Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Katrin
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Katrin »

Auf jeden Fall ist das System in Russland anders, viel Geld wird hineingepumpt.
Zudem ist es auch das Ansehen, dass Eiskunstlauf in Russland geniesst, Eltern und Kinder nehmen viel mehr auf sich, um ins Rampenlicht treten zu können, berühmt zu werden, vielleicht gehts uns schon in Deutschland dazu zu gut.

Welche Eltern wollen in Deutschland umziehen (Wohnung aufgeben oder Haus verkaufen, neue Arbeitsstelle suchen, Verwandte und Freunde zurücklassen), damit ihr Kind an dem Bundesleistungsstützpunkt trainieren kann ? Oder: Welches Kind will gern in ein Internat ? Insoweit begrüsse ich es, dass es noch 5 Stützpunkte sind.

.....

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von ..... »

Ja, aber für welchen der momentanen Stützpunkte würde sich das auch lohnen?
Und dort, wo es Internate gibt, mit so einer zweifelhaften Trainer-Auswahl und wo es nirgends einen realistischen Plan gibt, wie da Erfolg rauskommen soll, würde ich einen Teufel tun und mein Kind da hinschicken.

Es gibt andere Sportarten, da funktioniert so ein Nachwuchssystem auch in Deutschland top. Nordische Kombinierer zB. Skischanzen sprießen ja auch nicht mal eben aus dem Boden.

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Tarancalime
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Tarancalime »

Katrin hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 14:21
Auf jeden Fall ist das System in Russland anders, viel Geld wird hineingepumpt.
Zudem ist es auch das Ansehen, dass Eiskunstlauf in Russland geniesst, Eltern und Kinder nehmen viel mehr auf sich, um ins Rampenlicht treten zu können, berühmt zu werden, vielleicht gehts uns schon in Deutschland dazu zu gut.

Welche Eltern wollen in Deutschland umziehen (Wohnung aufgeben oder Haus verkaufen, neue Arbeitsstelle suchen, Verwandte und Freunde zurücklassen), damit ihr Kind an dem Bundesleistungsstützpunkt trainieren kann ? Oder: Welches Kind will gern in ein Internat ? Insoweit begrüsse ich es, dass es noch 5 Stützpunkte sind.
Zu gut trifft es glaube ich nicht ganz. Es ist nur einfach so, dass es in Deutschland einfach mehr Möglichkeiten gibt, beruflich etc. zu leben, sich zu verwirklichen und Eiskunstlaufen halt nichts ist hierzulande von dem man die Brötchen und das Heizöl verdienen kann. Das ist einfach anders als in Russland. Es gibt aber auch kein ordentliches Stipendiensystem und Internatsleben hat hier auch keine richtige Kultur so wie z.B. in Großbritannien. Was auch zu bedenken ist, in Russland sind alleine schon die Distanzen so groß, dass es gar nicht anders geht mit den Stützpunkten/Zentren in großen Städten, wogegen z.B. im Ruhrgebiet schon alles eng beieinander liegt. Kanada hat auch nur 7 große Städte, aber eben eine Eissportkultur und da zockt man eben mit dem Puck und den Kufen auf dem nächsten See der zufriert. Wobei der Klimawandel auch schon Probleme verursacht, dass Natureisflächen oftmals im Winter wegen der kürzeren Auftau-/Frostzeitenintervallen nicht mehr Wochen am Stück offen sind. Da gibts auch Probleme.....

Man müsste als Dachverband eine Balance mit dem DOSB finden, der eben diese unterschiedlichen Faktoren berücksichtigt, die es nunmal gibt hierzulande, dann die erfolgreichen Systeme dahin prüfen ob man was übernehmen kann, was passt und ansonsten aus allem ein eigenes Konzept stricken das allerdings auch wirklich von allen Vereinen im Land auch umgesetzt und akzeptiert werden kann. Mir sagte kürzlich auch eine Trainerin, dass es im deutschen Eiskunstlauf an so vielen Stellen hakt, das man gar nicht weiß, wo anfangen. Auch eine Problematik, solange nur der Berg vor einem steht, hat man so gar keinen Bock da ganz raufzukraxeln.

