Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

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Tarancalime
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Tarancalime » Mi 27. Feb 2019, 21:03

Peter Naber hat geschrieben:
Di 26. Feb 2019, 19:28
Karl-Heinz, Du hast das Problem ganz gut beschrieben. Seit ich dieses Thema aufgemacht habe, beschäftige ich mich mit den dazugehörigen Fragen, weil wir ja selbst betroffen sind. Es ist wie der berühmte Tunnel, nur das Licht am Ende sehe ich nicht, und hier würde ich gern schreiben "noch nicht", aber es gibt keinen Impuls, der das rechtfertigen würde.

Was oder wen meinst Du mit der "Basis der DEU", wo sich nichts bewegt? Ich denke nur die DEU an der Spitze ist in der Lage etwas zu verändern. Setzt aber den oder die richtigen Personen voraus. Was kann man an der Basis tun?
Leute wählen in den Vereinen, denen der Eiskunstlauf am Herzen liegt und nicht Ego-Profilierung, die MGVs der Vereine aufmischen mit konstruktiven Vorschlägen und Ideen. Mit den Trainern zusammenarbeiten und Teamwork bei den Trainern anregen und unterstützen. Das auch als aktives Mitglied wahrnehmen und wertschätzen. Da könnten erwachsene Breitensportler durchaus eine Rolle spielen.....da immer mehr Erwachsene aktiv trainieren, fordert das auch von den Trainern einiges an Umstellungen. Das fällt mir jetzt spontan so ein, wenn ich mir meine Vereine so ansehe....beispielsweise habe ich in den letzten Wochen das Learn to Skate Programm übersetzt und unter die Leute gebracht, wenn wir uns über Lernmethoden und Trainingsmethoden austauschten.

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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » Mi 27. Feb 2019, 22:22

Peter Naber hat geschrieben:
Di 26. Feb 2019, 19:28
Was oder wen meinst Du mit der "Basis der DEU", wo sich nichts bewegt? Ich denke nur die DEU an der Spitze ist in der Lage etwas zu verändern. Setzt aber den oder die richtigen Personen voraus. Was kann man an der Basis tun?
Tarancalime hat da schon die richtigen Ansätze aufgezeigt. Von oben wird das nicht gehen, das verrät schon ein Blick auf die Strukturen. Mitglieder in der DEU werden nur die Landesverbände. Auf der Mitgliederversammlung werden sie durch die Funktionäre vertreten, je größer der Landesverband, je größer sein Stimmanteil. Diese Funktionäre aus den Landesverbänden bestimmen dann den Kurs der DEU. Da wir ja in Deutschland noch im Zeitalter der Kleinstaaterei leben und 16 Landesfürsten für sich bestimmen wollen, wir erlebten das gerade im Bildungsbereich, werden sie kaum Regelungen zustimmen, die ihre Kompetenzen beschneiden, oder die ihnen gar einen Bundesstützpunkt wegnehmen will. Teufelszeug. Bei den Landesverbänden ist die Lage ähnlich. Ich habe mir nur die Berliner Satzung angeschaut, in den anderen Ländern wird es aber nicht anders sein. Mitglied des Landesverbandes können nur Vereine werden. Die werden auf den Mitgliederversammlungen durch Vorstandsmitglieder vertreten. Auf allen Ebenen stimmen als Funktionäre ab. Das man dort eher für den Erhalt alter Prfünde stimmt, dürfte aber nicht überraschen. Irgendwo hatte der scheidende Sportdirektor ja angesprochen, das es nur gemeinsam mit den Ländern geht. Von "oben" wird sich nichts ändern. Selbst wenn sich der Vorstand jetzt dazu durchringen würde einen jungen Revolutionär zum Sportdirektor zu machen, würde sich nichts ändern. Der würde im alltäglichen Kampf mit dem Vorstand und den Landesverbänden zerrieben werden.
Es geht nur so, wie Tarancalime es sagt. In den Vereinen müssen die Erneuerer die Oberhand gewinnen und dann mit neuen und unverbrauchten Funktionären ihre Landesverbände aufmischen und die dann wieder die DEU. Das ist aber ein sehr langer und steiniger Weg und ich befürchte, diese Zeit hat der deutsche Eiskunstlauf - jedenfalls als Spitzensport - nicht mehr.

