Der Weg aufs Eis

Manuel
Freiläufer
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Der Weg aufs Eis

Beitrag von Manuel » Sa 9. Dez 2017, 12:22

Beim Eiskunstlauf ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es gibt eigentlich nur eine einzige Formel und die heißt: Üben, üben, nochmals üben, und nie aufgeben! Aber dann ist der Lohn auch grandios.

Ich bin jetzt 61 Jahre alt und laufe seit meinem vierzehnten Lebensjahr Schlittschuh. Damals fuhr ich mit meinen Eltern nach Oberstdorf in den Urlaub. Dort gab es eine Sommereisbahn und irgendwann stand ich im berühmten Spiegelsaal. Trotz ausgetretener Leihschuhe kam ich recht gut vorwärts, denn das Gleichgewicht hatte sich schon durchs Rollschuhlaufen entwickelt. Zu Weihnachten lag ein modernes Hudora Schlittschuhkomplet auf dem Gabentisch. Mein Vater erzählte, dass es in seiner Kindheit nur Kufen zum anschrauben an die Straßenschuhe gab. Als die Teiche im Winter zufroren, drehte ich meine Runden in der Nähe der elterlichen Wohnung. Erst 1980 konnten wir den Luxus einer Halle in Flensburg genießen. Unterricht hatte ich natürlich nie bekommen. Vor drei Jahren suchte ich nach einer Sommereisbahn, die weder eine Weltreise nach Oberstdorf noch einen Harzurlaub in Bad Sachsa oder Braunlage erforderte. In der VB Arena wurde ich fündig und fand zu meiner großen Freude schnell nette Leute und Zugang zu einem Eislaufverein. Begeistert fuhr ich ein bis zweimal in der Woche mit dem Zug zwei Stunden nach Hamburg zu den jeweiligen Trainingsorten.

Dort nahm ich dann recht schnell unsanften Kontakt zum Eis auf und hörte sofort auf den Rat sturzerfahrener Kollegen: Zwei Fallschutzhosen zum Wechseln fuhren ab sofort immer mit.
Die wurden zusammen mit dünnen Knieschonern über die Sporthose gezogen. Meine Hände steckten in schwarzen Handschuhen mit Noppen an der Innenseite. (Damit kann man nach einem Sturz besser aufstehen, denn die Noppen kleben auf dem Eis.) Die darüber befestigten Handknöchelschoner (von den Inlinern), haben mich bis heute mehrfach vor dem sicheren Krankenhaus bewahrt. Und Fallhosen polstern Steißbein und Hüften. Wie gut sie schützen, merkte ich gleich am ersten Trainingstag.

Sicher ausgerüstet, begann der noch ungewohnte Eislaufunterricht. Und das in einem Alter, in dem es sich viele Leute bereits auf dem Sofa gemütlich machen und ihre Knochen jeden Tag einzeln per Handschlag begrüßen. Es fing ganz simpel und harmlos an. Rollerfahren auf einem Kreis. Das Abstoßen und richtige Bremsen, Slalomfahren auf beiden Beinen und die vier Kanten einer Kufe auseinanderzuhalten, folgten. Ganz vorsichtig versuchte ich es den anderen, die schon länger dabei waren, nachzumachen. Mit mäßigem Erfolg und einigen harten Landungen auf dem weißen kalten Untergrund. Ich wusste ja bis dato nicht einmal, dass ein Schlittschuh eine Innen - und eine Außenkante besaß. Hatte mir natürlich noch nie jemand erzählt. Und wie unsere Eislauflehrerin auf ihren Schlittschuhen dahinschwebte, war einfach nur himmlisch! Erschrocken musste ich feststellen, dass die meinen, die ich einst zu Weihnachten bekommen hatte, jetzt, nach über vierzig Jahren endlich ihre wohlverdiente Rente haben wollten. Bei Planten un Blomen, erfuhr ich, gab es ein Eissportgeschäft mit Schleifservice. Schleifen? Darüber hatte ich mir auch noch nie Gedanken gemacht. Im Geschäft wurde ich eines Besseren belehrt. Der Schuh ist sehr wichtig, denn er soll passen und fest sitzen, aber genauso wichtig sind natürlich auch die Kufen mit dem richtigen Schliff. Und bei beiden, Schuh und Kufe, gibt es preislich und qualitätsmäßig sehr große Unterschiede. Der Verkäufer wusste zum Glück, was ich brauchte. Ein paar Risport Antares und die MK 21 für den Anfänger Bereich wechselten den Besitzer. Kostenpunkt über 200 Euro. Ein paar Plastikschoner, die man sofort drüber zieht, wenn man das Eis verlässt und ein paar Stoffüberzieher für den Transport, damit die Nässe ablaufen kann, waren im Preis inbegriffen.

Als ich stolz auf meinen neuen Schuhen auf dem Eis stand, brach die Welt um mich herum erst mal zusammen. Anstatt die ersten perfekten Pirouetten zu drehen und schon mal einen kleinen Sprung zu wagen, versuchte ich mich mit zitternden Knien nur noch vorsichtig vorwärts zu bewegen, dachte dabei an unsere Ausbilderin und hörte ihre Worte in meinen Ohren klingen. Mein Kopf hatte zwar kapiert, was Beine und Füße tun sollten. Den Oberkörper, Kopf, und die Schultern durfte man nicht nicht vergessen. Und immer dahin schauen, wohin man fahren wollte. Das wichtigste: Das Knie! Locker und gelöst bleiben, auch mit Blasen an den Füßen. Die kamen nämlich sehr schnell. Und meine Körperteile dachten gar nicht daran, irgendwelche Anweisungen von mir zu befolgen. Obwohl ich ihnen wirklich sehr freundlich begegnete und entgegen meiner Natur plötzlich eine Engelsgeduld mit ihnen entwickelte. Wenigstens blieb mir harte Bodenberührung erspart und gegen die Blasen besaß ich alsbald ein Sammelsurium an Pflaster, Pads und Bandagen, die die anfälligen Stellen schützen sollten.

