren. Sie ging gerne zur Schule und lernte auch sehr gut. Maries größte Liebe aber galt dem Eiskunstlauf. Wie herrlich und glücklich fühlte sie sich doch, wenn sie ihr schwarzgoldenes Eislaufkostüm und ihre kleinen Schlittschuhe anziehen durfte! Über die weißen Stiefelchen trug sie goldene Schlittschuhschoner und ihr langes lockiges Haar band sie sich zu einem Pferdeschwanz zusammen, der, natürlich, von einem goldenen Band zusammengehalten wurde. Marie schwebte über das Eis. Seit sie denken konnte, erhielt sie Eislaufstunden und fuhr dafür auch im Sommer viele Kilometer aus ihrer Heimatstadt zu den Eisbahnen in den Harz. Dort erwartete sie stets ihre Trainerin, die ihr ganzes Können aufbrachte, um Marie das Eiskunstlaufen zu lehren. Marie konnte ganz viele schwierige Schrittfolgen und bereits so schnell wunderschöne Pirouetten drehen, dass einem als Zuschauer dabei fast schwindelig wurde. Ihre Mama begleitete sie und war immer an ihrer Seite, auch wenn Marie mal Kummer hatte. Und das kam in der letzten Zeit leider öfter vor.

Die kleine Eisprinzessin beherrschte nämlich auch schon die wichtigsten Sprünge. Nur, der Axel bereitete ihr Kopfzerbrechen. So sehr sich Marie auch abmühte, er wollte ihr nur selten gelingen. Und dabei machte sie doch alles richtig! Sie lief an, sprang ab und drehte sich eineinhalb Mal in der Luft. Aber dann, ja dann kam die Landung. Und die setzte nicht rechts rückwärts auf der Kufe auf, sondern meistens auf Maries Po. Irgendetwas fehlte da noch. Marie übte und übte und war ganz verzweifelt. Ihre Mama nahm sie dann in den Arm und versuchte sie zu trösten, aber auch das half nicht immer. Marie war einfach zu ehrgeizig. Sie wollte doch so gerne eine richtige Eisprinzessin sein und bei Wettbewerben gewinnen.
Nach einem anstrengenden Trainingstag, an dem ihr wieder der Königssprung nicht gelingen wollte, lag sie grübelnd im Bett. Marie hatte ein sehr schönes eigenes Kinderzimmer. Ihre hübschen Kleidchen hingen aufgeräumt im Schrank und ihre Stofftiere passten während der Nacht auf sie auf. An der Wand klebte eine niedliche himmelblaue abwaschbare Tapete. Was darauf zu sehen war? Eisbären, natürlich! Große und kleine weiße Bären, zum Teil nur mit ihrem Fell, aber andere waren auch schick angezogen. Doch das Besondere an den Bären, zu denen auch ganze Familien gehörten, war, dass alle Schlittschuhe trugen und in typischen Eislaufposen auf Marie herabschauten. Die hatte ihren Bärenfreunden natürlich auch schon Namen gegeben und oft, wenn sie nicht einschlafen konnte, unterhielt sich Marie mit ihnen. Ihr bester Freund hieß Nanuk. Das ist eskimoisch und bedeutet in der Eskimosprache: Eisbär. Nanuk war ein kleiner Eisbärenjunge, eingepackt in eine dicke hellblaue Winterjacke und ebensolchen Hosen. Auf dem Kopf trug Nanuk eine buntgestreifte Pudelmütze und an den Händen gleichfarbige gestrickte Handschuhe.

