Olympia-Countdown #2: Das war Vancouver 2010!

Wir blicken zurück auf die letzten drei Olympischen Winterspiele und schauen, was sich in 12 Jahren Eiskunstlaufen alles getan hat!

Was war euer Highlight 2010?

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Henni147
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Olympia-Countdown #2: Das war Vancouver 2010!

Beitrag von Henni147 » Di 1. Aug 2017, 18:03

Es ist August und wir blicken zurück auf die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver!

Wer hat triumphiert, wo sind neue Bestmarken gepurzelt? Welche Newcomer betraten die große Olympische Bühne? Wo war richtig Feuer im Kessel? Hier meine neueste Übersicht!

Olympische Winterspiele 2010.png
Olympische Winterspiele 2010.png (1.96 MiB) 889 mal betrachtet

Hier einige Highlights aus Vancouver 2010:







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Henni147
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Re: Olympia-Countdown #2: Das war Vancouver 2010!

Beitrag von Henni147 » Di 1. Aug 2017, 19:14

In Vancouver gab es gleich eine ganze Palette kontroverser Diskussionen. Deshalb widme ich ihnen gleich mal einen eigenen Beitrag.

#1: Die Vierfachsprung-Kontroverse
Im Wettbewerb der Herren entfachte der Sieg von Evan Lysacek über Titelverteidiger Evgeni Plushenko die große "Quad-Diskussion":
"Es könne ja nicht sein, dass jemand bei der heutigen Konkurrenz ohne einen einzigen Vierfachsprung Olympiasieger wird." Anders ausgedrückt: Vierfachsprünge seien bemessen an ihrem Schwierigkeitsgrad und auch der gesundheitlichen Gefahren zu niedrig bewertet im Vergleich zu anderen technischen Elementen.

Ein interessantes Zitat von Irina Rodnina spricht eher gegen die Aufwertung von Sprungelementen:
"Evgeni hatte einen großen Vorteil - den Vierfachsprung - aber gleichzeitig gab es im Auftritt unseres Champions mehrere kleine Fehler, die nicht allen aufgefallen waren. Lysacek hingegen hatte eine Siegererscheinung, ein ausgeglichenes Programm, alle Elemente waren sinnvoll in sein Programm eingebettet, logisch. Evgeni, dies war besonders offensichtlich in der zweiten Programmhälfte, lief von Sprung zu Sprung."

Hier die beiden Kürauftritte im direkten Vergleich:

https://www.youtube.com/watch?v=XWsJz1HTMk0

Schaut man auf die heutige Herrenkonkurrenz, wo man ohne mindestens zwei oder drei verschiedene Vierfachsprünge praktisch keine Chance mehr auf Medaillen hat, bekommt die Frage nach der Wertigkeit von Sprüngen nochmal eine neue Dimension. Besonders betroffen von der Aufwertung sind künstlerisch starke Läufer wie Jason Brown oder auch die "alten Hasen" Patrick Chan und Javier Fernandez.


#2: Johnny Weir von den Punktrichtern benachteiligt?
Schon fast untergegangen neben den "Quad"-Diskussionen war die Kontroverse um den Olympia-Auftritt von Johnny Weir. Trotz zweier fehlerloser Programme belegte er nur Platz 6 in der Gesamtwertung. Es kursierten Gerüchte, Weir werde aufgrund seiner Sexualität und extrovertierter Auftritte von den Punktrichtern benachteiligt. Insbesondere das Tragen von Tierfell bei seinem Kürauftritt wurde von Tierschützern während der Winterspiele heftig kritisiert.

Hier ein Video zur umstrittenen Kür von Johnny Weir:



#3: Ingo Steuers "Ausraster" vertretbar?
Aliona Savchenko und Robin Szolkowy gewinnen Bronze in Vancouver. Nach einer persönlichen Bestleistung und Platz 2 im Kurzprogramm verstolpert Szolkowy den Doppelaxel und Savchenko springt den Toeloop nur doppelt und die beiden Paare aus China ziehen mit neuen Weltrekorden vorbei. Die anschließende Reaktion von Trainer Ingo Steuer sorgt für Aufruhr:
„Das Gold ist weg, alles andere ist egal. Ich bin sauer. Das ist so traurig, dass man das, was auf dem Tablett liegt, nicht genommen hat. Wir hätten es einfach machen müssen.“
Trotz starker Leistungen des Paares reine Enttäuschung beim Trainer.


#4: Aborigine-Tanz sorgt für Empörung bei den australischen Ureinwohnern
Höchste Punktzahl im Originaltanz und gleichzeitig die kontroverseste Performance: Oksania Domninas und Maxim Shabalins Interpretation eines Aborigine-Tanzes. Einige Oberhäupte der australischen Ureinwohner protestierten gegen den Auftritt des Eistanzpaares und bezeichneten ihn als "respektlos" - insbesondere eine Gesichtsmaskierung, die sie nach den Grand-Prix-Wettbewerben nicht weiter verwendet haben. Das Paar selbst bekräftigte, der Tanz sei keineswegs herablassend oder entwürdigend gemeint.

Hier eine Aufzeichnung des Originaltanzes:



Was meint ihr dazu? Falls euch noch weitere kritische Punkte zu den Winterspielen einfallen, die ich nicht aufgeführt habe, könnt ihr sie gerne hier ansprechen!
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QuadTwist
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Re: Olympia-Countdown #2: Das war Vancouver 2010!