Im Internet fand ich die Aufgaben für die Eisläuferprüfung und die Freiläuferprüfung. Alles wurde heruntergeladen, dazu eine Nicole und ein anderes junges Mädel aus Amerika von youtube. Inzwischen hab ich auch Oleg und Jimmy Young auf dem Rechner. Es sah bei diesen Leuten so leicht aus. Bei mir ging allerdings die Verzweiflung um. Meine Füße wollten nie, wie ich wollte.

Erst mal Warm machen. Das ist das erste, bevor man das Eis betritt, lernte ich. Irgendwie auch klar. Ein 5000 m Lauf ohne vorher die Muskeln zu dehnen, wäre wohl schon nach wenigen Metern zu Ende. Auf dem Eis geht’s dann damit weiter: Abstoßen, links, rechts, und gleichmäßig vorwärts. Das Übersetzen vorwärts klappte ganz gut, rückwärts? Weniger. Eine Seite ging dabei wieder besser als die andere. Also die schlechte Seite nochmal üben. Dann die Bögen. Außen und innen. Innen ging ganz gut, außen nicht. "Knie, du brauchst mehr Knie", drang es an meine Ohren. Zwischendurch spähte ich neidvoll auf die kleinen Mädchen, die Pirouetten drehten, dass einem schwindelig dabei wurde und den Salchow scheinbar mühelos sprangen. Irgendwann konnte ich auf der Innenkante auf einem Bein einen Kreis laufen. Jubel. Aber die Frustration folgte sofort, denn sich für die Außenbögen ganz auf die Außenkante zu stellen, war meinen Beinen nicht ganz geheuer und mir, wenn ich ehrlich war, auch nicht.

Zuerst die Dreier lernen, an Salchow nicht mal denken, fiel mir dann ein. Dazu am besten an der Bande festkrallen und versuchen, beim Innendreier das Gewicht auf die innere Kante zu verlagern, irgendwie ins Knie runter zu gehen, wieder hochkommen und dann rückwärts auf die Außenkante drehen. Außen macht man‘s genau umgekehrt. Irgendwann stellt sich schon die Auflösung des Knotens ein, hoffte ich, übte stundenlang die Basics und besaß bald auch Zehnerkarten für die Eisbahnen in Flensburg und Brokdorf. Natürlich wollte ich Pirouetten drehen. Das schlimmste war die links herum: Meine Schokoladenseite hieß rechts. Da ging‘s sogar auf einem Bein. Aber für die Prüfung Freiläufer mussten links und rechts fünf Umdrehungen her. Ich fing an Schwung zu holen, glaubte ich jedenfalls, zählte die Werbung an der Bande. Irgendwann, nach unzähligen Stunden, waren die fünf Umdrehungen da, und auch die Dreier funktionierten nach links innen. Wenn auch ohne großen Auslauf. Nach außen sogar in beide Richtungen. Ein ganzes Jahr, teilweise schon völlig verängstigt, übte ich an der Bande weiter für den Innendreier auf dem rechten Fuß. Der weigerte sich vehement. Als er plötzlich und ohne Vorwarnung mitten auf dem Eis gelang, liefen mir Freudentränen übers Gesicht. Aber ich wusste noch nicht, warum und wie ich ihn hinbekommen hatte. So, wie es die Fortgeschrittenen konnten, klappte es bei mir nie. Man fährt auf dem Kreis, schaut hinein und dreht auf dem Fuß nach innen auf rückwärts, und schaut dabei weiter in den Kreis.

Irgendwann kam mir der Gedanke, dass bei mir vielleicht etwas mehr Beweglichkeit vonnöten wäre. Das Zauberwort hieß Gymnastik. Also, das off-Eis ist genauso wichtig, wie das Eis selbst. Möglicherweise noch wichtiger. Die großen Läufer verbringen etliche Stunden in der Sporthalle. Besonders schnell merkt man es beim Flieger. Das geht auch in der guten Stube. Wenn man sich vor den Sessel stellt und das erste Mal auf einem Bein steht und das andere nach hinten ausstreckt, sollte man nicht den Helden spielen, sondern sich immer festhalten. Richtig ist der Flieger dann, wenn das Bein nach oben zeigt, der Kopf mitsamt Brustbein auch und in der Mitte eine Mulde entsteht. Auch hier gilt wieder, bevor man sich etwas ausrenkt, kleine Brötchen backen, denn so, wie bei den kleinen Kindern, die als Dreijährige anfangen, kann es bei uns Erwachsenen nicht mehr werden. Aber das muss es auch nicht. Wenn man sich endlich halbwegs in der Waage hat und auch noch auf einem Bein mit zur Seite ausgestreckten Armen vor dem teuren Fernseher steht und nicht hineinfällt, ist das für uns mehr als genug. Bitte beide Beine üben. Eines wird immer nicht so gerne wollen. Dem muss man dann etwas mehr Zeit widmen. Geradeaus Vorwärts kann man es vorsichtig auf dem Eis probieren. Aber nur, wenn das sauber ist und man auch gut gleiten kann. Immer Vorsicht walten lassen, wenn das Eis schon abgenutzt ist. Da stellen sich schnell Löcher und andere furchtbare Stolperfallen ein. Die Hände liegen flach nach unten gedreht, die Daumen zeigen auf den Boden. Die Arme etwa in Schulterhöhe. Imaginär stützt man sich so nämlich ab und behält das Gleichgewicht. Der Unterschied zum schlaksigen Laufen mit herunterbaumelnden Armen ist bald zu spüren. Und ohne die Arme läuft auf dem Eis eh gar nichts. Lasst andere Leute auf Weihnachtsmärkten oder im Publikumslauf ruhig grinsen. Ihr seid Kunstläufer und die nicht.