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Tarancalime
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Tarancalime » Mi 27. Feb 2019, 23:07

Karl-Heinz Krebs hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 22:22
Peter Naber hat geschrieben:
Di 26. Feb 2019, 19:28
Was oder wen meinst Du mit der "Basis der DEU", wo sich nichts bewegt? Ich denke nur die DEU an der Spitze ist in der Lage etwas zu verändern. Setzt aber den oder die richtigen Personen voraus. Was kann man an der Basis tun?
Tarancalime hat da schon die richtigen Ansätze aufgezeigt. Von oben wird das nicht gehen, das verrät schon ein Blick auf die Strukturen. Mitglieder in der DEU werden nur die Landesverbände. Auf der Mitgliederversammlung werden sie durch die Funktionäre vertreten, je größer der Landesverband, je größer sein Stimmanteil. Diese Funktionäre aus den Landesverbänden bestimmen dann den Kurs der DEU. Da wir ja in Deutschland noch im Zeitalter der Kleinstaaterei leben und 16 Landesfürsten für sich bestimmen wollen, wir erlebten das gerade im Bildungsbereich, werden sie kaum Regelungen zustimmen, die ihre Kompetenzen beschneiden, oder die ihnen gar einen Bundesstützpunkt wegnehmen will. Teufelszeug. Bei den Landesverbänden ist die Lage ähnlich. Ich habe mir nur die Berliner Satzung angeschaut, in den anderen Ländern wird es aber nicht anders sein. Mitglied des Landesverbandes können nur Vereine werden. Die werden auf den Mitgliederversammlungen durch Vorstandsmitglieder vertreten. Auf allen Ebenen stimmen als Funktionäre ab. Das man dort eher für den Erhalt alter Prfünde stimmt, dürfte aber nicht überraschen. Irgendwo hatte der scheidende Sportdirektor ja angesprochen, das es nur gemeinsam mit den Ländern geht. Von "oben" wird sich nichts ändern. Selbst wenn sich der Vorstand jetzt dazu durchringen würde einen jungen Revolutionär zum Sportdirektor zu machen, würde sich nichts ändern. Der würde im alltäglichen Kampf mit dem Vorstand und den Landesverbänden zerrieben werden.
Es geht nur so, wie Tarancalime es sagt. In den Vereinen müssen die Erneuerer die Oberhand gewinnen und dann mit neuen und unverbrauchten Funktionären ihre Landesverbände aufmischen und die dann wieder die DEU. Das ist aber ein sehr langer und steiniger Weg und ich befürchte, diese Zeit hat der deutsche Eiskunstlauf - jedenfalls als Spitzensport - nicht mehr.
Das mit dem langen und steinigen Weg...da kommen mir immer die 3 Frösche im Milcheimer ins Gedächtnis. Einer von denen strampelt so lange mit den Beinen bis er die ganze Milch zu Butter geschlagen hat und er aus dem Eimer heraushüpfen kann. Die anderen, die aufgeben, ertrinken in der Milch.......

Die Erneuerung müsste idealerweise von unten und von oben einigermaßen gleichzeitig erfolgen und vor allem....sie müsste mal ANFANGEN. Ob wir dann Spitzensport im herkömmlichen Sinne bekommen oder doch was ganz anderes, das wird sich zeigen.......

Ich sage das deshalb, weil bei der Ski WM in Seefeld gerade eben eine fette Doping-Razzia gemeldet wurde....

Katrin
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Katrin » Mi 27. Feb 2019, 23:56

Der Vergleich mit dem Frosch hinkt....wenn es nun keine Milch gewesen wäre, sondern Wasser ?
Heisst: Man sollte sehr genau wissen was hilft, sonst strampelt man sich zu Tode.

Irgendwann wird das System Deutscher Eiskunstlauf-Spitzensport ganz in sich zusammenbrechen, es ist schon sehr aufgebläht, eine schöngefärbte Blase, Savchenko/ Massot waren der einzige Lichtblick, der ist nun aus und es wird sehr dunkel. Wie Gasti erwähnt, sind viele der deutschen Kadersportler unter der Norm geblieben in dieser Saison.

Bin immer noch der Meinung, man sollte sich an der Qualität der japanischen Trainer orientieren, die - und das ist entscheidend - in der Breite des gesamten Landes sehr gute Basisausbildung machen, vom ersten Schritt des Kindes aufs Eis an. Auf guten skating skills kann aufgebaut werden, da sind Dreifache einfach.