Huch! Marie, die sich mal wieder über ihre verpatzten Trainingssprünge ärgerte und eigentlich den Tränen nah war, blickte gebannt auf ihre Tapete. Irgendetwas stimmte da nicht, an der Wand. Richtig, jetzt erkannte sie es! Nanuks Pudelmütze fehlte. Wie konnte das geschehen? Marie suchte die ganze Tapete ab, aber nirgends war die Mütze zu sehen. „Nanuk, wo hast du denn deine Mütze gelassen? Es ist viel zu kalt, ohne Kopfbedeckung herumzulaufen. Auch für einen Eisbären!“, rief sie aus. Nanuk schüttelte traurig den Kopf. „Weiß nicht, hab ich wohl auf dem Schulweg verloren“, meinte er. Marie überlegte einen Moment. Sie schaltete ihre Nachttischlampe mit den vier Feen auf dem Lampenschirm an, sprang aus dem Bett und öffnete ihren bunten Schulranzen. Mit geübter Hand fand sie, was sie suchte. Sie zog ihre Federtasche heraus und in wenigen Minuten malte sie ihrem Bärenfreund Nanuk eine neue Mütze. Zufrieden besah sich Marie einen Augenblick später ihr Werk. Ein paar Ohrenschützer waren auch noch dazugekommen. „Ich will mich ja nicht loben, aber die sieht jetzt fast noch hübscher aus, als die Alte. Nun verlier sie nicht wieder“, sagte sie. Schnell holte sie einen Spiegel aus der Kommode und hielt ihn Nanuk vor. „Geil“, rief der spontan aus. „Danke, Marie. Hast was gut bei mir. Meine Mama hätte bestimmt geschimpft, wenn sie mich morgen früh ohne Mütze gesehen hätte.“ „Nicht der Rede wert. Wir sind doch Freunde!“, lachte Marie. Sie packte schnell ihre Federtasche wieder in den Schulranzen, wünschte Nanuk eine gute Nacht und löschte das Licht. Ein paar Minuten später schlief sie tief und fest.

Der Mond war aufgegangen und blickte zärtlich auf Marie herab. „Lieber Mond“, sagte Nanuk, „ich möchte mich bei Marie bedanken. Kannst du mir nicht helfen? Sie wünscht sich so sehr, den Axel richtig springen zu können.“ Der Mond war nicht von gestern und hatte das Dilemma schon lange mitbekommen. „Es ist im Grunde gar nicht so wichtig, ob sie ihn springen kann. Wichtig allein ist ihr gutes Herz, und das hat sie gerade bewiesen. Als sie dir eine neue Mütze gemalt hatte, war der vermaledeite Sprung völlig vergessen. Vielleicht springt sie ihn leichter, wenn sie ihn nicht mehr so wichtig nimmt. Außerdem ist sie doch noch viel zu klein. In ein paar Jahren, wenn sie mit ihrer Trainerin fleißig geübt hat, lacht sie darüber. Dann wird sie ihn in der einfachen Form sicher stehen und bereits doppelt beginnen.“ Nanuk stöhnte auf.
„Heißt das etwa, dass alles in zwei oder drei Jahren wieder von vorne anfängt, weil sie die Sprünge dann alle mit mehreren Umdrehungen versuchen wird? Oh, nein. Das würde mir das Herz brechen. Dann sehe ich sie ja nur noch weinen. Lieber Mond, sag, dass das nicht wahr ist!“, rief Nanuk verzweifelt. Er mochte Marie so sehr und konnte es nicht ertragen, wenn seine kleine Freundin traurig war. Der Mond atmete laut aus.
„Doch, Nanuk. Das hat aber nichts mit dem Eiskunstlaufen zu tun. Das ganze Leben ist eine ständige Herausforderung. Kaum hat man etwas geschafft, kommt schon die nächste Aufgabe. Noch geht Marie zur Schule. Sie muss Klassenarbeiten schreiben und irgendwann steht die Prüfung zum Abitur an. Aber auch danach kann sie sich nicht ausruhen. Sie will vielleicht studieren und muss einen Beruf lernen. Natürlich findet sie auch einen Mann und heiratet. Sie bekommen Kinder, ja Nanuk, das Karussell des Lebens dreht sich immer weiter. Marie braucht etwas, das ihr hilft, auch in schwierigen Augenblicken nicht den Mut zu verlieren und wieder neue Hoffnung zu schöpfen.“ „Ja, Mond, aber was?“ Nanuk schluchzte nun auch.