Ach so, der Muskelkater stellt sich von selbst ein, für den braucht ihr nichts zu tun. Irgendwann wird es weniger. Das liegt daran, wie oft und intensiv man im Winter trainiert und auch wie fleißig man seine Gymnastik betreibt. Für Pirouetten gibt es Drehscheiben und heute auch Unterlagen für die Füße. (Spinn genannt.) Auf Parkett drehen die wunderbar. Teppichboden ist besser für die Drehscheibe. Wer Kamikaze betreiben will, legt sich das Ding genau vor den Fernseher und die Stereoanlage und wer einen Wohnzimmerschrank mit Glasvitrine hat, weiß, was passiert, wenn er zu wild davon runterkommt. Das übt allerdings sehr. Auch unser Trainer meinte, man solle erst an der Technik feilen, den Oberkörper schön gerade halten und zentriert sein, bevor man versucht schnell zu drehen. Ein oder zwei ruhige aber sichere Umdrehungen sind da viel mehr wert.

Und noch ein kleiner Tipp. Auch wenn man es den Fortgeschrittenen gerne gleich tun möchte, bitte erst die einfachen Vorwärts-und Rückwärtsbewegungen üben. Erst wenn die einigermaßen sicher sind, also Bögen innen und außen und die Kantenwechsel auf einem Bein (das sind dann auch kleine Bögen auf jeweils einem Bein) gut aussehen, Kreise, wie früher bei der Pflicht, gelaufen werden können, Eierlaufen, vorwärts und rückwärts, Roller fahren, Storch und Hocke, Slalom auf beiden Beinen um Hütchen oder imaginäre Hindernisse. Erst wenn dies sicher beim Warmlaufen funktioniert, kann man versuchen etwas Neues auszuprobieren. Und bei Dreier und Doppeldreier gilt, wie beim Mohawk oder Choctaw (das sind Schritte!), die Bande zunächst nicht verlassen. Am Anfang wollen die Beine nicht so, wie ihr wollt und je mehr ihr an der Bande übt, (zu Beginn krallt man sich wirklich fest), irgendwann lässt man von selbst lockerer und eines Tages braucht man sich nicht mehr festhalten. Da entstehen dann diese unbeschreiblichen Glücksmomente.

Eiskunstlaufen ist für Erwachsene schwer, weil die Muskeln und der Körper erst wieder beweglich gemacht werden müssen. Auch haben wir unsere Schokoladenseite, die andere ist zu. Man kann sie nur durch ständiges üben und trainieren wieder öffnen und auf diese Weise irgendwann auf beiden Beinen und auf einen Bein in vier Richtungen drehen. (Nach innen mit dem linken Bein, nach innen mit dem rechten Bein und dasselbe außenherum). Auch den Flieger kann man dann auf der Innenkante und auf der Außenkante üben, auf beiden Beinen versteht sich. (Eines sollte dabei immer auf dem Eis bleiben, sonst läuft irgendetwas verkehrt.) Bei super guten Eisbedingungen und wenig Leuten in der Halle, kann man es auch mit viel Mut mal rückwärts versuchen. Muss ja nicht gleich in der Waage sein. Auch das Rückwärtslaufen, Eier- und Bögen, vor allem Außenkante, sollte man üben, wenn man keine unvorhergesehenen Hindernisse vermuten darf. Gute Läufer haben natürlich auch hinten Augen. Aber wir wollen auf dem Teppich bleiben und uns Stück für Stück an unseren Fortschritten erfreuen.

Ach, das richtige Bremsen ist auch sehr wichtig. Hier empfehle ich Oleg. Es sieht nicht nur toll und elegant aus, wie er mit dem einen Fuß nach vorne, den anderen im rechten Winkel dahinter, abstoppt. Es ist auch gar nicht so schwer zu erlernen und ich ziehe mich mit dieser Übung jedes Mal aus dem Tief heraus, wenn meine Einlaufpirouette mal wieder verwackelt oder andere Kunststücke noch nicht klappen wollen. Auch das könnt ihr an der Bande und im Wohnzimmer üben. Schaut mal rein, bei ihm.

Ja, ein Wort noch zu den Sprüngen. Die sind grundsätzlich etwas für Kids mit Gummiknochen oder Jugendliche, die noch zur Schule gehen. Ich habe für mich die sogenannten Rentnersprünge erfunden. Das heißt, ich drehe mit einem Dreier links und setze rechts auf um dann nach vorne links innen etwas den Schlittschuh mit den Zacken herunterzudrücken und steige rückwärts auf den rechten Fuß. Das Ding heißt zwar Kadetten- oder Dreiersprung, aber ich springe nur ab, wenn ich mich an der Bande dabei abstützen kann. Dann geht’s wieder links zum Salchow. Da dreht man vor dem linken Fuß mit dem Spielbein herum und springt aufs rechte Bein rückwärts. Als Rentner reicht es, wenn man auf dem rechten Fuß sicher aufsetzt. Wer dann auch noch die Seniorenkombination hinlegen will, tippt danach mit dem linken Fuß hinter dem rechten ein und dreht sich, mit oder ohne Luft dazwischen auf das rechte Bein. (Das sieht dann schon nach Toeloop aus und macht auf nicht Eingeweihte im Publikumslauf großen Eindruck.)

Eiskunstlauf ist ein Sport, der regelmäßiges und konsequentes Üben verlangt. Das Gleiten und die vielen verschiedenen Schrittfolgen haben etwas mit Körperbeherrschung und dem Gleichgewichtsinn zu tun. Wenn man ständig übt, ist das Eislaufen nämlich eine der dankbarsten Sportarten überhaupt. Der Erfolg kommt oft so überraschend, dass einem die Endorphine einfach um die Ohren fliegen. Ich kann kaum beschreiben, wie stolz man sich fühlt, wenn endlich etwas mühelos klappt, von dem man geglaubt hat, dass man es niemals schaffen kann. Ich hab dann auch meine beiden Prüfungen bestanden. Ich war zwar nicht ganz so schnell dabei wie die jüngeren Leute, wobei mich eines der kleinen Kinder aus der Gruppe sogleich als Opa adoptiert hatte, aber sogar die Tippsprünge und die 180 Grad Drehung waren in der Prüfung erkennbar. Zumindest reichte es wohl für die Richterin, die mit Sicherheit auch ihre Hühneraugen mit zu gekniffen hatte. Aber ich trug die Nase auf der Heimfahrt einen Tick höher, was beim Eislaufen sogar erlaubt ist.

