Mögliche Änderungen ab 22/23

MI's FAN
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Re: Mögliche Änderungen ab 22/23

Beitrag von MI's FAN » So 16. Feb 2020, 19:37

Über die geplanten Änderungen oder Überlegungen kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Würde man das derzeitige System richtig anwenden, da bräuchte man über so einen Quatsch nicht nachdenken.
Damit gewinnt man sicherlich keine neuen Zuschauer, vertreibt nur die langjährigen Fans.
Das wird wahrscheinlich noch schlimmer als das 6.0 System.

Ich hoffe sowas wird nicht durchgehen.

Matthias
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Re: Mögliche Änderungen ab 22/23

Beitrag von Matthias » So 16. Feb 2020, 19:53

MI's FAN hat geschrieben:
So 16. Feb 2020, 19:30
Matthias hat geschrieben:
Sa 15. Feb 2020, 23:52
Mit geht ohnehin dieser Sexismus im Eiskunstlauf auf den Sack (ganz männlich :) ). Beim Schaulaufen noch extremer als bei den Wettbewerben: Frauen immer in Kleidern oder hautengen Anzügen (oder Hotpants und anderen enganliegenden Hosen), möglichst mit langen, offenen Haaren, dann ohnehin den weißen Schuhen. Männer dagegen männlich, mit schwarzen Schuhen, Hosen. Auch der Laufstil ist in Schauläufen bei den Frauen betont "weiblich", bei den Männern "männlich", zumeist. Ich finde das äußerst langweilig und rückschrittlich. Da ist die Gesellschaft zum Glück schon weiter.
Was ist denn daran schlimm, dass Frauen weiblich und Männer männlich sein wollen. Ich mag keine Eiskunstläuferin sehen, die wie ein Mann läuft und ich möchte keinen Eiskunstläufer sehen, der wie ein Frau läuft. Frauen und Männer sind unterschiedlich. Und das ist auch OK, wenn jeder seine Stärken hervorbringt.
Die Frage ist nur, was sind "Stärken" bzw. "Schwächen" und was ist einfach gesellschaftliche Zuschreibung, Vorurteil. Dass eine junge Frau drei Quads in einem Wettbewerb springt, war nicht für möglich gehalten worden. Das war ein Vorurteil; denn es geht doch (wie Trusova zeigt). Das Vorurteil lautet: Frauen sind kleiner, daher schwächer (und früher hieß es auch noch: dümmer) als Männer. "Stärken" und "Schwächen" sind meist nichts objektiv Vorhandenes, sondern einfach Vorurteile. Jeder sollte das tun dürfen (im Eiskunstlauf), was er möchte. Es sollte keine auf Vorurteilen basierte Regeln geben.
Ok, das Auftreten à la Männchen und Weibchen bei den Schauläufen ist nichts Vorgeschriebenes. Aber es fällt doch auf, dass die alte Rollenzuschreibung dort sehr oft auftaucht. Hier gibt's bestimmt auch die "Schere im Kopf", d.h. dass die Eiskunstläufer selbst sich diesen Klischees unterwerfen, um nicht aufzufallen. Vielleicht ist auch das Publikum so konservativ - Sportfans eben, weniger Kunstfans - , dass sie mit dieser Einschätzung des Publikumsgeschmacks richtig liegen. Den allgemeinen gesellschaftlichen Kleidungs- und Verhaltensstandards entspricht das aber nicht mehr.

Karl-Heinz Krebs
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Re: Mögliche Änderungen ab 22/23

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » Mo 17. Feb 2020, 07:21

MI's FAN hat geschrieben:
So 16. Feb 2020, 19:30
Was ist denn daran schlimm, dass Frauen weiblich und Männer männlich sein wollen. Ich mag keine Eiskunstläuferin sehen, die wie ein Mann läuft und ich möchte keinen Eiskunstläufer sehen, der wie ein Frau läuft. Frauen und Männer sind unterschiedlich. Und das ist auch OK, wenn jeder seine Stärken hervorbringt.
Dann sind wir aber genau beim klassischen und längst überholten Rollenbild, dass schon im Kinderwagen geprägt wird. Mädchen werden in einer rosa Garnitur ausgefahren, Jungs in einer blauen, später müssen Mädchen mit Puppen und Jungen mit Autos spielen. Ein sensibler Junge, der auch mal seine Gefühle zeigt wird als Weichei bezeichnet oder als schwul, wobei letzteres abwertend gemeint ist. Ein Mädchen das einen handwerklichen Beruf wie Maurer erlernt wird mit der Aussage konfrontiert, dieser Beruf sei nichts für Mädchen.
Im Eiskunstlauf geht es dann weiter. Bei Stephen Gogolev und Danil Grassl wird jeder Vierfache der dazukommt gefeiert und alles wartet auf auf den ersten vierfachen Axel. Da kann gar nicht genug gesprungen werden. Auf der anderen Seite wird den Mädchen im Kurzprogramm das vierfach springen sogar verboten und obwohl außer Trusova alle anderen Mädchen weniger Vierfache im Programm haben als die besten Herren wird ihr Auftritt als Gehopse verunglimpft. Sind Jason Brown oder Kevin Aymoz etwa keine männlichen Läufer, weil sie die künstlerische Note in ihren Programmen betonen? Sind die große und kräftige Mae Berenice Meite mit ihren meist sehr sportlichen Programmen oder auch Nicole Schott, die in dieser Saison endlich mal sportlich-dynamische Programme zeigt, deshalb weniger weiblich?