Das mit den Kindern in den Vereinen und LLZ ist ja schon interessant. Blöd ist daran wirklich, dass potentielle Talente, die nicht in der Nähe einer Eissporthalle wohnen, niemals eine Chance bekommen oder es probieren können ob Eiskunstlaufen was für sie ist..:-( Weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich hätte statt des örtlichen Turnvereins auch lieber einen Eiskunstlaufverein als Kind besucht.

Gasti

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gasti »

Tarancalime hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 16:12
Katrin hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 14:21
Das mit den Kindern in den Vereinen und LLZ ist ja schon interessant. Blöd ist daran wirklich, dass potentielle Talente, die nicht in der Nähe einer Eissporthalle wohnen, niemals eine Chance bekommen oder es probieren können ob Eiskunstlaufen was für sie ist..:-( Weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich hätte statt des örtlichen Turnvereins auch lieber einen Eiskunstlaufverein als Kind besucht.
Bei dem Thema LLZ geht es nicht um ausprobieren. Dafür reicht auch Vereinstraining 1-2 mal pro Woche - Stichwort Breitensport.

Es geht um die Kinder und deren Eltern, die sich für Eiskunstlauf als Leistungssport entschieden haben und sind bereit, jeden Tag 2 Stunden zu trainieren - Stichwort Leistungssport.

Das kann man nur in der Stadt, wo LLZ gibt.

Und ich kenne viele Familien, die wegen Eiskunstlauf umgezogen sind.
Und andere werden Umzugsmöglichkeiten in Betracht ziehen, wenn sie wissen, dass es am anderen Standort die guten Perspektiven (Trainer, Eis etc) für den Sportler gibt.

Welche Spitzensportler haben die 5 Bundesstützpunkte in den letzten Jahren "produziert"?
Da lohnt sich Umzug einfach nicht.

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Tarancalime
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Tarancalime »

Gasti hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 17:30
Tarancalime hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 16:12
Katrin hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 14:21
Das mit den Kindern in den Vereinen und LLZ ist ja schon interessant. Blöd ist daran wirklich, dass potentielle Talente, die nicht in der Nähe einer Eissporthalle wohnen, niemals eine Chance bekommen oder es probieren können ob Eiskunstlaufen was für sie ist..:-( Weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich hätte statt des örtlichen Turnvereins auch lieber einen Eiskunstlaufverein als Kind besucht.
Bei dem Thema LLZ geht es nicht um ausprobieren. Dafür reicht auch Vereinstraining 1-2 mal pro Woche - Stichwort Breitensport.

Es geht um die Kinder und deren Eltern, die sich für Eiskunstlauf als Leistungssport entschieden haben und sind bereit, jeden Tag 2 Stunden zu trainieren - Stichwort Leistungssport.

Das kann man nur in der Stadt, wo LLZ gibt.

Und ich kenne viele Familien, die wegen Eiskunstlauf umgezogen sind.
Und andere werden Umzugsmöglichkeiten in Betracht ziehen, wenn sie wissen, dass es am anderen Standort die guten Perspektiven (Trainer, Eis etc) für den Sportler gibt.

Welche Spitzensportler haben die 5 Bundesstützpunkte in den letzten Jahren "produziert"?
Da lohnt sich Umzug einfach nicht.
Das ordentlich zu sortieren, da hast du natürlich auf jeden Fall recht. Das erfordert auch schlicht und einfach Professionalität im Umgang miteinander. Am Ende profitieren davon alle. Alle Sportler mögen es, professionell betreut zu werden. Das hatten wir aber auch schon in der Diskussion, das viele Eltern oft gar nicht so recht wissen, wie das ist angehende Talente mit den Trainern zusammen in den Leistungssportschiene zu bringen und zu halten. Da müsste man an so vielen Ecken auf einmal ansetzen.....

Peter Naber
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Peter Naber »

Hallo zusammen, hier ist ja zwischen einigen schon eine Diskussion entstanden mit einer Reihe von richtigen Ansätzen und Ideen, aber auch gepaart mit einem gewissen Pessimismus.