Wer das Glück hat, zeitweilig mit einem Trainer lernen zu können, sollte die Kosten nicht scheuen. Ich hatte mir alles falsch selbst beigebracht und begann erst mit 58 Jahren das richtige Kunstlaufen. Die Grundlagen sollte man kennen. Da nützt auch das Internet nichts. Ein Trainer, der an Ort und Stelle korrigiert, hilft dabei, falsche oder hinderliche Bewegungen gar nicht erst einzustudieren. Hat man sich nämlich erst mal Fehler angeeignet, ist es schwer, die wieder los zu werden. Ich wünsche euch allen viel Erfolg und gebt nie auf. Der Erfolg kommt beim Eislauf unverhofft.

Ich bin jetzt nach Niedersachsen gezogen und der schönste Moment des Jahres ist für mich der Kauf meiner Saisonkarte für die Eishalle in Adendorf. Inzwischen hab ich nochmal investiert und beim zweiten Paar Risport Antares die teurere Kufe Galaxy genommen. Und das merkt man wirklich, denn kleine Materialänderungen haben auch für uns Anfänger große Auswirkungen auf die Sicherheit auf dem Eis.

Katrin
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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Katrin » Sa 9. Dez 2017, 21:10

Hallo Manuel, danke für den Bericht über Dein Leben als Eisläufer!

Es ist tatsächlich ein Riesenunterschied, ob man irgendwie nur läuft und irgendwie hupft, oder ob man richtig Bögen fährt und richtig aus diesen Bögen abspringt, letzteres macht mir halt Riesenspass.

Weil Du ihn erwähnt hast, diesen Einwärtsdreier auf dem rechten Fuss - dazu meine "Leidensgeschichte":

Den Einwärtsdreier rechts richtig fahren ist die Grundlage für die Rechts-Auswärtspirouetten und letztlich alle Sprünge ( wenn man linksrum dreht wie die meisten Läufer). Ich habe ihn erst gestern wieder geübt, weil ich immer die rechte Seite dabei unter Druck setzte, denn ich suchte meine ganzen 7 Jahre, die ich nun eislaufe, eine falsche rechte Achse.

Kein Trainer hat je direkt mich daraufhin korrigiert, alle haben nur die Symptome versucht auszumerzen, nur, das ging eben nicht, weil ich nie kapierte, wo eigentlich mein rechter Fuss hingehörte.
Ein Trainer sagte: Bögen üben, nur : Ich kann Bögen auch mit falscher rechter Achse fahren, der Trainer guckte nicht richtig hin.
Ein anderer Trainer hat meinen rechts-Innenbogen gesehen, runzelte die Stirn und wusste nicht weiter, er sagte nur: Irgendwas stimmt nicht. Und das fühlte ich mittlerweile auch, irgendwas war grundfalsch.

Nachdem ich jahrelang viele Stunden lang auch auf Inlinern immer wieder den Axel sprang und immer war der zweibeinig gelandet, sagte ich mir dieses Frühjahr nach dem Ende der Eis-Saison: Irgendwas MUSS an meiner Grundhaltung nicht stimmen. Und so wars auch. Ich hab den Knackpunkt selbst gefunden mit Hilfe von Internetvideos, Aussagen Hanyu's, der immer wieder betonte wie wichtig es ist die Körpermitte zu halten. Also: Körpermitte suchen. Habe jeden Tag den ganzen Sommer gesucht, Drehsprünge, Axel, Mitte-Übungen, Joggen, Kraulschwimmen, Videos angeschaut und dann kams mir, was ich falsch mache. Ich kann mittlerweile sogar viel entspannter Kraulen.
Also auf Trainer bin ich nicht ganz so gut zu sprechen.

Der Kadetten=Dreiersprung links vorwärts auswärts auf rechts rückwärts auswärts trägt dieses Gefühl dieses Einwärtsdreiers rechts in sich = diesen Achsenwechsel, wobei das rechte Bein halt in der Luft diesen Einwärtskreis beschreibt.

Gast

Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Gast » So 10. Dez 2017, 22:19