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Re: Mögliche Änderungen ab 22/23

Beitrag von Astrolab » Mo 17. Feb 2020, 20:12

Die Bianchetti-Vorschläge sind ein Humbug. Wichtig wäre jetzt eine Reform der Bewertung der Komponente (vor allem die Abkopplung von der Bewertung der Sprünge) und weitere Objektivierung der Wertungen.
Das Verbot der Vierfachsprünge bei der Damen-KP muss auch weg: Es bevorzugt die Axel-Spezialistinnen.
Ich würde auch die Altersgrenze erhöhen, aber darüber haben wir bereits genug diskutiert.

Karl-Heinz Krebs
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Re: Mögliche Änderungen ab 22/23

Beitrag von Karl-Heinz Krebs » So 29. Mär 2020, 11:09

Bei den Recherchen zum heutigen Fernsehabend bin ich auf einen sehr interessanten Artikel über den Frauen-Eiskunstlauf gestoßen. Ein paar Zitate:

- Was sie mit fünfzehn auf dem Eis können, können sie mit zwanzig nicht mehr.

- Die letzte Eiskunstläuferin, der es gelang, die Grazie mit dem Erfolg zu verbinden, ist vor neun Jahren als Weltmeisterin abgetreten: die Amerikanerin Dorothy Hamill.

- Mit ihrem Rücktritt begann ein neuer, athletischer Abschnitt im Eiskunstlauf der Damen: die Zeit der Dreifachsprünge

- Damit einher ging ein erschreckender Verlust an Ausdruckskraft und Stil, kurz, an Schönheit.

- Vor der Pubertät erlernt, gelingen Dreifachsprünge den Eislaufmädchen von 13 oder 14 Jahren scheinbar mühelos. Winter für Winter hofft die Eislaufwelt vergeblich, es werde endlich eine Läuferin nachwachsen, die Erfolg und Grazie wieder verbindet. Doch wenn aus den Schlittschuh-Hüpfemädchen von wenig über 80 Pfund junge Frauen geworden sind und das wirkliche Eiskunstlaufen anfangen könnte, dann haben sie plötzlich das Springen verlernt.

- Alles das hat eine 14jährige Eisläuferin, wenn sie, wie es die Regel ist, seit acht Jahren mit methodischem Training aufgebaut worden ist. Alles das verliert sie mehr oder weniger, wenn sich ihr Körper verändert.

- "Anlagebedingte körperliche Unterschiede zwischen Damen und Herren", so schreibt der ehemalige deutsche Weltklasseläufer Sepp Schönmetzler in seiner Doktorarbeit "Biomechanische Analyse von Küren und Sprungtechniken beim Eiskunstlaufen", "machen den Axel zum Problemsprung der weiblichen Eiskunstläufer,... die immer wieder Schwierigkeiten mit dem Doppelaxel haben."

- Die Vielfalt des Eiskunstlaufs mit Pirouetten, Schritten, Kombinationen ist groß genug, um auf Dreifachsprünge bei den Damen zu verzichten.

Ende der Zitate

Was für ein übles sexistisches Machwerk, dass von der Geschichte ad absurdum geführt wurde. Die Liste der ausdrucks- und sprungstarken Läuferinnen seit 1985 ist lang. Da erschien dieses Machwerk in der "Zeit" . Jetzt gibt es die gleiche Diskussion mit den gleichen Vorurteilen und Argumenten wieder. Nur das diesmal Tutberidze und Russland als Feindbild hinzugekommen sind. In 35 Jahren werden wir darüber genauso lächeln, wie über diesen Zeit-Artikel. Ich habe ihn mir gleich gespeichert, er ist einfach zu putzig.

Eisläuferinnen in der Sackgasse: Das Übel der dreifachen Sprünge

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