Eiskunstlauftechniken - erklärt

Katrin
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Re: Eiskunstlauftechniken - das Training

Beitrag von Katrin » Sa 13. Mai 2017, 10:45

Von Mishin weiss ich, dass er keine Diskussion über sein Training zulässt mit den Läufern, erst Läufer vom Könnensgrad her wie Plushenko dürfen ihm ihre Rückmeldung geben oder eigene Ansichten einbringen.

Auch von anderen Trainern sehe ich diesen Lehr-Ansatz:
Die Kinder müssen bedingungslos tun, was der Trainer sagt. Ein autoritärer Stil hilft gegen den Konzentrations-Verlust. Nicht diskutieren, einfach tun - es erscheint fast als zu strenge Zucht, aber je mehr ich nun ins Eiskunstlaufen eintauche, umso mehr befürworte ich diesen Stil: Nicht denken sollen die Kinder, nicht den Verstand einschalten, sie sollen nur machen, das angeborene Bewegungsgefühl aktivieren.

Je älter die Läufer werden und technisch gesehen besser lässt der Trainer die Zügel lockerer, nun kann der jugendliche Läufer mit dem Trainer auch mal diskutieren über die Technik oder Körperhaltung, in dieser Phase sortieren sich leider manchmal eigentliche Bewegungs - Talente, echte Begabungen, von selbst aus, mangelnde Einstellung trainieren zu wollen, aber auch die mangelnde Fähigkeit des Trainers, den Läufer zu erreichen, denn Autorität hilft irgendwann nicht mehr. Dass der Trainer dann mit Erniedrigungen arbeitet wie lautem Benennen des männlichen Läufers mit Mädchennamen oder mit anderen Worten ( Beleidigungen oder Bloss-Stellungen), die in der ganzen Eishalle zu hören sind, geht auch eine gewissse Zeit, aber der Läufer wird auf Dauer anfangen zu blockieren, sozusagen in die innere Emigration zu gehen, vor allem je älter er ist und wie häufig diese Worte kommen.

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Re: Eiskunstlauftechniken - Max beim 3Axel

Beitrag von Katrin » Sa 5. Aug 2017, 21:02

Achtung vor fliegendem Objekt
Max Aaron Philadelphia summer skate 2017.png
Max Aaron Philadelphia summer skate 2017.png (1.09 MiB) 5277 mal betrachtet
Und ein wenig Ernstes noch: Man sieht sehr schön auf dem Eis sein Reinrutschen beim 3A , seinen "skid", als Spur: Der breite Fast- Halbkreis unten links neben der Fensterstrebe samt seiner dreiecksförmigen Eis-Fahne, sieht aus wie ein Segelboot auf einer Welle.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt- Stil

Beitrag von Katrin » Mo 4. Sep 2017, 11:41

Stil.
Keine Eiskunstlauftechnik, ich weiss.

Stil ist Geschmacksfrage. Hat aber auch was mit Technik zu tun, den wie ich den Schlittschuh aufsetze, wie ein Elefant oder wie jemand der das Eis nur streicheln will, kann man lernen mit extrem viel Kniearbeit. Harte werden zu weichen Bewegungen, jedoch: Manche Läufer sind sehr begabt darin, andere nicht. Wie bei Musikern: Manche fühlen die Musik beim Machen, manche machen nur Musik...mit vielen Zwischenstufen selbstverständlich.

Gehört zum Eiskunstlauf wie die Faust aufs Auge ( sorry für den ganz und gar unpassenden Kampfsportbezug) Ballett ? Unbedingt ? Muss jeder Eiskunstläufer Ballett tanzen auf dem Eis ?
Manche Eisläufer tanzen zur Perfektion Ballett, zu perfekt, wie Maschinen.
Bei manchen allerdings ist Ballett genau das, was sie als Basis brauchen um ihre Seele auszudrücken und da schmilzt das Publikum....und die Kampfrichter...und ich auch.
Ballettposen lieber nicht mit Gewalt jemandem aufpfropfen, der sie "nicht rüberbringt".

Einen eigenen Stil zu entwickeln, das dauert. Manche schaffen das nie.

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Re: Eiskunstlauftechniken - Hilfe mein Körper betrügt mich !

Beitrag von Katrin » Mi 11. Okt 2017, 12:38

Viele Läufer ziehen zurück aus Wettbewerben im Moment, Verletzungen, die nicht ausgeheilt sind.
Und warum spielen sie nicht den Indianer, der keinen Schmerz kennt und gehen trotzdem aufs Eis ?

Weil Eiskunstlauf kein Sport auf reines Durchhalten ist. Es ist ein Spiel mit Körperhaltungen, von denen jede exakt ausgeführt werden muss.
Es ist bekannt dass unter Müdigkeit und spätestens bei Verletzungen der Körper Schutzhaltungen einnimmt, die der Verstand nur bedingt überbügeln kann. Vor allem erst neu erlernte oder schwierige Techniken gehen bei Müdigkeit schon nicht mehr.