Hallo Kathrin,

bei mir ist es so, dass ich im linken Knie seit 2010 wegen Arthrose eine komplette Knieprothese trage. Der Knorpel war links weg und normalerweise hätte ich deshalb auf dem linken Knie die Probleme mit dem Dreier haben müssen. Da klappte aber trotz Prothese alles, nach der entsprechenden Übungszeit, die ja auch die Kinder brauchen, je nachdem, wie viel Talent von Haus aus vorhanden ist. Rechts innen gelang mir schon der Anlauf nicht und ich begann ganz systematisch zuerst meine linke Seite zu anlysieren. Ich stieß rechts ab, schob die linke Hüfte vor und das Knie beugte sich, dann zog ich den linken Fuß nach außen und hatte meinen Dreier. Rechts fehlte der Abstoß links und ich konnte meine rechte Hüfte nicht nach vorne schieben, obwohl ich mit dem rechten Bein drehe und darauf mehr Halt und Sicherheit als auf dem Linken habe. Ich überlegte auch, ob es daran liegt, das der rechts-Innendreier ja auch nach linksherum gedreht wird und links eben meine schwache Seite liegt. Körperachse und so weiter ist richtig, nur man muss ja die Theorie irgendwie in die Praxis umsetzen können. Ich hatte mich, weil mein Trainer genau wie der deine, in gewisser Weise menschlich trotz Hochschulstudium gelinde gesagt auch ein Trottel war, nach dem vierzehntägigen Trainingslager in Bad Sachsa( er kümmerte sich um seine Lieblinge, die ja nach soo kurzer Zeit alles konnten und sooo gut waren- ,wobei die alle meine Töchter und teilweise sogar meine Enkelinnen sein konnten, was ihn aber gar nicht interessierte), in der folgenden Saison vom HSC verabschiedet. Während des Trainingsjahres konnte ich am Montag in Farmsen in der Halle bei den Kids mittrainieren. Da bekam ich den Trick mit der Gewichtsverlagerung, die die Trainerin den kleinen Mädchen erklärte, wesentlich besser mit, als wenn ich mich bei Henrik nur aufs Zuschauen konzentriert hätte. Damit hatte ich also die technischen Grundlagen vom Kopf her verstanden. (Das passierte auch bei anderen Übungen, wie den Tippdrehungen auf der Spitze und dem linksInnendreier, dann mit rechts eintippen und sich imaginär auf den Oberschenkelsetzen und die linke Außenkante herumdrehen, wichtig für Männer, wenn sie die Partnerin bei der Todesspirale halten.) Ich wusste also theoretisch, wo ich hin musste und konnte diese letzgenannte Übung rechts innen am Anfang gar nicht, weil, wie du richtig sagst, der Innendreier auf rechts die Grundlage dazu ist.
Die Dreier sind die Grundlage für alle Sprünge, egal, ob man wirklich abspringt, oder wie ich, die Rentnersprünge nur andeutet, da wo es geht, bei Salchow und Toeloop. Beim Achsel und bei Lutz und Flip geht es nicht, da musst du in die Luft, sonst kommst du nicht rum. Beim Lutz hatte Melanie, die Kindertrainerin, uns auf der Rückwärtskante links auf dem Kreis nach links laufenlassen und wir mussten, wie bei den Tippsrüngen für die FreiläuferPrüfung, rechts einhaken, bis wir soweit sicher waren, das wir von links außen rückwärts ganz schnell auf vorwärts drehen(anstatt zu springen) konnten, um von da auf rechts rückwärts aufzusetzen. Für die jungen Frauen und Mädchen war dann die Linksaußendrehung nur noch aufzuheben und statt zu drehen, zu springen. Ich selbst traute mich natürlich nicht mehr abzuspringen und war froh, dass es mir mit diesem Trick gelang, wenigsten den Lutz in seiner Struktur und Technik zu verstehen und anzudeuten.

Geübt hab ich dann allein, an der Bande, und zwar erst immer wieder den Dreier rechts nach innen. Ich hab dann bewusst versucht, dieselbe Bewegung mit der Hüfte nach vorne zu machen, wie mit links, wo es ja funktionierte. Das hat auch etwas mit innerer Sicherheit zu tun und dem sicheren Stehen auf dem Standbein. Dazu kommt das Spielbein, welches die Bewegung mitmachen muss. Das musst du bei dir erfühlen und deshalb sag ich auch, so wie mir eigentlich alle Trainer rieten, die Bande zuerst als Stütze zu nehmen. Die Übung muss aufrecht, gerade im Rücken und trotzdem leicht und beweglich im Knie durchgeübt werden, solange, bis du die Hand nur noch an die Bande anzutippen brauchst. Vor allem darfst du dich nicht unter Druck setzen. Verbissen üben und wollen ja, aber auch wieder locker lassen, etwas anderes machen, das Erfolgserlebnis genießen und danach ohne viel über dein Problem nachzudenken, es noch einmal versuchen. Wenn du ein gutes Gefühl dabei hattest, Schluss und machen und beim nächsten Mal neu angehen. Der Körper merkt sich, ähnlich wie beim Vokabel lernen, seine Bewegung und wenn man sich beim nächsten Mal warm gelaufen hat und auch die Bedingungen stimmen, also gutes sauberes Eis, trocken vor allem und wenig Hindernisse durch andere Läufer, bringst du diese neu gelernte Bewegung auch aufs Eis und kannst daran anknüpfen.

Wir hatten bei Melanie, also bei den Kindern, alle Elemente in ihre Einzelteile zerlegt und schrittweise einen Teil geübt, bis wir dann zwei Teile hintereinander zusammenfügen konnten und so weiter. Man braucht unendlich viel Geduld und muss sich immer wieder vor Augen halten, dass wir ja, je älter wir sind, keine unbeschriebenen Blätter mehr sein können. Ich hab auch eine Skoliose und wenn ich mich in meiner Körperachse sehe, so bin ich da so schief und krumm, das es an ein Wunder grenzt, überhaupt die Figuren so laufen zu können, wie sie richtig, sprich auch für die Wettbewerbsläufer zu laufen sind. Versuch mal, nicht so viel an die Körpermitte zu denken, sondern dich beim warm laufen nur gerade mit Blick nach vorne hinzustellen und nicht nach unten gucken. Dann läufst du bewusst erst den guten Dreier und direkt im Anschluss daran, immer in Sicherheit der Bande, einmal übersetzen und auf die andere Seite. Jimmy Young macht das sehr gut vor. Dreier links, übersetzen, Dreier rechts. Es reicht, wenn es klappt. So flüssig wie bei ihm, funktioniert das bei uns nicht. Du musst auch noch nicht auf dem Kreis gleiten, wobei du das sogar automatisch tust, wenn Schulter, Arme und Blick dort hingerichtet bleiben. (Den Kreis umarmen wollen) Und das Spielbein lässt du am Standbein. Wie gesagt. Zerleg alles in kleine Teile und mach die Übungen erst, wenn du warm und sicher eingelaufen bist.
Ich war heute auch auf dem Eis, aber es war viel zu voll und die Kinder dürfen zu schnell wieder drauf, wenn es sauber gemacht wurde, und warten nicht ab, bis alles trocken ist. Das liegt natürlich auch an unseren Eismeistern. Ich werde denen das demnächst sagen. Es enstehen auf den Nassflächen sofort Stolperfallen und die Schuhe werden auch nicht besser davon, wenn sie auf Wasser laufen, statt auf Eis zu gleiten. Am Montag haben wir zwischen ein Uhr und halb drei immer eine Seniorenzeit. Da wird das Eis gereinigt und wir sind um die fünf bis sechs Erwachsene. Dann kann man auch üben und auf glattem Eis gleiten die Kufen von selbst, ohne Anstrengung. Ich wusste, dass am Sonntag ab einer bestimmten Uhrzeit zu viele Leute auf der Fläche sind und wollte auch nur das Gefühl für die Schuhe haben. Das meiste ist dann Gymnastik an der Bande, weil man rückwärts bei den vielen kleinen Kindern im Publikumslauf gar nicht gefahrlos laufen kann. Den Flieger hab ich gar nicht geübt.
Im Augenblick schneit es und ich fahre mit dem Auto doch 70 km nach Adendorf. Ich kann zwar für ganz wenig Geld mit dem Zug fahren, nur das passt am Montag nicht, weil der Zug nur alle drei Stunden fährt und ich bis 17 Uhr in Lüneburg bleiben müsste. Und mit dem Auto ist es mir bei Schnee zu gefährlich. Ich muss ja nicht. Dann üb ich zu Hause.