Da möchte ich kurz mal einhaken. Die Situation mit allen Fragen und Problemen ist nicht einfach mal schnell zu bewerten und zu beantworten. Zum Beispiel trainieren Kadersportler nicht nur an den 5 Standorten, Lea Johanna Dastich hat viele Jahre in Dresden trainiert bevor sie nach Mannheim gewechselt ist. Und Ann-Christin Marold war vorher in Regensburg. Und ob weniger Standorte das Eiskunstlaufen "beflügeln" und mehr Erfolg für den Sport bringen stelle ich auch in Frage.

Aber für mich geht es auch garnicht darum. Ich kann und will die Situation nicht lösen. Dafür gibt es die DEU und die Landesverbände und die Vereine, Haupt- und Ehrenamtliche. Mir geht es darum einige, besser viele, von denen die betroffen sind, zu mobilisieren um doch einen gewissen Druck von unten aufzubauen, damit die, die es betrifft wach werden, und mutig, und im richtigen Sinne motiviert auch auf neuen Wegen zu gehen. Wenn es sein muss, auch mit neuem Personal.

Und ich möchte darum bitten alles differenziert zu bewerten. Es gibt z.Bsp. viele Trainer in Deutschland die im Rahmen der Möglichkeiten einen wirklich guten Job machen.

Aljonafan

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Aljonafan »

Weder im breiten- noch leistungssport komme ich weiter, wenn ich kinder nach 7 stunden schule mit althergebrachten jutta müller methoden drille, ihnen erzähle, sie wären zu dick und nach saisonende im sommer gar nichts mache...
Auch ein leisungssport baut erst einmal auf breitensport auf. Und jaaa, diese basis ist oft zu "dick", "talentlos" und "undiszipliniert", darf aber den vereinsbeitrag bezahlen und zugucken, wie die lieblinge der trainer gefördert werden, aus denen schlussendlich doch nichts wird, sobald die pupertät einsetzt oder es streit mit dem trainer gibt, weil der erfolg und anschließend auch das training ausbleiben.
An der basis fangen die missstände doch schon an. Es gibt kaum einen sport, der mehr beinhaltet als eiskunstlaufen: ausdauer, kraft, eleganz, musikalität, schauspiel, show, kreativität, nervenstärke, im synchron auch teamgeist.... aus dem man so viel herausholen KÖNNTE. Für jedes kind.
Was wird gemacht? Sprünge bis zum Vergasen. Es ist nun wirklich kein trainerverdienst und noch lange kein kunstlauf, ein dünnes, halbwegs bewegungsaffines kind, das vielleicht noch turnt oder ballett macht, schnell zu einem doppelsprung zu bringen und damit als eisprinzesschen bei der unvermeidlichen alljährlichen vereinsgala im sinnlos teuren, am besten mit svarowski steinchen besetztem kleidchen für oma und opa, die den spass finanzieren, erstrahlen zu lassen...
Aber hackt euch nur alle weiterhin die augen gegenseitig aus, liebe trainer, eltern und vorstände!
Ich werde diesen sport weder als elternteil noch mehr als übungsleiterin in zukunft unterstützen...
Mein kind wird sicher nicht narzisstisch, depressiv und/oder essgestört nur wegen einer, letztendlich auch im leistungsbereich, freizeitbeschäftigung beim therapeuten landen.
Dafür ist mir mein kind zu wertvoll und mein geld zu schade.
Dann doch lieber etwas, was es später noch mit kommilitonen oder arbeitskollegen zusammen ausüben kann... volleyball, fussball oder so :lol:

Karl-Heinz Krebs
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Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Karl-Heinz Krebs »

@Aljonafan

Mit Deiner Wortwahl ("Vergasen") hast Du Dich selbst disqualifiziert.

Gasti

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von Gasti »

Aljonafan hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 21:49
Es gibt kaum einen sport, der mehr beinhaltet als eiskunstlaufen: ausdauer, kraft, eleganz, musikalität, schauspiel, show, kreativität, nervenstärke, im synchron auch teamgeist.... aus dem man so viel herausholen KÖNNTE. Für jedes kind.
Ich glaube nicht, dass jemand in Deutschland ernsthaft daran denkt, mit Eiskunstlauf Geld zu verdienen. Nein, daran denkt keiner. Das ist die pure Faszination für diese Sportart. :o

Diese Sportart macht auch Verrückt. Sonst kann man die Unsummen an Geldern, Zeit, Nerven und Kraft nicht erklären, die von den Familien der Sportler in desses Hobby investiert werden. Und wenn ein Kind etwas mehr kann, dann wird man noch verrückter. :1smiley:

Desto schwieriger ist es für manche Sportler und deren Eltern (oder eher für alle, die etwas weiter sind), rechtzeitig "Stop" zu sagen.