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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von DuCiel » Do 28. Feb 2019, 02:42

Tarancalime hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 23:07
Die Erneuerung müsste idealerweise von unten und von oben einigermaßen gleichzeitig erfolgen und vor allem....sie müsste mal ANFANGEN. Ob wir dann Spitzensport im herkömmlichen Sinne bekommen oder doch was ganz anderes, das wird sich zeigen.......
Tscha ... müsste, sollte, könnte, dürfte. Wer, wo, wie und wann. Das klingt wie der Ruf nach einem Heilsbringer. Lässt sich das ohne Sarkasmus noch aushalten? Ich würde mal sagen, dass die Strukturen bei den Entscheidungsträgern überall die Gleichen sind: Filz, Vetternwirtschaft, Skandale, Korruption etc. Machen wir uns nichts vor, das läuft überall in der Gesellschaft parallel, unser Mikrothema Eiskunstlaufverband hängt da einfach nur symptomatisch mit dran. Das könnte sich so lange zuspitzen, bis eine irgend eine Art von Umsturz stattfindet. Und da Umstürzler auch nicht klüger sind und sich gegenseitig in die Haare kriegen, könnte es eine Auseinandersetzung mit der Keule geben, noch bevor sich 12-jährige bei Fünffachdrehungen selbst alle Knochen brechen (eine Rückbesinnung scheint undenkbar, wie der tausendfach beschriebene dekadente Gang der Geschichte lehrt, insbesondere hierzulande als Teil eines Kontinents, auf dem es schon immer am meisten gekracht hat). Auch mit einer Lichtgestalt vom Jesus-, ähem Aljona-Typ wird's schwierig - einziger Lichtblick: die Statistik, sofern man sich auf deren Maximalabweichungen konzentriert.

Nebenbei, die Russen werden wohl auch bald ernste Probleme bekommen und den Zaren auf den Plan rufen. Wenn man sich da die Blogs durchliest ... Junge, Junge, da hagelt es Begrifflichkeiten, die habe ich nie gelernt und muss sie mir erst translatieren lassen :lol: ... Und fernöstliche Symbolik ist mir völlig fremd. Japan beispielsweise steckt jedenfalls enorme Ressourcen in Dinge, die von Fukushima ablenken.

Diese Dinge werden sich ändern, mit oder ohne Leidensdruck, so oder so. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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Tarancalime
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Tarancalime » Do 28. Feb 2019, 09:58

Katrin hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 23:56
Der Vergleich mit dem Frosch hinkt....wenn es nun keine Milch gewesen wäre, sondern Wasser ?
Heisst: Man sollte sehr genau wissen was hilft, sonst strampelt man sich zu Tode.

Irgendwann wird das System Deutscher Eiskunstlauf-Spitzensport ganz in sich zusammenbrechen, es ist schon sehr aufgebläht, eine schöngefärbte Blase, Savchenko/ Massot waren der einzige Lichtblick, der ist nun aus und es wird sehr dunkel. Wie Gasti erwähnt, sind viele der deutschen Kadersportler unter der Norm geblieben in dieser Saison.

Bin immer noch der Meinung, man sollte sich an der Qualität der japanischen Trainer orientieren, die - und das ist entscheidend - in der Breite des gesamten Landes sehr gute Basisausbildung machen, vom ersten Schritt des Kindes aufs Eis an. Auf guten skating skills kann aufgebaut werden, da sind Dreifache einfach.
Ich kenne das Gleichnis eben mit der Milch.

Ich würde mal ehrlich gesagt gern mal das japanische Eiskunstlaufsystem genauer analysieren. Irgendjemand hier einen japanischen Bekannten, den man ausquetschen könnte. Für Kanada ists kein problem, das mach ich schon ;-)))

Und absolut zutreffend, auf guten Skating Skills "Eislauffähigkeiten" kann man alles aufbauen. Auch gute Breitensportler, die mit Spass bei der Sache sind.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/sp ... .4332511-2

Geht zwar um Fussballvereine, aber das Problem ist unabhängig von der Sportart, die im Verein betrieben wird.