Ich hab mir drei große Platten von Glice gekauft und in mein "Eiszimmer" gelegt. Allerdings ziehe ich dazu alte Schlittschuhe an, deren Kufen auch von jeder Eishalle geschliffen werden können und mit denen ich nicht mehr aufs Eis gehen kann. Die Platten sollen angeblich nur 10 % weniger gleitfähig sein, aber das stimmt nicht. Es kostet viel mehr Kraft und ich schätze eine Einbuße von ca.40 bis 50 %. Aber man kann auf dem Schlittschuh stehen und drehen und die Doppeldreier im Stand üben. Es reicht zur Gymnastizierung und man braucht zu Beginn der Saison nicht wieder von vorne anfangen, weil das Gefühl für den Schuh das ganze Jahr bleibt. So etwas hilft natürlich auch der störrischen Seite beizukommen.
Also, versuch mal weniger über das Problem zu grübeln. Das macht dich nur verrückt. Schau, woran es auf der guten Seite liegt und übertrag es auf die schlechte Seite. Es ist ähnlich, wie bei verkürzten Muskeln. Die müssen auch ständig bearbeitet werden, bis sie sich wieder dehnen.
Erstmal liebe Grüße
Manuel

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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Katrin » Mo 11. Dez 2017, 02:06

Hallo Manuel,
danke für Deine Tips: Ja, ich darf nicht verkrampfen.
Leider geht das mit "einfach geradehalten und auf die Bande schauen" bei mir nicht. Eine Trainerin hat mir das beim Flip mal gesagt, wie schief ich stehe. Nur leider ist das "schief" für mich vom bisherigen Körpergefühl her "gerade".
Der 1F geht bei mir auch wenn ich schief bin. Aber nicht mehr der 2 F. Und das geht gaaar nich. Das akzeptiere ich nicht.

Deswegen habe ich heute nachmittag Drehsprünge geübt mit meiner neuen Mitte.

Bei zuviel Kinderchen auf der Bahn kann man nichts mehr üben. Die haben die Tendenz zur Heisenberg'schen Unschärfe in sich: Man kann weder Ort noch Richtung zuverlässig vorhersagen. Deswegen morgen Montag auch kein Eis für mich. Am Wochenende sowieso nicht.

Von wegen Wasser auf der Bahn nach der Eisbereitung, das ist bei Euch ja harmlos: Wir haben in Würzburg eine offene Eisbahn ( die leider immer noch nicht geöffnet hat wegen Sanierung). Regen ist da nicht so schlimm, ich finde es wunderschön auf einer Bahn mit Wasserfilm zu fahren, das ist weich wie Watte. Aber wenn der Regen festfriert, wird es eine Holperpiste und beim Hinfallen rutscht man nicht, es ist wie Asphalt dann so rauh. Wenigstens gibts nun ein paar Ahornbäume weniger, die auf das Eis segelnden Ahornsamen geben die schönsten spin outs.

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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Tarancalime » Mo 5. Nov 2018, 15:37

Mein Weg aufs Eis begann 1984 mit Torvill/Dean im Fernsehen. Olympiasieg im Eistanzen. ich wollte das auch machen - Eistanzen! Leider bin ich auf dem Land großgeworden und hatte weder eine Eishalle noch einen Verein in der Nähe. Außerdem bin ich kein Wettkampftyp. ich bin mit Geschwistern und Freunden auf der Straße Rollschuh gelaufen, bis die primitiven Dinger, die man hatte das Lernen komplexerer Elemente ohne jegliche Tutorials im Video oder Trainer nicht mehr zuließen. Das Einzige was ich machen konnte, war mit der Schulklasse eislaufen zu gehen in die öffentliche Laufzeit. ich erinnere mich noch genau, wie ich in der inzwischen längst geschlossenen Eishalle in Weil am Rhein Vereinsläuferinnen beim Pflichttraining vor dem Publikumslauf zugeschaut habe und es toll fand, was die da machen. Das wollte ich auch mal machen, aber das war natürlich unmöglich hierzulande.