Beitrag von QuadTwist » Mi 2. Aug 2017, 11:37

Ich bin immer etwas traurig, wenn ich an Olympia 2010 zurückdenke. Das vergebene Gold von Aljon und Robin war einfach blöd, zumal sie mit einer fehlerfreien Kür gewonnen hätten. Im Nachhinein war die Bewertung der Kampfrichter aber recht fair. Ich hätte mir nur gewünscht, dass Shen/Zhao nach dem Kurzprogramm nicht geführt hätten, denn das Send-in-the clowns-Programm von den Deutschen war schon der absolute Wahnsinn. Am Ende war das Bronze vielleicht sogar gar nicht schlecht, denn ggf. hätte Aljona schon 2010 aufgehört und ein anderes Leben begonnen. So ist sie nun auch ohne Gold eine laufende Legende.

Ingo hat damals so reagiert, wie man es halt von ihm erwartet. Ich denke, dass sein cholerischer Charakter ihm am Ende auch die große Trainerkarriere teilweise verbaut hat. Es scheint, dass sein Fachwissen nun nirgendwo gefragt ist. Stasi hin oder her.

Auf die Schmach von Plushenko 2010 (Silber war vollkommen gerechtfertigt) folgte ja dann 2014 auch die russische Rache mit geballter Macht. Schon erstaunlich, dass man 2010 ohne 4fachen Olympiasieger wird und 7 Jahre später allein in der letzten Gruppe 27 Quad gezeigt werden. Es gab damals so ein Loch in der Entwicklung.

Yu-Na Kims auftritt war natürlich makellos. Die Kampfrichter haben ihr die Punkte auch quasi hinterhergeschmissen. Im Nachhinein fand ich die Programme von 2013 und 2014 sogar noch besser. Mao Asada litt durch das Wertungssystem im Kurzprogramm. Man musste damals noch einen Doppelaxel als Einzelsprung zeigen. Wenn man den Dreifachen zeigen wollte, so musste man ihn in der Kombination angehen. Ein Jahr später war diese Regel hinfällig. Asada wäre unten den neues Regelungen nach dem Kurzprogramm deutlich näher dran gewesen. Zu erwähnen wäre noch die Bronzemedaille von Rochette kurz nachdem ihre Mutter verstorben war. Zugegeben wäre ihre sportliche Leistung unter heutigen Maßstäben viel weniger Wert.

Im Eistanzen empfand ich Virute und Moir als Befreiung. Sie waren jung und innovativ. Interessant wir im Eistanzen alle 4 Jahre so ein neues Weltklasse Paar den Style verändert.

Gast

Re: Olympia-Countdown #2: Das war Vancouver 2010!

Beitrag von Gast » Do 7. Sep 2017, 09:35

Ja, die besten emotionalen Momente 2010 möchte ich auch sehr gern aufschreiben.
Zuerst Der Sieg von Even Lysacek , die Goldmedaille ein Hammer, weil mal nicht nur die Sprünge zum Sieg führten. Er war im Gesamtpaket Kurzkür und Kür einen Hauch besser, und es wirkte alles sehr stimmig. Das würde mal endlich auch anerkannt. Sicher galt Pluchenko als haushoher Favorit schon auf den obersten Platz hingestellt. Wenn man heute die Videos ansieht, war seine Kür leider nicht exzellent genug. Zitat auch von Irina Rodnina.
Jetzt mein beste Erinnerung an den Wettkampf von Aljona und Robin. Die Kurzkür sehr gut, aber das Kostüm einfach to much, mit den Schminken als Clown to much in meinen Augen. Ingo Steuer hat da leider mit der Kleidung für die Beiden kein gutes Händchen gehabt. Erinner an die knallbunten Teile von einem Designer, die dann in der Saison bei jedem Wettkampf nochmal umgeschneidert waren.
Ja, der Ausraster von Steuer an der Bande und danach sein Verhalten zeigte auch , wie er einen unglaublichen Druck auf seine Schützlinge ausgeübt haben muss. Das fand ich echt nicht fair. Steuer wollte das Gold vorallem auch für sein eigenen Prestige mitnehmen, um noch mehr Geld als Trainer zu verdienen. Später hat ja Aljona die Reissleine gezogen. Das sie eine Medaille gewonnen haben, freut mich noch heute sehr!,,
Es waren sehr spannende Wettkämpfe, ich sah fast alles im TV.

Katrin
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Re: Olympia-Countdown #2: Das war Vancouver 2010!

Beitrag von Katrin » So 10. Sep 2017, 11:34

2010 war ich schon überrascht, dass Plushenko nicht gewann, sein Raubtierstil, seine Darbietung war schon ganz anders als die von Lysachek, der mir eher als hölzern vorkam.
Heute seh ichs mit mittlerweile eislaufgeschulten Augen, habe nochmal geradeeben Plushenko und Lysachek' s Kür mir angesehen:
Plushenko: Diese wandernde Achse bei seinen Sprüngen macht mir Gänsehaut, Wackler bei Sprunglandungen, nicht ganz so schöne Pirouetten, Fehler in einer Schrittkombi, wo er sich elegant abfing.
Für meinen Geschmack: Overacting, einen Tic zuviel von seiner individuellen Schaupielkunst.
Lysachek: Sichere Sprünge und Landungen, der erste 3A wie gemalt, exakt zentrierte Pirouetten mit schön gestrecktem Spielbein; nicht gefallen mir seine Arme, die er zwar im Takt der Musik, aber zu hart einsetzt.
Für meinen Geschmack: Coole Eleganz, leider etwas steif.
Eine kleine Ehrenrettung für Lysachek von wegen "kein echter Olympiasieger, weil ohne Vierfachen": Er konnte zwar damals den 4T so einigermassen, aber unter Druck in den Wettbewerben vorher kam er nicht perfekt, so dass er die sichere Variante für seine Olympia-Kür wählte und den 4T eben nicht zeigte.

Ich denke auch für heutige Masstäbe, also wenn beide heute ihre Kür nochmal zeigen würden, gilt
...um es mit einem Tennis-Fachausdruck zu benennen: "The call stands."

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