Einzige Einschränkung, im Eiskunstlaufen wird im Gegensatz zum Fußball sich früher für den Leistungssport entschieden, weil der Sport an sich so komplex ist, aber andererseits gibt es ja Kevin van der Perren ;-)

Ich gehe heute Richtung Troisdorf zu Kat's Skate Club...ich werde drüber berichten! Das wird bestimmt sehr interessant werden. Diese "schnittstellen" zwischen Profieiskunstlauf, Show und Breitensport sind eh sehr spannend.

Man muss auch einfach Wege finden aus dieser Frustrations-Endlosschleife rauszukommen und da heissts, so hab ich das im Life/Work Planning nach Richard Nelson Bolles gelernt: U.a. Schnittstellen anschauen......wo tut sich was. Wissenschaftler schauen, als Vergleich wenn sie was über Erdbeben und Erdkruste lernen wollen immer auf die Ränder, wo die Kontinentalplatten zusammenstoßen......wo es die Erdbeben und die Vulkanausbrüche gibt, nicht in die bequeme Mitte wo nix passiert....;-)

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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Tarancalime » Do 28. Feb 2019, 10:19

DuCiel hat geschrieben:
Do 28. Feb 2019, 02:42
Tarancalime hat geschrieben:
Mi 27. Feb 2019, 23:07
Die Erneuerung müsste idealerweise von unten und von oben einigermaßen gleichzeitig erfolgen und vor allem....sie müsste mal ANFANGEN. Ob wir dann Spitzensport im herkömmlichen Sinne bekommen oder doch was ganz anderes, das wird sich zeigen.......
Tscha ... müsste, sollte, könnte, dürfte. Wer, wo, wie und wann. Das klingt wie der Ruf nach einem Heilsbringer. Lässt sich das ohne Sarkasmus noch aushalten? Ich würde mal sagen, dass die Strukturen bei den Entscheidungsträgern überall die Gleichen sind: Filz, Vetternwirtschaft, Skandale, Korruption etc. Machen wir uns nichts vor, das läuft überall in der Gesellschaft parallel, unser Mikrothema Eiskunstlaufverband hängt da einfach nur symptomatisch mit dran. Das könnte sich so lange zuspitzen, bis eine irgend eine Art von Umsturz stattfindet. Und da Umstürzler auch nicht klüger sind und sich gegenseitig in die Haare kriegen, könnte es eine Auseinandersetzung mit der Keule geben, noch bevor sich 12-jährige bei Fünffachdrehungen selbst alle Knochen brechen (eine Rückbesinnung scheint undenkbar, wie der tausendfach beschriebene dekadente Gang der Geschichte lehrt, insbesondere hierzulande als Teil eines Kontinents, auf dem es schon immer am meisten gekracht hat). Auch mit einer Lichtgestalt vom Jesus-, ähem Aljona-Typ wird's schwierig - einziger Lichtblick: die Statistik, sofern man sich auf deren Maximalabweichungen konzentriert.

Nebenbei, die Russen werden wohl auch bald ernste Probleme bekommen und den Zaren auf den Plan rufen. Wenn man sich da die Blogs durchliest ... Junge, Junge, da hagelt es Begrifflichkeiten, die habe ich nie gelernt und muss sie mir erst translatieren lassen :lol: ... Und fernöstliche Symbolik ist mir völlig fremd. Japan beispielsweise steckt jedenfalls enorme Ressourcen in Dinge, die von Fukushima ablenken.

Diese Dinge werden sich ändern, mit oder ohne Leidensdruck, so oder so. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Nö, nem Heilsbringer will ich damit nicht das Wort reden. Das ist ja gerade der Irrtum, dem viele imemr noch aufsitzen: Die wollen immer eine autoritäre Person, die alles für sie regelt. Aber das hat noch nirgendwo auf der Welt funktioniert!

Das komplexe, sich selbst organisierende Systeme als solche zu betrachten und zu analysieren sind nach dynamischen und nicht nach linearen Regeln, stellt z.B. die Weltwirtschaft fest, wo bestimmte Ökonomen immer noch und mit allen Ernstes lineare Systeme bei der Entwicklung der Börsenkurse anlegen oder ewig dieselben, längst überholten Gegensätze diskutieren, weil sie nichts anderen kennen!