Aber solange es sich um eine private Entscheidung handelt, die Familie kann es sich leisten und die Gesundheit des Sportlers nicht gefährdet ist, ist für mich alles OK.

Wenn aber die öffentliche Interesse und staatliche Förderung im Spiel ist, dann ist es was anderes.

Mit dem Breitensport ist es ei­ni­ger­ma­ßen klar. Das ist die Sache der Vereine, Kommunen und der Länder. Hier ist das Geld das Hauptproblem . Die Eisstadien sind halt teuer, das Geld ist ein knappes Gut und der Winter in Deutschland ist kurz und und und ... :1undecided:

Wenn man aber keine große Ansprüche hat, kann man schon Eiskunstlauf in Deutschland als Hobby-Sportler betreiben.

Und das Problem mit den "Lieblingen der Trainer" gibt es, glaube ich, überall in der Sportwelt.
Jeder Trainer wird lieber ein Kind trainieren, bei dem mit weniger Aufwand mehr zu holen ist oder ist es ein Kind des Vereinssunktionärs. :mrgreen:

Mit Leistungssport ist es etwas komplizierter, da die Erfolgsfaktore vielfältiger sind: Sportler, Trainer, Trainingsmöglichkeiten etc.

Die Ziele der Leistungssportförderung sind klar definiert. Man will die Medaillen sehen :thumbup:

Hier stellt sich die Frage, ob die heutigen Strukturen auf dieses Ziel ausgerichtet sind oder eher dafür da, die Fördergelder gleichmäßig zwischen den Amtsinhabern, die sich fast wie Beamter füllen, zu verteilen.

Ist es immer noch viel subjektives im System. Und die Objektivität kann, genauso wie in anderen Bereichen des Lebens, nur ein faires Wettbewerb bringen.

Oder ist jemand hier damit einverstanden, dass mit seinem Steuergeld privates Vergnügen mancher Sportler finanziert wird, die auf der internationalen Ebene definitiv keine Medaillenchance haben?

.....

Re: Eiskunstlauf in Deutschland - Perspektiven?

Beitrag von ..... »

Ist viel Wahres dran Aljonafan.

Trainerlieblinge sind oft gerade nicht die talentiertesten oder mit der meisten Leistung. Das wäre gerecht und der Rede weniger wert.
Kind vom Vereinsfunktionär soll schon vorgekommen sein oder eben von sonstiger Lokalprominenz und anderen Leuten, von denen man sich was verspricht.
Das geht dann auch meist über den Trainer hinaus, dass einigen Lieblingskindern extra/bevorzugte Eiszeit und extra Räumlichkeiten gewährt werden etc pp.
Es gibt in anderen Sportarten eben nicht diesen Kreislauf aus gegenseitigen Gefallen, weil da immer mal andere Leute am Drücker sitzen, die Leistungskriterien offensichtlicher sind oder der Ressourcenbedarf anders, sodass das nicht in einem Kreislauf endet.

Solch eine Unprofessionalität frisst an der Substanz des Sportes. Davon ab kriegen das die nicht Lieblinge auch mit und haben es irgendwann satt. Basis erfolgreich geschmälert.

Gasti da kann man wiederholt nur zustimmen.
Logisch betrachtet muss auch an der Trainingsqualität an den Stützpunkten etwas nicht stimmen. Es gibt ja nicht 0 Nachwuchs und tatsächlich einige „deutsche top Leute“, die ihr Leben lang quasi am Stützpunkt/Verein dessen trainieren und trotzdem nichtmal in die Nähe internationaler Konkurrenzfähigkeit kommen. Dass da immer die Sportler die unbegabten sind und nicht teilweise die Trainer, Funktionäre und Stellenbesetzer wage ich zu bezweifeln.

Aber es wäre interessant, etwas über die Methoden zu erfahren.
Gibt es eigentlich in Köln einen Eiskunstlauf-basierten Studienzweig?

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