Plötzlich wurde es ganz hell im Kinderzimmer. Vier wunderschöne Feen lösten sich vom Lampenschirm und tanzten in ihren langen wallenden Kleidern durch den Raum. Sie hielten Zauberstäbe in der Hand und sangen. Nanuk konnte das Lied erst nicht verstehen, aber dann wurde der liebliche Feengesang deutlicher.
„Ein Talismann für die kleine Eisprinzessin macht vergessen allen Kummer und alle Tränen! Mit einem Talismann wird sie alle Sprünge irgendwann sicher stehen“, tönten die vier Stimmen. Jede Fee nahm ihren Zauberstab und zog glitzernde Kreise durch die Luft. Das durchsichtige Bild eines kleinen goldenen Eisbären an einer ebenso goldenen Kette erschien ganz kurz in der Mitte des Zimmers. Eine Fee nach der anderen segnete das Bild und die schlafende Marie:
„Glück und Gesundheit“, rief diejenige, die ein hellblaues Kleid trug. „Ein reines Herz und reichlich Verstand“, die zweite, im gelben Kleid. „Mut und Kraft“, sang die dritte, ganz in Rot gekleidet. „Leichtigkeit und Fröhlichkeit, Hoffnung, Vergessen und Verzeihen“, sang die letzte Fee, die in ihrem schneeweißen Ballkleid zu Marie hinüberflog und ihr einen Kuss auf die Wangen hauchte.
„Du wirst eines Tages eine schöne und erfolgreiche Eisprinzessin sein, kleine Marie. Nimm und trag deinen goldenen Eisbären bei jedem Wettkampf um den Hals. Er wird dich nicht nur beschützen, sondern immer daran erinnern, dass es Wichtigeres im Leben gibt, als einen sportlichen Sieg, wenn es mal nicht so gut läuft. Eine warme Mütze im Winter ist mehr wert, als eine Goldmedaille, denn die hält dich nicht warm. Aber du wirst bei deinem Ehrgeiz auch genug Medaillen bekommen, warte es nur ab und übe fleißig weiter. Die Voraussetzungen dafür bringst du selber mit, und alles, was du sonst noch brauchst, hast du jetzt von uns bekommen. Auf Wiedersehen, kleine Prinzessin Marie!“ „Auf Wiedersehen, Marie“, riefen auch die anderen drei Feen und flogen eine nach der anderen wieder in den Lampenschirm. Nanuk staunte. „Und wo bekommen wir jetzt einen goldenen Eisbären an der Kette her?“, fragte er den Mond. „Warte es nur ab, und nun schlafe, Nanuk, mit der warmen Mütze!“, antwortete der und zog sich wieder an den Sternenhimmel zurück.

Als Marie am nächsten Morgen aufwachte, dachte sie an ihren Traum. Nanuk fiel ihr ein, die fehlende Mütze und da waren noch der Mond und die vier Feen von ihrem Lampenschirm gewesen. Sie blickte zur Tapete. Nanuk lachte sie in seiner neuen gemalten Mütze fröhlich an. Sie wollte gerade aufstehen, da sah sie ein kleines Päckchen auf ihrem Nachttischchen. Daneben lag eine Karte. Verwundert las Marie von den Gaben, die ihr die vier Feen während ihres Schlafes geschenkt hatten. Aufgeregt, mit zitternden Händen, öffnete sie ganz vorsichtig das Päckchen. Ein kleiner goldener Eisbär an einer ebenso goldenen Kette lag darin. Marie konnte kaum sprechen. Sie schaute auf Nanuk. Die beiden Bären hatten etwas Ähnlichkeit miteinander. Aber, das war doch alles nur ein Traum gewesen?
„Marie, Schätzchen, du musst zur Schule. Aufstehen!“, rief ihre Mutter plötzlich und stand im Zimmer. „Mama, schau mal, was die Feen und Nanuk mir geschenkt haben!“ Marie schaute ihre Mutter fassungslos an. Die lächelte vielsagend. „Dann wollen wir dir mal deinen neuen Talismann um den Hals binden. Pass gut auf ihn auf. Er wird dich auf allen deinen Wegen begleiten und sich mit dir freuen, wenn du dich freust, und dich trösten, wenn’s mal nicht so läuft. Denke dann einfach immer an Nanuks Mütze“, lachte die Mutter.
Marie trug ihren Talismann später bei jedem Wettkampf, den sie bestritt. Bevor sie auf die Eisbahn lief, rieb sie Nanuk und küsste ihn. Sie wusste, er war immer bei ihr. Wenn sie gewann und aufs Siegertreppchen steigen durfte, freute sie sich und bedankte sich. Leider gab es, wie überall und immer im Leben, auch für Marie Momente, da klappte gar nichts und sie hätte sich am liebsten ins nächste Mauseloch verkrochen. Dann lachte sie nur, dachte an ihre Malstunde auf der Tapete, an die Worte der letzten Fee und dachte: Axel hin, Axel her, es gibt wirklich Schlimmeres, als einen Sprung zu versemmeln! – Ein Eisbär ohne Mütze!

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