Direkt vor dem Wettkampf viel springen sollte ein Läufer nicht, damit er sich die Sprünge für den Wettkampf "aufhebt". Ich denke diesen Ansatz möchte Orser bei Hanyu verfolgen, jedoch hat Hanyu mehr Vertrauen in seine Sprünge wenn er sie häufig wiederholt und ich bin sicher, Hanyu hätte in seiner Kür den 3A gestanden, wenn er nicht im Einlaufen diesen einen 3A+2T gesprungen hätte. Lockerlassen. Das kann sein Untergang werden bei seinen grossen Zielen.

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Re: Eiskunstlauftechniken - Hilfe mein Körper betrügt mich !

Beitrag von Henni147 » Mi 11. Okt 2017, 12:52

Katrin hat geschrieben:
Mi 11. Okt 2017, 12:38
Direkt vor dem Wettkampf viel springen sollte ein Läufer nicht, damit er sich die Sprünge für den Wettkampf "aufhebt". Ich denke diesen Ansatz möchte Orser bei Hanyu verfolgen, jedoch hat Hanyu mehr Vertrauen in seine Sprünge wenn er sie häufig wiederholt und ich bin sicher, Hanyu hätte in seiner Kür den 3A gestanden, wenn er nicht im Einlaufen diesen einen 3A+2T gesprungen hätte. Lockerlassen. Das kann sein Untergang werden bei seinen grossen Zielen.
Erstmal vielen Dank für den ausführlichen Erfahrungsbericht!!! Der ist richtig klasse 👌

Zum Zitat oben: ich habe mich richtig geärgert, dass die Olympia-Wettkämpfe so früh am Morgen sind (bei uns entsprechend mitten in der Nacht.)
Vielleicht ist es aber genau das richtige für die Läufer: Sie haben nicht so viel Zeit, sich vor dem Wettkampf verrückt zu machen und reihenweise Sprünge zu versemmeln. Könnte vielleicht sogar dazu führen, dass wir die qualitativ besten Winterspiele überhaupt im Eiskunstlauf sehen werden.

Beim ACI war es ja selbst in Kanada schon nach 23 Uhr, als die Herren ihre Kür gelaufen sind. Da wäre ich auch tot müde gewesen...
» BENVENUTI SUL PIANETA HANYU! ABITANTI UNO: SOLO LUI. «
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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Do 8. Feb 2018, 21:29

Oh das ist gemein, so eine einbeinige Pirouette zu verlagen, das dient nur zur Abschreckung für andere Erwachsene. Selbst Kinder üben erst mal Zweibeinpirouetten. Würd ich sofort abschieben unter "Witzveranstaltung".

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Jenny mit [j] » Sa 10. Feb 2018, 11:07

Hallo Katrin, hab mir das Video mit Kristi Yamaguchi angesehen (die Witzveranstaltung).
Man hätte ja auch einfach mit "geradeaus-laufen" anfangen können (und der Fitness-Trainerin wärmere Sachen geben können)...
Meine Tochter hatte in den Weihnachtsferien einen kleinen Eiskunstlaufkurs über 3 Tage in Hannover, da waren erst mal vorwärtslaufen, Bögen/Kurven fahren und übersetzen dran. Und ich fand es erstaunlich, wie schnell die Kinder das teilweise gelernt haben. Erwachsene - auch mit Profilehrern - sollten auch so beginnen, ich finde, der Respekt vor dem Eiskunstlaufen der "Stars" wird dadurch nicht geschmälert

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mo 12. Feb 2018, 19:12

Der Artikel aus Karl Heinz Presseschau "Auf einen Sprung aufs Eis", ein Zitat:
Und wer nach einem Ausflug auf die Eisbahn Muskelkater hat – in den Armen vor lauter Ausbalancieren, weiss es sowieso: Eiskunstläufer müssen Zauberer sein.

Angst vorm Hinfallen ist der grösste Hemmschuh, Eislaufen zu lernen. Die Arme sind auf Spannung, um das drohende Hinfallen abzumildern.
Trotzdem probieren, den Stand allein aus der Hüfte zu machen: Tief durchatmen, Arme senken, Schultern entspannen, Knie beugen, Hüfte vorschieben und dann erst loslaufen. Man macht ja auch keinen Spaziergang und bekommt am nächsten Tag Muskelkater in den Armen. Man muss sich auf die Hüfte draufsetzen wie auf einen Stuhl (= über der Hüfte stehen) und genauso bequem weiterfahren, genauso bequem Pirouetten drehen und springen. Das ist keine Zauberei.