Ich kann leider auch kein Russisch, um was gehts denn da genau und was für Begrifflichkeiten geht es denn in den Blogs? Schon alleine, das ein falsch übersetzter Bericht aus Montreal über Medjedewa zu Verwerfungen beim Verband in Russland Anlass gibt, lässt ja schon tief blicken...oder dieses angebliche Angebot von Lukaschenko, russische Sportler für Weissrussland starten zu lassen, weil Lukaschenko ja so dicke mit Putin ist. Da sag ich nur, mit autoritären Politikern vom Schlage eines Putin sollte man grundsätzlich sehr vorsichtig sein.

Katrin
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Katrin » Do 28. Feb 2019, 10:42

Doch, es muss ein Heilsbringer her: Von oben, einer mit Idealen.
Man muss Macht haben, um was verändern zu können.
Einige, die sich im Hyde Park/ London auf eine Kiste stellen und reden haben sehr gute Ideen, nur: Keine Macht. So wie wir hier alle im Forum, das ist nur Gemecker, und das bewirkt im Endeffekt nichts.

Je mehr Mitsprache drin ist im System, umso weniger bewegt sich was, umso mehr kommen Eigeninteressen ins Spiel. Daher eine straffe Führung, ein straffes Konzept von oben ist notwendig. Damit es dazu kommt, brauchts noch ein tieferes Tal, ne richtige Bauchlandung des Deutschen Eiskunstlaufs.

Mein angesprochenes japanisches Modell der JSF ist, wenn man so will, totalitär geführt: Siehe Hanyu: Er hatte einen Kindheitstrainer, eine Jugendtrainerin, dann ging er nach Kanada für den Endschliff.
Das geht nur in einer Gesellschaftsstruktur wie Japan, wo ein Trainer seinen Edelstein auch hergibt. Und es muss von oben angeordnet werden, wohin er geht. Das darf nicht in privater Eigenentscheidung des Sportlers gemacht werden wie in Deutschland, auch nicht der Inhalt des Trainings. Beispiel: Keine Dreifachsprünge, wenn es an den grundsätzlichen skating skills = an der Grund-Körperhaltung fehlt.

Muss im Rückblick sagen, das System der ehemaligen DDR betreffend Eiskunstlauf-Leistungssport einfach auf den Müll werfen war äusserst fahrlässig.

maja.
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von maja. » Do 28. Feb 2019, 13:44

Katrin hat geschrieben:
Do 28. Feb 2019, 10:42
Muss im Rückblick sagen, das System der ehemaligen DDR betreffend Eiskunstlauf-Leistungssport einfach auf den Müll werfen war äusserst fahrlässig.
Ich glaube nicht, dass das unbedingt DDR-typisch war. Fakt ist, dass vor mittlerweile 30Jahren generell eine andere Erziehung üblich war, wenn man das mal so nennen will. Hüben wie drüben.
Und dort fängt es ja an. Ich will damit nicht sagen, dass ich mir eine/diese autoritäre Erziehung zurück wünsche. Heute sieht der Alltag unserer Kinder ganz anders aus. Überhaupt nicht vergleichbar. Die Freizeitbeschäftigung soll Spaß machen, wem kann man das verübeln.
Jeder kleine 8jährige Fußballspieler im Verein träumt doch davon mal ein Ronaldo zu werden. Und? Er wird es nicht, hatte aber verdammt viel Spaß seine ganze Kindheit lang. Das wünschen sich seine Eltern für ihn ebenfalls und erschwinglich ist es auch.
Und so geht vielleicht auch manch ein zukünftiger Kufenkünstler ran. Man will doch nicht seinem Kind ausschließlich Eislauftraining täglich von ....bis ....zumuten, so dass kein Freiraum für jegliche andere Aktivitäten bleibt. FREUNDE wäre da so ein Stichwort. Und irgendwo hier liegt der Unterschied zu den Russen oder den Japanern. Deren System würde bei uns möglicherweise nicht funktionieren. Weil wir und unsere Kinder gar nicht gewillt sind, ein solches Maß an "Qual" auf uns zu nehmen. Wieso sollte man auch Eiskunstlaufweltmeister werden wollen, die Sportart kennt nicht mal jeder. Jaa, Fußballgott - das ist was anderes, da weiß jeder kleine Knirps Bescheid.
Der Ehrgeiz ist auf der Strecke geblieben. Ich finde, dass ist so ein ganz allgemeines Phänomen unserer Zeit. Es wird der bequemste Weg gewählt.
Damit will ich den fleißig trainierenden Nachwuchsläufern nicht ihre Leistung absprechen, auf keinen Fall.