Nach dem Schulabschluß ging ich 10 Monate lang zum Sprachaufenthalt nach England, lief dort ab und zu in der öffentlichen Laufzeit in einer mini Eishalle in Brighton (gibts längst nicht mehr natürlich, die haben eine mobile Eisbahn vor dem berühmten George Palace (ein absolut durchgeknalltes architektonisches Bauwerk vom verrückten König Georg IV ("The Madness of King George")) aber konnte halt nur mehr oder minder vorwärts laufen und vorwärts übersetzen und einen Mond (vom Rollschuhfahren). Die Jahre gingen ins Land, ich lief Schlittschuh auf zugefrorernenSeen (so alle 10 Jahre friert ja mal einer zu in Freiburg und Umgebung). Was ich jeden Winter Winter machte, war Eiskunstlauf schauen volle Kanne auf Eurosport durch die 90er, auf ARD/ZDF wenn was kam und Zeitungsberichte lesen (ja, in der Zeitung standen damals sogar Wettkampfberichte jeden Tag! von EM und WM). So lernte ich vor dem Fernseher Axel, Salchow und Mohawks und Choctaws in Choreografien und Küren unterscheiden und saß zusammen mit meinenr Mutter vor der Glotze und bewunderte wie sie u.a. Toller Cranston......aber auch Rudi Cerne und Kati Witt und Norbert Schramm und eine gewisse Marina Kielmann ;-)

Dann entschloß ich mich zu studieren (am Bodensee zu meiner BTA Ausbildung gab es keine Möglichkeit Eiszulaufen und ich hatte da auch keine Zeit dafür wegen der Ausbildung) in Freiburg. Und da kam das Internet ins Spiel (mein Bruder gehörte zu den Ersten mit einer Mailbox und war Mitbegründer des wohl ersten Netzwerks in Deutschland bevor das Internet mit Netscape und WWW die digitale Revolution auslöste (O-Ton auf WIKI) aufkam. Warum ist das wichtig? Sehr einfach, weil ich als Studentin relativ schnell eine Emailadresse und Zugang zum Netz hatte! Im Netz kann man praktisich alles finden und bei mir war das u.a. Eiskunstlaufen. Nachrichten, How To's auf Englisch (ich hab Englisch studiert) alles eben. Und da stieß ich relativ schnell (Um die Jahrtausendwende war es) auf einen Begriff namens Adult Skating - Erwachsene, die Eiskunstlauf machen. Und in diesem Zuge kam Christopher Dean, mein altes Idol ins Spiel, der Dancing on Ice auf die bretter bzw. zu Weltruhm brachte. Erwachsene, die innerhalb von Monaten Eiskunstlauf erlernen und was zeigen...wenn das Promis können, dann kanns auch jeder andere, sagte ich mir. Also suchte ich nach Möglichkeiten, Kurse für Erwachsene in der Eishalle in freiburg (die kracht jetzt demnächst wegen Altersschwäche zusammen) zu machen und es gab da etwas. Der ESG Freiburg bot am Montagabend von 21 bis 22 Uhr einen Kurs für Erwachsene mit der Trainerin Tatjana Reznikova an (Sie ist jetzt in Neuss Cheftrainerin, habe ich rausgefunden). Ich kaufte mir Schlittschuhe aus dem Sportgeschäft (imemrhin informierte ich mich im Internet auf den Seiten für Adult Skating worauf ich da zu achten habe und bekam zumindestens recht ordentliche Kunstlaufschlittschuhe für 80 Euro.

Nun lernte ich bei Tatjana die Basics im Kurs (sie legte Wert auf Haltung und Knie, klaro und sie ist sehr gründlich und professionell mit uns gewesen), von Dreier bis zu Auswärtskanten und Einwärtskanten. ich hatte die ganze Theorie drauf, nur wollte ich das auch adequat umsetzen auf dem Eis! Ich nahm sogar Ballettunterricht im russischen Ballett! Seltsamerweise erlernte ich Außenkanten schneller als Einwärtskanten und im Publikumslauf in Freiburg übte ich wenn ich Zeit hatte.....bei einem Schaulaufen machte ich auch mit und die größte Herausforderung war da eine beidbeinige Pirouette hinzukriegen! 3 Winter habe ich das durchgezogen und konnte schon ganz ordentliche Bögen, den Anfang eines Auswärtsdreiers und eine beidbeinige Pirouette, Flieger, Storch und Hocke und wollte so gern Rückwärts Übersetzen lernen und auch besser vorwärts übersetzen...dann musste ich den Studienort wechseln, zog nach Marburg, wo es nach Frankfurt an den Bornheimer Hang einfach zu weit war und so lief ich nur ab und zu auf Eisflächen, guckte Eiskunstlaufen (die WM in Dortmund 2004 verbrachte ich tagelang vorm TV und ass auch da (zum Glück gabs da schon zweitfernseher) und lebte alles mit. Kati Witt und Rene Lohse, Stefan Lindemann, Mandy Wötzel und Ingo Steuer in den 90ern, Aljona Savchenko und Robin Szolkovy, Peggy Schwarz und Mirko Müller, Rico Rex und Silvia Dimitriov und Eva Maria Fitze, Patrick Chan......

Das Internet und das Adult Skaten entwickelte sich munter weiter, ich lernte in Foren bis heute und tauschte mich aus mit anderen Freaks:_)) und schließlich besuchte ich meine Verwandtschaft in Kanada. 1998 ging ich da auf einem rink eislaufen und meine Tante kam mit. Blamiert habe ich mich in Kanada jedenfalls nicht mit dem was ich konnte (den Grundlagen eben). Dann kam bis 2009 wieder nur gelegentlich Eislaufmöglichkeit, denn der Verein in Freiburg ruhte weil keine Trainer mehr da waren, bis er vor ein paar jahren wiederbelebt wurde. Was ich erst später mitbekam, war, das die Kursteilnehmer von damals nach Colmar abwanderten und bis heute dort laufen.