Der Test dafür, wie weit mans schon kann: Eine Linie vom Hockey nehmen und einbeinig nachfahren. Wenn man wackelt oder die Linie nicht halten kann, ist was falsch in der Körperhaltung.
Bei einem Training der Nebelhorn trophy Oberstdorf habe ich Nobunari Oda zugeschaut: Er ging aufs Eis, seine erste Übung war die Bahn der gesamten Länge nach zu fahren erst auf dem linken Bein, er drehte um, dann auf dem rechten Bein zurück. Und er stand dabei wie festgemauert. Eine Linie brauchte er nicht dazu, er fühlt, ob er genau zentral steht.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Katrin » Mo 9. Apr 2018, 11:13

Nathans rechte Hüfte rotiert mit im Hochziehen.
Hanyu zieht seine linke Hüfte hoch, lässt die rechte stehen ( kann nur er mit seiner beweglichen Hüfte so extrem), so erzeugt er Spannung für das Eindrehen.
2  Vergleich Absprung 4 Lutz Chen und Hanyu.png
2 Vergleich Absprung 4 Lutz Chen und Hanyu.png (1.03 MiB) 5730 mal betrachtet
Die unterschiedliche Kopfhaltung zeigt wo beide ihre Achse haben, bzw wo sie sie hinhaben wollen (Visualisierung).

Zwei vollkommen unterschiedliche Auffassungen, wie man einen Lutz zu springen hat. Wobei die von Nathan lehrbuchmässig anerkannt ist. Statt Nathan hätte ich hier auch Bojang's Lutz zeigen können.

Nachtrag Oktober 2019: Hanyu sagt, er könne den Lutz nur so abspringen, er kriegts mit Vorrotieren nicht hin.

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Re: Eiskunstlauftechniken - erklärt

Beitrag von Tarancalime » Do 25. Okt 2018, 18:23

Katrin hat geschrieben:
Mo 12. Feb 2018, 19:12
Der Artikel aus Karl Heinz Presseschau "Auf einen Sprung aufs Eis", ein Zitat:
Und wer nach einem Ausflug auf die Eisbahn Muskelkater hat – in den Armen vor lauter Ausbalancieren, weiss es sowieso: Eiskunstläufer müssen Zauberer sein.

Angst vorm Hinfallen ist der grösste Hemmschuh, Eislaufen zu lernen. Die Arme sind auf Spannung, um das drohende Hinfallen abzumildern.
Trotzdem probieren, den Stand allein aus der Hüfte zu machen: Tief durchatmen, Arme senken, Schultern entspannen, Knie beugen, Hüfte vorschieben und dann erst loslaufen. Man macht ja auch keinen Spaziergang und bekommt am nächsten Tag Muskelkater in den Armen. Man muss sich auf die Hüfte draufsetzen wie auf einen Stuhl (= über der Hüfte stehen) und genauso bequem weiterfahren, genauso bequem Pirouetten drehen und springen. Das ist keine Zauberei.

Der Test dafür, wie weit mans schon kann: Eine Linie vom Hockey nehmen und einbeinig nachfahren. Wenn man wackelt oder die Linie nicht halten kann, ist was falsch in der Körperhaltung.
Bei einem Training der Nebelhorn trophy Oberstdorf habe ich Nobunari Oda zugeschaut: Er ging aufs Eis, seine erste Übung war die Bahn der gesamten Länge nach zu fahren erst auf dem linken Bein, er drehte um, dann auf dem rechten Bein zurück. Und er stand dabei wie festgemauert. Eine Linie brauchte er nicht dazu, er fühlt, ob er genau zentral steht.
Diese Linienübung mache ich auch regelmäßig! Wusste nicht, dass Oda die auch liebt...;)

Gerade heute habe ich mir in Dortmund im Seniorenlauf (ist eigentlich eine verkappte Adult Skate Laufzeit), Vitali Schulz, den Eislauftrainer von Tim Dieck und Katharina Müller, geangelt und ihn gefragt, wie ich den Schlangenbogen im großen Bogen rückwärts auswärts auf einwärts machen soll. Vorwärts kann ich das, aber ich wills rückwärts können. Ohne das gibts im Eistanz keinen vernünftigen Mohawk oder Choctaw. Zumindest bei mir nicht. Vitali sagte, ganz wichtig ist am Anfang, grade über der Hüfte zu stehen und die Gegenhaltung der Arme erstmal wegzulassen. Lieber aus dem Knie den Kantenwechsel machen und dabei dem Arm der aus dem Kreis zeigt, "hinterherschauen". Nach einigem Eiern auf der Hüfte hab ichs hinbekommen. Aber ich mache da noch viele Kilometer, ganz wie Oda. Wichtig ist, dabei stehenbleiben zu können und nicht abzuknicken. Ich sehe das so oft gerade bei Erwachsenen, die krampfhaft versuchen noch zu schwierige Elemente zu lernen und oft dabei unnötig hinfallen.....
Zuletzt geändert von Tarancalime am Fr 26. Okt 2018, 11:26, insgesamt 1-mal geändert.

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