Ich denke, ein wichtiger Schritt wäre eine höhere Medienpräsenz. Damit fänden sich sicher nach und nach Sponsoren. Denn da kann mir keiner was erzählen: Ohne Moos nix los. Und es würde zu einer höheren Akzeptanz dieser Sportart führen, raus aus der Nische. Auch das, ein riesengroßer Unterschied zu Ländern wie Japan, Russland oder Kanada.

Aber wie @Katrin schon sagt, wir können zwar meckern, aber helfen wird das wohl nicht.

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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Tarancalime » Fr 1. Mär 2019, 12:53

maja. hat geschrieben:
Do 28. Feb 2019, 13:44
Katrin hat geschrieben:
Do 28. Feb 2019, 10:42
Muss im Rückblick sagen, das System der ehemaligen DDR betreffend Eiskunstlauf-Leistungssport einfach auf den Müll werfen war äusserst fahrlässig.
Ich glaube nicht, dass das unbedingt DDR-typisch war. Fakt ist, dass vor mittlerweile 30Jahren generell eine andere Erziehung üblich war, wenn man das mal so nennen will. Hüben wie drüben.
Und dort fängt es ja an. Ich will damit nicht sagen, dass ich mir eine/diese autoritäre Erziehung zurück wünsche. Heute sieht der Alltag unserer Kinder ganz anders aus. Überhaupt nicht vergleichbar. Die Freizeitbeschäftigung soll Spaß machen, wem kann man das verübeln.
Jeder kleine 8jährige Fußballspieler im Verein träumt doch davon mal ein Ronaldo zu werden. Und? Er wird es nicht, hatte aber verdammt viel Spaß seine ganze Kindheit lang. Das wünschen sich seine Eltern für ihn ebenfalls und erschwinglich ist es auch.
Und so geht vielleicht auch manch ein zukünftiger Kufenkünstler ran. Man will doch nicht seinem Kind ausschließlich Eislauftraining täglich von ....bis ....zumuten, so dass kein Freiraum für jegliche andere Aktivitäten bleibt. FREUNDE wäre da so ein Stichwort. Und irgendwo hier liegt der Unterschied zu den Russen oder den Japanern. Deren System würde bei uns möglicherweise nicht funktionieren. Weil wir und unsere Kinder gar nicht gewillt sind, ein solches Maß an "Qual" auf uns zu nehmen. Wieso sollte man auch Eiskunstlaufweltmeister werden wollen, die Sportart kennt nicht mal jeder. Jaa, Fußballgott - das ist was anderes, da weiß jeder kleine Knirps Bescheid.
Der Ehrgeiz ist auf der Strecke geblieben. Ich finde, dass ist so ein ganz allgemeines Phänomen unserer Zeit. Es wird der bequemste Weg gewählt.
Damit will ich den fleißig trainierenden Nachwuchsläufern nicht ihre Leistung absprechen, auf keinen Fall.

Ich denke, ein wichtiger Schritt wäre eine höhere Medienpräsenz. Damit fänden sich sicher nach und nach Sponsoren. Denn da kann mir keiner was erzählen: Ohne Moos nix los. Und es würde zu einer höheren Akzeptanz dieser Sportart führen, raus aus der Nische. Auch das, ein riesengroßer Unterschied zu Ländern wie Japan, Russland oder Kanada.

Aber wie @Katrin schon sagt, wir können zwar meckern, aber helfen wird das wohl nicht.
Es gibt ein Problem mit den Sponsoren für Talente, die im Verein laufen.....keine Privatperson darf ein Vereinsmitglied persönlich sponsern. Das verbietet hierzulande das Vereinsgesetz. Das müsste dringend geändert werden, denn überall anderswo ist das kein Problem. Deswegen scheint es keine Sponsoren für Talente zu geben, aber das liegt tatsächlich nur an diesem veralteten Paragrafen. Ich werde mal versuchen einen Anwalt für Vereinsrecht aufzutreiben, der einem sagen kann, wie man dieses Gesetz ändern kann, das zumindestens diese juristische Hürde nicht mehr besteht in der Zukunft.

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