Part One

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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Tarancalime » Mo 5. Nov 2018, 15:38

Part Two

Wie dem auch sei 2009 ging ich über die Jahreswende 4 Monate lang nach Toronto zu meiner Tante dort und machte nicht nur Yoga jeden Tag, sondern ging weider aufs Eis...in einem land, wo Autokorsos nach olympischen Eishockeyspielen bei -20 Grad gemacht werden, bleibt einem ja keine andere Möglichkeit dazu....in Toronto gibts 40 ice rinks (mit und ohne Dach) das Paradies.....:-) über ein Netzwerk MeetUp traf ich andere Eisläufer und wir gingen 2 mal die Woche zusammen aufs Eis und einer der beim Zoll am Flughafen arbeitet, gab ein paar lektionen (u.a. merkte er gleich, das ich auf der kante laufen sollte beim Auswärtsbogen und sowas.....als ich nach 4 Monaten überlegte wo ich in Deutschland Eiskunstlauf als Erwachsene machen kann, suchte ich mir Essen aus weil ich dort eine Wohnung 8 Minuten entfernt bekam und ging auf die Suche nach eine Hobbygruppe (zu dieser zeit war ich schon in Foren Mitglied und beim Timo Eberl auf der Eiskunstlaufecke.) Ich fand in Kerstin Neumann und den Eisfüchsen meine ersehnte Hobbygruppe und bin seitdem dort am Dienstagmittag. Das Erste was Kerstin mir beibrachte, waren Pflichtbögen, Holländer und der 3 zeilen schritt......und ich wollte Rückwärtsübersetzen lernen....zusammen mit dem Rollschuhfahren im Sommer habe ich es langsam und stetig gemeistert (und auf dem Weg dahin begegneten mir ein ganzer Haufen meiner Eislaufidole in natura und unterrichteten einem sogar in Workshops in Berlin! (Hallo Knut Schubert) Meinen Kanada Fimmel machte ich auch weider Dampf als die kanadische Eislauftruppe Le Patin Libre in Berlin einen Workshop machte und übrigens jeden Silvester auf der Eisbahn in Köln performt. Sehr empfehlenswert!

Tja, und jetzt bin ich seit 8 Jahren in Vereinen in Essen, Düsseldorf und ab und zu auch in Dortmund, Köln auf dem Eis und lerne unausgesetzt was Neues oder verbessere mich. Der Workshop in Berlin ist eine feste Größe bei mir im Sommer und wenn andere sich in die Kneipe setzen abends gehe ich aufs Eis..:-) Inzwischen habe ich auch ein Schaulaufen bei der DM 2015 in Essen mitgemacht und habe mit durchgesetzt, den Kohlewagen nicht als Pferd verkleidet auf die Eisbahn zu schieben zum Steigerlied! Und die baden-württembergische Fahne übers Eis getragen in der Eröffnung!

Im Moment puzzle ich am Rückwärts Schlangenbogen herum und möchte die Eistanz Basisprüfung machen!

Das Springen überlasse ich eigentlich gut und gerne meinem Idol Patrick Chan. ich möchte mal wie er laufen können ja, springen muss nicht sein. :-) Er hat ja eine Eislaufschule in Vancouver eröffnet. März 2020 ist die WM in Montreal, da will ich hin zum Zuschauen und natürlich zum Eislaufen (Erwachsene die das machen dort gibts genug) ins Gadbois. Kanadier finde ich besonders als Trainer immer noch klasse, ich hab nen Narren an Gary Beacom gefressen, mit seinen Blade Master Seminaren in Oberstdorf. Mal schauen, was ich auch gerne mal machen möchte ist im Cricket Club in Toronto in der Eistanzgruppe von Brian Orser mal als Gast zu laufen(der unterrichtet 1mal die Woche Erwachsene in der Hobbygruppe).

Das war mein Weg aufs Eis.

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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Katrin » Mo 5. Nov 2018, 18:27

Tarancalime, danke für Deinen Bericht !!!!
Bei Orser im TCC wollte ich auch mal trainieren, ich schäme mich aber, so einem Trainerguru unter die Augen zu kommen mit meinem selbstgefundenen Haltungssystem. Ich hab mich ja schon geschämt zu springen heute auf der neueröffneten Eisbahn Würzburgs, denn Isaak Droizen war da.

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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Tarancalime » Mo 5. Nov 2018, 23:21

Katrin hat geschrieben:
Mo 5. Nov 2018, 18:27
Tarancalime, danke für Deinen Bericht !!!!
Bei Orser im TCC wollte ich auch mal trainieren, ich schäme mich aber, so einem Trainerguru unter die Augen zu kommen mit meinem selbstgefundenen Haltungssystem. Ich hab mich ja schon geschämt zu springen heute auf der neueröffneten Eisbahn Würzburgs, denn Isaak Droizen war da.
Ach was, Brian Orser könnte mit seinem Assistenten, dem "Sprungguru" Ghislain Briand (Was ein Name :shifty: ), bestimmt auch deine Probleme lösen....schließ das nie aus.....

Isaak Droizen hat mit dem Wettkampfsport also aufgehört? Das ist schade, ich hab ihn mal bei einem Wettkampf laufen sehen, gefiel mir sehr gut, der Junge.

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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Katrin » Mo 5. Nov 2018, 23:58

Falls Du das mit dem TCC und adult skating anleiern kannst 2020, ich fahr da mit, egal was das kostet.
Meine Bekannte aus Toronto hat sich mal den TCC Plan für heuer angesehen, aber keine adult classes gefunden. Sie würde bestimmt eine gute Stadtführerin sein.
Brian Orser ist ja nicht so dafür dass Erwachsene springen, aber ich bin ja nicht auf den Mund gefallen, ich würde ihn darauf ansprechen oder einfach mal springen.

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Re: Der Weg aufs Eis

Beitrag von Tarancalime » Di 6. Nov 2018, 09:58

Katrin hat geschrieben:
Mo 5. Nov 2018, 23:58
Falls Du das mit dem TCC und adult skating anleiern kannst 2020, ich fahr da mit, egal was das kostet.
Meine Bekannte aus Toronto hat sich mal den TCC Plan für heuer angesehen, aber keine adult classes gefunden. Sie würde bestimmt eine gute Stadtführerin sein.
Brian Orser ist ja nicht so dafür dass Erwachsene springen, aber ich bin ja nicht auf den Mund gefallen, ich würde ihn darauf ansprechen oder einfach mal springen.
Die WM 2020 ist ja in Montreal, nicht in Toronto, wo das TCC ist..:-) Toronto liegt 6 Stunden Fahrtzeit von Montreal entfernt. Ich werde wohl im März 2019 mit dem Planen, Buchen etc. anfangen.....da ist einiges zu tun - beruflich, familiär wie auch was das Eislaufen dort anbetrifft: :-)

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